Der Turmbau zu Babel ist eine bekannte mythische Erzählung des Alten Testamentes der Bibel. Die Stadtbezeichnung „Babel“ ist in der hebräischen Fassung ein Wortspiel, das „Geplapper“ oder „Gebrabbel“ bedeutet. Einige Historiker halten dieses Wortspiel für Volksetymologie, denn die griechische Form des Namens, Babylon, leitet sich vom Akkkadischen bāb-ilu ab, was „Tor Gottes“ bedeutet. Nachdem man die Geschichte zunächst als rein mythologischen Text verstanden hatte, ist seit 1913 durch archäologische Funde belegt, dass sich die Geschichte auf einen historischen Turm bezieht. Die Umstände der Erzählung sind allerdings nicht historisch, sondern mythologisch.
Beschrieben wird ein Volk aus dem Osten, welches eine Sprache spricht und welches sich in der Ebene in einem Land namens Schinar ansiedelt, um eine Stadt mit einem Turm „mit einer Spitze bis zum Himmel“ zu bauen. Gott steigt vom Himmel herab und besieht sich die Sache. Nun befürchtet er, dass ihnen „nichts mehr unerreichbar“ erscheint, was sie sich auch vornehmen mögen, oder wie man es heute vielleicht umschreiben würde, dass das Volk größenwahnsinnig werden könnte. Gott „verwirrt“ ihre Sprache und vertreibt sie „über die ganze Erde“. Die Leute hören (gezwungenermaßen) auf, am Turm weiter zu bauen.
Die Erzählung vom Turmbau zu Babel (Genesis 11,1–9) beschließt die biblisch-mythischen Erzählungen des Buchs Genesis. Sie will die Erklärung liefern, weshalb nicht nur die Menschheit, sondern der Mensch an und für sich gespalten ist, die „Sprache“ des Anderen nicht mehr versteht und in die Welt zerstreut ist, und sieht den Grund dafür im Streben des Menschen zum Himmel, in seinem Machbarkeitswahn, sich ein Zeichen zu setzen, die Völker zu vereinen und letztlich darin, nicht den Willen Gottes zu suchen, sondern sich mit dem eigenen Werk zu erhöhen. Der Mensch wird zum Gotteslästerer im Namen der Ordnung (Albert Camus).
Der Jahwist als Schöpfer dieser Erzählung bringt damit zum Ausdruck, dass der Mensch als homo faber in theologischem Sinne schon gescheitert ist, bevor er sich zivilisatorisch zu eigener Größe erheben kann. In Fortführung des Themas der Genesis, dass der erste biblische Mörder Kain, der seinen Bruder Abel erschlägt, zum Gründer der ersten Stadt wird, der Engführung also von städtischer Zivilisation und Mord, wird hier wieder Zivilisationskritik geübt, die natürlich der nomadisch-hebräischen Lebensweise gegenübersteht. Ironisch wird sprachlich, in der hebräischen Bibel, zudem auf die Vorstellung des Menschen Bezug genommen, sich in die Höhen des Gottes begeben zu können, Gott im Himmel zu suchen. Dem Motiv einer Ursprungsgeschichte entsprechend könnte man somit sagen, dass hier ein Thema behandelt wird, das „schon immer“ aktuell war und die hebräische Bibel durchzieht.
Der Turmbau zu Babel ist die Allegorie für das menschliche Trauma, mit einem anderen Menschen nicht reden zu können, weil er eine andere Sprache spricht. Die Auflösung dieses Traumas bietet im Christentum das Pfingstwunder der Apostelgeschichte (Apg 2).
In der jüdischen Kultur und Tradition zeigt die mythische Erzählung vom Turmbau zu Babel jedoch schlicht den Willen Gottes, der die Vielfalt und Uneinheit der Völker will und deshalb gezielt hervorruft.
1679 stellte der Jesuit Athanasius Kircher eine Theorie auf, die gegen die Existenz des Turmes sprach. Seiner Meinung nach beträgt die Entfernung Erde und Himmel 265.380 km. Hierfür hätten ca. 4.500.000 Arbeiter etwa 3400 Jahre ununterbrochen arbeiten müssen. Das Gewicht des Turmes hätte das Gewicht der Erde übertroffen und so die Erde aus dem Mittelpunkt des Universums herausgeschoben.
Die Menschen damals wurden überheblich und sahen den Turm als ihr Zentrum an. Das gefiel Gott nicht, denn er hatte den Menschen mit der Aufgabe geschaffen, die gesamte Erde zu bevölkern und sie sich untertan zu machen. Der Bau dieses hohen Turmes stellte einen Akt der Gotteslästerung dar, da er von Nimrod, einem gewaltigen Kämpfer im Widerstand gegen Gott, mit dem Vorsatz begonnen wurde, sich offen Gott zu widersetzen. (und machen wir uns einen berühmten Namen, damit wir nicht über die ganze Erdoberfläche zerstreut werden; 1. Mose 11,4) In Folge verwirrte Gott die Sprache der Menschen, die den Turm bauten und zerstreute sie über die ganze Erde.
Der Turmbau wird als Konstrukt für die Erklärung der "Sprachverwirrung" benutzt. Sie erfolgt im Alten Testament zeitlich nach der Sintflut und vor der Reise Abrams (der spätere Abraham) nach Haran. Daran kann richtig sein, dass es in der Zeit davor, eine weitaus größere sprachliche Einheit gegeben hat, was die indoeuropäische Sprachforschung (IE) dadurch anzeigt, dass man von einer gemeinsamen Ursprache ausgeht, die sich (im Zuge der Verbreitung ihrer Sprecher) in die heute existierenden IE-Sprachen aufteilte.
Die Existenz eines Turms zu Babylon ist seit 1913 archäologisch nachgewiesen. Es handelt sich um eine Tempelanlage (Zikkurat) in Babylon, deren Fundamente der deutsche Architekt und Archäologe Robert Koldewey freigelegt hat. Der Turm entstand aber zu einer Zeit als es die Sprachenvielfalt bereits gab.
Die Bibel spricht vom Turmbau zu Babel, der griechischen Form des hebräischen Wortes bavel für Babylon, das auf das akkadische Wort babilum, Gottes Tor, zurückgeht. Das Wort Zikkurat könnte man auch mit Hochhaus übersetzen, abgeleitet aus dem akkadischen Wort zaqaru für aufrichten, hochheben.
Turm-babylon.jpg Nach der Zerstörung um 2300 v. Chr. durch Sargon von Akkad machte Hammurabi (1792 v. Chr.–1749 v. Chr.) 600 Jahre später Babylon zur Hauptstadt. Er erhob den Stadtgott Marduk (Altes Testament: Merodach) zur höchsten Gottheit des babylonischen Reichs. Der Hinweis in der Bibel im Zusammenhang mit der babylonischen Sprachverwirrung bezieht sich wahrscheinlich auf einen Tempelturm in der Stadt.
Urkundlich erwähnt wird der Turm als Zikkurat von Etemenanki (sumerisch: Haus des Himmelsfundaments auf der Erde) in der Tempelanlage Esagila (sumerisch: Tempel des erhobenen Hauptes) erstmals in den Annalen des assyrischen Königs Sanherib (Sennacherib), der 689 v. Chr. den Tempel zerstörte, aber die Stadt verschonte.
Seine Nachfolger Esarhadon (Assurhaddon) und Assurbanipal (680 v. Chr.–659 v. Chr.) begannen mit dem Wiederaufbau, wie Inschriften im Fundament belegen. Nach der Befreiung von der assyrischen Herrschaft setzte der babylonische Herrscher Nabopolassar den Ausbau der Anlage fort, sein Sohn Nebukadnezar II. (604 v. Chr.–562 v. Chr.) vollendete ihn. Zusammen mit den hängenden Gärten der Semiramis und den Stadtmauern von Babylon bildete der Turm zu Babylon eines der Sieben Weltwunder der Antike, wobei in späteren Zeiten oftmals nur noch die hängenden Gärten erwähnt wurden.
In der Folgezeit verfiel das Bauwerk, möglicherweise auch durch Zerstörungen durch den Perserkönig Xerxes I. (586 v. Chr.–465 v. Chr.).
Bei seinem Einzug in Babylon im Frühjahr 323 v. Chr. ließ Alexander der Große die Reste bis auf das Fundament abreißen, um den Turm neu zu errichten. Dabei blieb es bis heute, da Alexander wenige Monate später verstarb.
Der Turm hatte eine Grundfläche von 91,48 x 91,66 m und eine Höhe von ca. 91 m, wahrscheinlich abgestuft in sieben, nach dem Geschichtsschreiber Herodot in acht Plateaus. Den Abschluss bildete ein Tempel, dessen Räume nur von Priesterinnen betreten werden durften. Wahrscheinlich nutzten Priester das Dach des Gebäudes, um dort astronomische Beobachtungen durchzuführen.
Als Baumaterial verwandten die Babylonier gebrannte Lehmziegel, wobei sie die Außenziegel farbig (blau?) emaillierten.
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