Uck.png Die UÇK (Ushtria Çlirimtare e Kosovës/dtsch.: Befreiungsarmee des Kosovo) ausgesprochen * war eine albanische paramilitärisch-freischärlerische Organisation, die für die Unabhängigkeit des Kosovo und in Teilen für die Errichtung eines Großalbaniens kämpfte.
Sie entstand 1994, öffentlich trat sie erstmals 1996 in Erscheinung. Ihr Ziel war die Unabhängigkeit des Kosovo, das Mittel war der bewaffnete Kampf. Teile der UÇK strebten auf diese Weise auch den Zusammenschluss aller mehrheitlich von ethnischen Albanern besiedelten Gebiete in Serbien, Mazedonien und Montenegro mit dem Mutterland Albanien an. Mitbegründer und Anführer war bis zu seinem Tod im Jahre 1998 Adem Jashari, danach bis zur Auflösung der UÇK im Jahre 1999 Hashim Thaçi.
Tendenziell wurden die beiden Parteien von jüngeren Albanern und Kosovo-Albanern im westlichen Ausland unterstützt. Rugovas LDK hatte ihren Rückhalt vor allem in der vom kommunistischen Jugoslawien der sechziger und siebziger Jahre geprägten albanischen Führungsschicht des Kosovo.
Schätzungsweise 5000 ethnische Albaner hatten in den Folgekriegen des ehemaligen Jugoslawien auf Seiten Kroatiens oder der Muslimisch-kroatischen Föderation Bosniens gegen die Serben gekämpft. Ein Teil davon schloss sich später der UÇK an.
Die Zusammenhänge zwischen diesen verschiedenen Gruppen bei der Gründung der UÇK sind noch nicht hinlänglich erforscht. Fest steht, dass sich 1994 verschiedene im Untergrund agierende bewaffnete Gruppen zur UÇK zusammenschlossen, so der ehemalige UÇK-Führer Ramush Haradinaj. Im gleichen Jahr begann die UCK systematisch Waffen zu kaufen und ihre Kämpfer auszubilden.
Zum ersten Mal wurde sie im Mai 1997 in der internationalen Presse erwähnt. Zum ersten mal traten UÇK-Mitglieder öffentlich in Uniform am 28. November 1997 auf beim Begräbnis des Kosovaren Halit Gecaj. Er war bei einem UÇK-Angriff auf eine serbische Polizeistation im Kreuzfeuer ums Leben gekommen. Das Begräbnis fand statt in der Ortschaft Laus/Llaushe in der Großgemeinde Srbica/Skenderaj und wurde von 20.000 Kosovo-Albanern besucht. In dieser Phase ihrer Tätigkeit wurde die UÇK von den Kosovo-Albanern weniger wahrgenommen als nationale Armee und mehr als Organisation in der Tradition der baskischen ETA oder der irischen IRA.
Infolge der Kämpfe kam es zur weitflächigen Zerstörung von kosovo-albanischen Siedlungen, im Sommer 1998 registrierten die UN-Hilfsorganisationen etwa 50.000 bis 60.000 vom Krieg Vertriebene im Kosovo. Ziel der UÇK in dieser Phase war es die eigene kosovo-albanische Zivilbevölkerung vor Übergriffen zu schützen.
Mit dem Rückzug der serbischen Streitkräfte Anfang Juni 1999 und dem darauf folgenden Einmarsch der Nato in das Kosovo begann das Ende der UÇK: UNO und die Nato-geführte KFOR verlangten Entwaffnung und Auflösung und wollten auch nicht die Bildung einer Armee des Kosovo zulassen. Offiziell wurde die UÇK am 20. September 1999 aufgelöst; faktisch wurde sie in verschiedene Nachfolgeorganisationen transformiert.
Zur Bewaffnung der UÇK zählten zu Beginn überwiegend Sturmgewehre vom Typ Kalaschnikow AK-47. Darüber hinaus verfügte sie später über Gewehrgranaten und wenige panzerbrechende Waffen, Panzerabwehrwaffen vom Typ RPG-7 und RPG-8, Mörser und Minen.
Die Waffen kamen zu einem großen Teil aus Albanien, wo seit dem Lotterieaufstand vom März 1997 über eine halbe Million Waffen im Umlauf waren. Eine weitere Quelle waren die Bestände der ehemaligen jugoslawischen Volksarmee (gekauft in Serbien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien und Mazedonien). Dazu kamen Waffen aus der früheren Sowjetunion, China, Singapur, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien.
Ein Teil der Bewaffnung kam auch aus NATO-Ländern. So hob laut einer dpa-Meldung vom 12. April 1999 die italienische Polizei ein umfangreiches Waffenlager aus, das – so die Meldung – "für die UCK bestimmt war. Etwa 30 Tonnen Kriegsgerät, darunter Luft- und Panzerabwehrraketen, Granatwerfer und Maschinengewehre". Die Waffen seien in aus Deutschland stammenden Lastwagen mit bosnischen Kennzeichnen versteckt und als Caritas-Hilfslieferung für Kriegsflüchtlinge in Albanien deklariert gewesen. Unklar blieb, wo die Lkw die Waffen – unter denen sich über 1000 aus einem NATO-Arsenal in Deutschland entwendete Granaten befanden – geladen haben.
Eine zentrale Rolle bei den Waffenlieferungen an UCK kommt der albanischen Regierung zu. Hashim Thaçi erklärte, die Nato habe keine Waffen geliefert, aber andererseits die Bewaffnung auch nicht verhindert.
CIA-Berater halfen der UÇK spätestens seit 1999 mit militärischen Handbüchern zur Ausbildung und Ratschlägen zur Bekämpfung serbischer Polizei- und Armeeeeinheiten. Es ist unklar, ab wann genau solche Unterstützung gewährt wurde.
De facto agierten die einzelnen - mitunter rivalisierenden - regionalen Gruppierungen im wesentlichen unabhängig voneinander. Eine durchgängige vertikale Kommandostruktur (von oben nach unten) gab es nicht.
Die UCK war aufgeteilt in einen harten Kern von mehreren hundert professionellen Kommandos, denen auch Mitglieder der ehemaligen jugoslawischen Sicherheitskräfte (Polizei und Armee angehörten). Daneben gab es die breite Masse der lokalen Heimwehren.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt begann die UÇK auch selbständig Gelder im Ausland - etwa bei der albanischen Gemeinde in New York - zu sammeln. Wie ein UÇK-Offizieller später erklärte, sei es den ausländischen Kosovaren überlassen worden, ob sie die Abgabe an die Rugova oder an die UÇK spendeten. Nach Angaben von Kosovaren, die sie gegenüber kroatischen beziehungsweise amerikanischen Medien machten, sollen es beispielsweise in Kroatien 4 Millionen Mark, in den USA zehn Millionen Dollar gewesen sein.
Wie die "Berliner Zeitung" in Brüssel erfuhr, schätzen die Geheimdienste allein die bisherigen Einkünfte der UCK '' also bis Anfang 1999) auf über 900 Millionen Mark. Mindestens die Hälfte davon stamme aus Gewinnen des illegalen Rauschgifthandels; der Rest werde in Fonds gesammelt, die Namen trügen wie "Das Vaterland ruft" oder "Das Heimatland bittet um Deine Hilfe". "Dunkles oder gewaschenes Geld macht einen großen Teil der Mittel für die UCK aus", hieß es. Der Drogenschmuggel reiche vom Quellenland Afghanistan bis nach Westeuropa. Daß ein großer Teil des Rauschgift-Vertriebs in der Europäischen Union in den Händen von Kosovo-Albanern liegt, ist auch bei der europäischen Polizeibehörde Europol in Den Haag bekannt.
Agim Çeku, Oberkommandierender der UÇK, umriss Im Jahr 1999 die Ziele der UÇK im neuen Kosovo wie folgt: "Ein Teil wird Teil der Polizei werden, ein Teil wird Zivilverwaltung werden, ein Teil die Kosovo-Armee, eine Verteidgungsstreitkraft werden. Und ein anderer Teil wird sich als politische Partei formieren."
Die Mitglieder der UÇK traten in der Folge das Kosovo-Schutzkorps ein, gingen zur Polizei, in die Politik, die Wirtschaft, wandten sich dem organisierten Verbrechen zu oder zogen sich ins Privatleben zurück. Die einzelnen Tätigkeitsfelder sind dabei nicht als strikt voneinander getrennt zu begreifen.
Es blieben somit, nach Schätzungen der UNO-Experten etwa 22.000 bis 30.000 Waffen, die nicht abgegeben wurden. Sie dürften sich zum Teil in Waffenlagern in Albanien (in der Region Bucaj und Krumë) zum Teil im Kosovo selbst befinden. Die UNO-Experten nehmen an, dass sich etwa 11.800 bis 15.800 im Besitz illegaler paramilitärischer Gruppen befinden und etwa 8000 bis 18.000 in Privatbesitz.
Insgesamt gesehen, war die Entwaffnung nur teilweise erfolgreich. Es verblieben offenkundig ein Teil der gerade angeschafften moderneren Waffen in Waffenlagern, um für den aus UÇK-Sicht schlimmsten Fall (Wiedervereinigung mit Serbien) gerüstet zu sein. Ein anderer Teil wurde schlicht privatisiert.
Der ehemalige Oberkommandierende Agim Ceku hat diese Kontinuität 1999 in einem Interview klar betont: "Wir sehen das Schutzkorps als Brücke zwischen der UÇK, einer Organisation in Kriegszeiten hin zu einer regulären modernen Armee des Kosovo."
1999 wurde in Mazedonien die Ushtria Çlirimtare Kombetare (UÇK) gegründet. Die "Nationale Befreiungsarmee" der albanischen Mazedonier kämpft nach ihren Aussagen gegen die Unterdrückung ihrer Landsleute.
Sie trat erstmals im Januar 2001 mit Feuerüberfällen im Norden des Landes in Erscheinung und bekannte sich zu einem Anschlag auf die Polizeistation von Tearce. Ihr erstes "befreites Gebiet" rief die UÇK im Februar in Tanuševci aus und kontrolliert nach eigenen Angaben inzwischen weite Gebiete im nordwestlichen Gebirge des Landes.
Die Regierung schätzt die UÇK auf etwa 500 Rebellen, die UÇK spricht von bis zu 4.500 Kämpfern und 500.000 Sympathisanten in der Bevölkerung.
Bisher nicht eindeutig geklärt sind die Beziehungen zwischen der mazedonischen UÇK zu der aufgelösten Untergrundarmee im Kosovo. Obwohl viele Kämpfer im Kosovo rekrutiert werden, stammt die Mehrheit aber offensichtlich aus Mazedonien.
Der politische Führer der mazedonischen UÇK ist Ali Ahmeti, der bereits in der Kosovo-UÇK gekämpft hat. Ahmeti stammt aus dem westmazedonischen Albaner-Gebiet bei Kičevo. 1981 von den damaligen jugoslawischen Behörden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, ging er nach seiner Freilassung zunächst in die Schweiz und kehrte später wieder in den Kosovo zurück.
Der militärische Führer der mazedonischen UÇK, Generalstabschef Gezim Ostreni, war einst jugoslawischer Armeeoffizier und hatte im Kosovo bereits der dortigen UÇK und danach dem Kosovo-Schutzkorps angehört.
Im Sommer 2000 kündigte die Chef-Staatsanwältin des ICTY an auch Verbrechen zu untersuchen, die von albanischen Extremisten im Kosovo einschließlich ehemaliger UCK-Mitglieder begangen worden seien. Der bislang prominenteste Angeklagte ist der ehemalige Premierminister und frühere UCK-bezirkskommandeut Ramush Haradinaj. Die Anklageschrift gegen ihn spricht von einer "kriminellen Vereinigung" (joint criminal enterprise).
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