Ein Tutor (v. lat. tutor = der Vormund, Beschützer) ist an heutigen Universitäten eine Person, die mit der Unterrichtung und Leitung anderer beauftragt ist. Er beobachtet und greift helfend ein. Die Bedeutung des Begriffes leitet sich aus dem Lateinischen, tutela, der Vormundschaft (von "tueri", schützen, in der römischen Kaiserzeit personifiziert zu einer selbständigen Schutzgöttin des Hauses) ab.
Im römischen Recht ist der tutor der Vormund von Personen, denen die Rechtsordnung, obwohl sie sui iuris ("eigenen Rechts") sind (sie stehen unter niemandes Gewalt), keine selbständige Handlungsfähigkeit zugesteht: tutor impuberum für Unmündige (Knaben unter 14, Mädchen unter 12), tutor mulieris für Frauen.
Aufgrund verschiedener Lehrstrategien entwickelten sich auch die verschiedenen Rollen und Formen der Lernbegleitung: Die bekannteste Rolle ist die des Lehrers, daneben gibt es noch die des Coaches und des Tutors.
Tutorielle Lernbegleitung erfordert einen strukturell vorbestimmten und vorgedachten Lernprozess. Diese Art des Lernens hat seine Wurzeln im Kognitivismus. Der Lernende hangelt sich bei dieser Lehrstrategie an einem so genannten "roten Faden" durch einen weitgehend linearen Lernprozess. Der Tutor kennt die Anforderungen und Lösungen. Er kann bei Fehlern oder Überforderung des Lernenden jederzeit helfend eingreifen.
Viele Lernende empfinden diese Strategie als sehr angenehm, weil sie die Führung kaum einschränkend empfinden und auf effiziente Weise einen fest umrissenen Lerninhalt beherrschen lernen.
Vertreter des Konstruktivismus lehnen diese Strategie ab und setzen auf entdeckendes Lernen, wofür der Coach besser geeignet ist.
An der Universität sind Tutoren als Hiwi angestellte Studenten oder Doktoranden, die Übungen oder Tutorien leiten.
Ein Tutorium oder Tutorat ist an einer Hochschule eine Lehrveranstaltung im Grundstudium, in der ein fortgeschrittener Studierender eine Lehrveranstaltung unterstützt, indem er mit den Teilnehmern Grundkenntnisse vertieft und -fertigkeiten einübt.
Im Unterschied dazu wird eine Lehrveranstaltung, die eine Vorlesung unterstützt und von einem Professor oder Mitarbeiter eines Lehrstuhls abgehalten wird, Übung genannt.
Die Bezeichnungen "Tutorium" und "Übung" können allerdings je nach Universität und Größe der Lehrveranstaltung variieren.
Mittlerweile haben sich auch viele freiberufliche und festangestellte Trainer zu Tele-Tutoren weiterqualifiziert. Es gibt eine Vielzahl an nationalen und internationalen Tutorenausbildungen, die Trainer dazu befähigen, Lernprozesse mit Unterstützung der neuen Medien zu begleiten und zu fördern. Weiterhin gibt es inzwischen auch virtuelle Tutoren, die zu den pädagogischen Agenten zählen.
In Baden-Württemberg, Hessen und im Saarland werden Lehrer an Gymnasien in den Klassenstufen 12 und 13 (G9) bzw. 11 und 12 (G8), die Aufgaben des Klassenlehrers wahrnehmen Tutor genannt. Zwar kann der Schüler jeden beliebiegen Lehrer der Schule als seinen Tutor wählen, aber meistens ist dies doch dann der Klassenlehrer. Da der Klassenlehrer sich z. B. auch bei den Fachlehrern informieren kann und am besten helfen kann.
Tutoren sind auch in Studenten-Wohnheimen Personen, meist im Wohnheim wohnende Studenten, die in verschiedenen Positionen wie EDV-Tutor, Wohnheimsprecher, Ausländer-Tutor, Kultur-Tutor usw. die Interessen der Wohnheimbewohner gegenüber dem Studentenwerk vertreten und auch umgekehrt. Des weiteren kümmern sie sich um die Planung und Umsetzung der dem Amt entsprechenden Aufgaben im Wohnheim, z.B. internationale Kochabende, Einrichten des Internets, Sportveranstaltungen usw.
Außerdem werden an vielen Gymnasien "Tutoren", also Schüler aus höheren Klassenstufen dazu eingesetzt, vor allem den jüngsten Schülern den Einstieg in das Gymnasium zu erleichtern und eine Klassengemeinschaft aufzubauen. Dazu werden sie oftmals in Seminaren speziell auf ihre Aufgaben in den Bereichen Konfliktlösung, Umgang mit Kindern und Didaktik vorbereitet.
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