Die turkstämmigen Tuwiner (Eigenbezeichnung: Тыва *) oder auch Tyva sind die größte nichtrussische Bevölkerungsgruppe im Altai-Sajan-Gebiet (Süd-Sibirien). In der Republik Tuwa stellen die mehr als 200.000 Tuwiner (1989: 198.448) die Bevölkerungsmehrheit (1989: 64,31%). Sie gehören heute zu den Turkvölkern.
Ihre traditionelle Wirtschaftsform war die nomadische Viehzucht, die Todzha im Nordosten des Siedlungsgebietes betrieben Rentierzucht. Nach dem Ende des Oiratenreiches gehörten die Tyva zu China und standen unter (ost)mongolischer Verwaltung, die einheimische Oberschicht war weitgehend mongolisiert. Im 19. Jahrhundert setzte der Buddhismus sich allmählich als vorherrschende Glaubensrichtung durch. Nach der chinesischen Revolution errichtete das Zarenreich 1914 auf dem größten Teil des Tyva-Gebietes das Protektorat Urianchajski Kraj.
Auf die russische Revolution 1917 folgte eine Periode der Besetzung durch chinesische Truppen und verschiedene russische Bürgerkriegsparteien und schließlich 1922 die Gründung der „Republik Tannu-Tuwa Ulus“(tyvanisch: Tahdy-Tyva Ulus Respublika). 1922 erfolgte auch die Gründung der Revolutionären Volkspartei TARN (tyvanisch: Tyva arattyh revoljustug namy). 1926 wurde sie in Tyva Arat Respublika/TAR (Tyvaische Volksrepublik) umbenannt. Die erste „republikanische“ Regierung führte der Adlige Nojan Bujan-Badyrgy, das feudale Oberhauptes des Xošun (Bezirks) Daa (mongolisch: Nojon Bujan- Badraxuund). Sie dauerte von 1921-1924. Die Amtszeit der Regierung Donduk Kuular(1924-1929) war durch eine Politik der Anlehnung an die Mongolische Volksrepublik und Förderung des Buddhismus geprägt. Durch die Kulturrevolution 1929/1930 kamen sowjetisch geprägte Kader an die Macht, die eine Umgestaltung nach sowjetischen Vorbild einleiteten. Als Amtssprache wurde nun an Stelle des Gemeinmongolischen die tyvanische Schriftsprache entwickelt, die bis 1940 mit lateinischen Buchstaben geschrieben wurde.
1944 wurde das Gebiet der aufgelösten Volksrepublik als Autonome Oblast' der RSFSR (Russische/Russländische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik) angegliedert, 1961 erhielt es den Status einer Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik. 1991 wurde diese zur Republik Tyva umgebildet.
Den den Tuwinern eng verwandten Dyva im Westen der heutigen Mongolischen Republik blieb lange Zeit die Anerkennung als nationale Minderheit versagt, da sie im kasachisch dominierten Bajan-Ölgii-Aimag lebten. Diese Gruppe wurde in älteren Quellen mitunter als Gök Mantschaq oder Gök Tschuluutan bezeichnet, was auf die Bezeichnung einer Teilgruppe, nämlich Gök Mandtschaq, zurückgeht. Gegenwärtig konsolidiert sich ihre Gemeinschaft im Cängäl-Sum durch Rückkehr von vorher in die Zentralmongolei ausgewanderten Familien. Die Zahl aller Tyva der Mongolei dürfte zwischen einigen Tausend und Zehntausend liegen, die verschiedenen Angaben sind widersprüchlich. Der tyvaische Journalist Mongal Sedip geht gar von 30.000 aus.
In der VR China leben einige Tausend Aldaj dzhüktüh dyvazy, also Dyva der Altairichtung (südlich/südwestlich des Altaikammes). Je nach Quelle wird von 2.000 (1989) oder 5.000 (1992) ausgegangen. Obwohl die chinesische Regierung den Tuwinern Anfang der 50er Jahre angeboten hatte, sie als eigenständige Nationalität („nationale Minderheit“) anzuerkennen, bestehen diese bis heute darauf, zu den Mongolen, im konkreten Fall zu den hier ansässigen Oiraten gezählt zu werden. Als Grund wurde inoffiziell die Befürchtung genannt, als quantitativ kleine Gruppe dem Druck der ebenfalls turksprachigen, aber islamischen Kasachen nichts entgegensetzen zu können. Teil der quantitativ starken Gruppe der Mongolen zu sein, mit denen sie Religion und Lebensweise teilen und deren Sprache sie fast alle beherrschen, gebe ihnen ein Gefühl kultureller Sicherheit.