Sprachfamilien der Welt (non Altai).png
Die Turksprachen – auch turkische Sprachen, Türksprachen oder türkische Sprachen genannt – bilden eine in Eurasien weit verbreitete Sprachfamilie von rund 40 relativ eng verwandten Sprachen mit etwa 155 Mio. muttersprachlichen Sprechern (bis zu 180 Mio. mit Zweitsprechern). Sie sind eine Untergruppe der altaischen Sprachen. (Die beiden anderen Untergruppen sind die mongolischen und tungusischen Sprachen.)
Alle Themen, die sich auf die altaischen Sprachen als Ganzes beziehen, sind im Artikel Altaische Sprachen behandelt, insbesondere die Frage, ob die altaischen Sprachen eine genetische Einheit (Sprachfamilie) oder – wie heute eher angenommen – nur einen Sprachbund typologisch verwandter Sprachen bilden.
Zum geschichtlichen Hintergrund siehe den Artikel Turkvölker.
In den Turksprachen erfolgt – ähnlich wie auch in anderen Sprachen – keine Unterscheidung zwischen den Wortstämmen „turk-“ und „türk-“. Diese im Deutschen vorhandene besondere Unterscheidungsmöglichkeit bietet den Vorteil, klar zwischen „türkisch“ (Adjektiv zu „Türkei“ und „Türken“) und „turkisch“ (bezieht sich auf alle Turksprachen und Turkvölker) zu unterscheiden. Diese Praxis wird allerdings in der Turkologie - der Wissenschaft von den Turksprachen - noch nicht allgemein genutzt. In der deutschsprachigen Turkologie werden von manchen Forschern neben „Turksprachen“ und „turkische Sprachen“ auch die Bezeichnungen „Türksprachen“ und selten „türkische Sprachen“ für die gesamte Gruppe verwendet. Das „Türkische“ (im engeren Sinne) wird dann als „Türkei-Türkisch“ bezeichnet, um die Unterscheidung deutlich machen zu können.
In der Mehrzahl der aktuellen Ausgaben der deutschsprachigen Sprachlexika und in der aktuellen Brockhaus-Enzyklopädie wird der Begriff „Turksprachen“ verwendet.
Das Englische unterscheidet „turkic“ für „turkisch“ und „turkish“ für „türkisch“, differenziert also durch die Endung.
In diesem Artikel bietet es sich aus stilistischen und fachlichen Gründen an, außer "Turksprachen" gelegentlich auch die Varianten "turkisch" als Adjektiv und "Turkisch" als Namen für die genetische Einheit der Turksprachen zu verwenden, auch wenn sie in der deutschsprachigen turkologischen Literatur nur von einer Minderheit der Forscher so benutzt werden.
Mit insgesamt etwa 40 Sprachen, die von 155 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen werden (bis zu 180 Mio. mit Zweitsprechern), bildet die Familie der Turksprachen die mit Abstand größte und bedeutendste der drei Untergruppen des Altaischen. Sie ist – nach der Zahl ihrer Sprecher – die siebtgrößte Sprachfamilie weltweit (nach Indogermanisch, Sinotibetisch, Niger-Kongo, Afroasiatisch, Austronesisch und Drawidisch) und besitzt in den nächsten Jahrzehnten noch ein erhebliches Wachstumspotential.
Die meisten Turksprachen sind sich in der Phonologie, Morphologie und Syntax sehr ähnlich, allerdings weichen Tschuwaschisch, Chaladsch und die nordsibirischen Turksprachen Jakutisch und Dolganisch nicht unerheblich von den übrigen ab. Zwischen den Sprechern der meisten turkischen Sprachen ist eine partielle wechselseitige Verständigung möglich, vor allem wenn sie zur gleichen Untergruppe gehören (zur Klassifikation vgl. den nächsten Abschnitt). Diese relativ große Ähnlichkeit der Sprachen erschwert die klare Festlegung von Sprachgrenzen, zumal zwischen Nachbarsprachen meist Übergangsdialekte bestehen. (Häufig werden diese Grenzen künstlich durch politische Entscheidungen und Zugehörigkeiten gezogen.) Auch die innere genetische Gliederung der Turksprachen ist wegen ihrer Ähnlichkeit und intensiven wechselseitigen Beeinflussung problematisch, was zu unterschiedlichen Klassifikationsansätzen geführt hat (siehe „Klassifikation“).
Die Turksprachen sind über ein riesiges Gebiet in Ost- und Südosteuropa und West-, Zentral- und Nordasien verbreitet (siehe Verbreitungskarte). Dieses Gebiet reicht vom Balkan bis nach China, von Zentralpersien bis zum Nordmeer. In rund dreißig Ländern Eurasiens werden eine oder mehrere Turksprachen in nennenswertem Umfang gesprochen, bemerkenswert ist der hohe Anteil Türkischsprechender in Deutschland und im sonstigen Westeuropa aufgrund der Migrationen der letzten Jahrzehnte. (Siehe auch „Turksprachen nach Staaten“.)
Rund drei Viertel aller Sprecher von Turksprachen verwenden nur eine der drei größten :
Weitere Turksprachen mit mehr als einer Millionen Sprecher sind:
Sprecherzahlen 3/2006 aus diversen geprüften Quellen. 5 % bis 10 % höhere Werte sind durch den zeitlichen Abstand zwischen Ermittlung und Veröffentlichung möglich.
Wie eng die Turksprachen miteinander verwandt sind – wenn man von Tschuwaschisch, Chaladsch und den nordsibirischen Turksprachen absieht - zeigt bereits ein Blick auf die folgende Tabelle, die einige Wortgleichungen des Grundwortschatzes für die Sprachen Altturkisch, Türkisch, Turkmenisch, Tatarischen, Kasachisch, Usbekisch und Uighurisch enthält. (Eine umfassende Übersicht enthält der Abschnitt „Lexikalischer Vergleich der Turksprachen“.)
Vergleich einiger Grundwörter in wichtigen Turksprachen
| Deutsch | Altturkisch | Türkisch | Turkmenisch | Tatarisch | Kasachisch | Usbekisch | Uighurisch |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Mutter | ana | anne | ene | ana | ana | ona | ana |
| Nase | burun | burun | burun | boryn | murιn | burun | burun |
| Arm | qol | kol | qol | kul | qol | qo'l | kol |
| Straße | jol | yol | ýol | jul | zhol | yo'l | yol |
| fett | semiz | semiz | semiz | simyz | semiz | semiz | semiz |
| Erde | topraq | toprak | topraq | tufrak | topιraq | tuproq | tupraq |
| Blut | qan | kan | gan | kan | qan | qon | qan |
| Asche | kül | kül | kül | köl | kül | kul | kül |
| Wasser | suv | su | suw | syw | suw | suv | su |
| weiß | aq | ak | ak | ak | aq | oq | aq |
| schwarz | qara | kara | gara | kara | qara | qora | qara |
| rot | qyzyl | kιzιl | qyzyl | kyzyl | qιzιl | qizil | qizil |
| Himmel | kök | gök | gök | kük | kök | ko'k | kök |
Turkische Nationalsprachen sind Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Kasachisch, Kirgisisch und Usbekisch. Einen besonderen Status als offizielle Regionalsprachen autonomer Republiken oder Provinzen haben darüber hinaus in Russland Tschuwaschisch, Kumykisch, Karatschai-Balkarisch, Tatarisch, Baschkirisch, Jakutisch, Chakassisch, Tuwa, Altaisch und in China Uighurisch.
Turksprachen werden in etwa 30 Staaten Europas und Asiens gesprochen. Die Tabelle zeigt ihre Verbreitung in den einzelnen Staaten. Die Sprachen sind nach den turkischen Unterfamilien angeordnet (siehe Klassifikation).
Einige Turksprachen sind in ihrer Existenz stark gefährdet, da sie nur noch von wenigen, meist älteren Menschen gesprochen werden. Direkt vom Aussterben in den nächsten Jahren bedroht sind das südsibirische Tofa oder Karagassische, das Karaimische in Litauen, das Jüdisch-Krim-Tatarische und das Ili-Turki in Nordwestchina (Ili-Tal). Nur noch einige Tausend Sprecher haben das Aynallu in Iran, das Yugur (Gansu-Provinz) und Ainu (bei Kaschgar), beide China, das nordsibirische Dolganisch und das südsibirische Tschulymisch, am Tschulym-Fluss nördlich des Altai. Alle anderen Turksprachen sind relativ stabil, die Sprecherzahlen der großen turkischen Sprachen nehmen zu.
Wie schon oben erwähnt, erschwert die relativ große Ähnlichkeit und intensive gegenseitige Beeinflussung der Turksprachen, außerdem die hohe Mobilität der turkischen Ethnien die klare Festlegung von Sprachgrenzen und die innere genetische Klassifizierung, was zu unterschiedlichen Klassifikationsansätzen geführt hat. Dennoch haben sich heute relativ stabile und gleichartige Einteilungen ergeben, die alle letztlich auf den russischen Linguisten Alexander Samoilowitsch (1922) zurückgehen. Obwohl Klassifizierungen grundsätzlich genetisch sein sollten, spielt bei der Gliederung der Turksprachen die geographische Verteilung eine große Rolle.
Das Tschuwaschische (zusammen mit dem ausgestorbenen Bolgarischen) bildet einen eigenen „bolgarischen“ Zweig der Turksprachen, der dem Rest der Familie (Turkisch i. e. S. oder Gemeinturkisch) mit relativ weitem Abstand gegenübersteht. (Vgl. auch Street 1962, Poppe 1965, Miller 1971, Voegelin & Voegelin 1977 u. a.) Einige Forscher hielten das Tschuwaschische nicht einmal für eine „richtige“ Turksprache, da es so stark von allen anderen turkischen Sprachen abweicht. Ob dieser große Unterschied auf eine frühe Abspaltung des bolgarischen Zweigs von den anderen Turksprachen oder auf eine längere Phase der sprachlichen und kulturellen Isolierung zurückzuführen ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Ein Merkmal dieser Trennung ist die Opposition von finalem tschuw. /-r/ zu gemeinturk. /-z/, zum Beispiel die Finalkonsonanten in
Das Tschuwaschische wird vor allem im europäischen Teil Russlands östlich von Moskau in der AR Tschuwaschien im großen Wolgabogen von 1 Mio. Sprechern gesprochen, weitere Tschuwaschen gibt es in Tatarstan und Baschkirien (insgesamt 1,8 Mio. Sprecher). Die Tschuwaschen sind orthodox, verwenden die kyrillische Schrift, besitzen eigene tschuwaschische Magazine, Zeitungen, Radio- und Fernsehprogramme, 80 % sprechen Russisch als Zweitsprache. Sie betrachten sich kulturell und historisch als Nachfolger der Wolga-Bolgaren. (Ob sie tatsächliche deren direkte Nachfahren sind, ist eher fraglich.)
Von den restlichen „gemeinturkischen“ Sprachen weicht das Chaladsch am stärksten ab. Es ist – nach der heute weitgehend akzeptierten Auffassung Gerhard Doerfers – der einzige noch existente Vertreter des Arghu-Zweiges der Turksprachen, der ebenfalls früh isoliert wurde und dann im Laufe des 13. Jhdt. in der zentraliranischen Provinz auftritt – umgeben von Sprechern des Persischen. (Es ist also nicht näher mit dem Aserbaidschanischen verwandt, wie es in ETHNOLOGUE 2005 klassifiziert wird.) Heute wird Chaladsch von etwa 40.000 Menschen in der iranischen Zentralprovinz zwischen Qom und Akar gesprochen und ist nach linguistischen Gesichtspunkten eine der interessantesten Turksprachen im Iran. Die frühe Isolation von anderen Turksprachen und die starke Beeinflussung durch das Persische haben einerseits archaische Merkmale erhalten (z. B. ein Vokalsystem mit drei Quantitäten kurz-mittellang-lang, Beibehaltung des anlautenden /h-/ und des altturkischen Dativsuffixes /-ka/ : chalad. häv.kä – türk. ev.e – „für das Haus“), andererseits zu verbreiteten Iranismen in Phonologie, Morphologie, Syntax und Lexikon (sogar bei einigen Zahlwörtern) geführt.
Die übrigen vier Gruppen der Turksprachen sind vor allem geographisch gegliedert, wobei für die Einteilung nicht die heutigen Siedlungsgebiete gelten, sondern die Frühphase der turkischen Sprachen nach ihren ersten Wanderungen und Siedlungsprozessen. Somit unterscheidet man Kiptschakisch oder Nordwest-Zentral-Turkisch, Oghusisch oder Südwest-Turkisch (die nach der Zahl ihrer Sprecher größte Gruppe mit den Sprachen Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Kaschkai), Uighurisch oder Südost-Turkisch und die sibirischen Turksprachen.
Das Jakutische und Dolganische weichen aufgrund ihrer langen Isolierung im Grundwortschatz (siehe Tabelle „Lexikalischer Vergleich“) stark von den restlichen gemeinturkischen Sprachen ab. Unterschiedlich sind auch Wortstellung und Satzbau. In dieser Hinsicht hat sich das Jakutische mehr den mongolischen und tungusischen Sprachen angeglichen. Außerdem fehlen alle Fremdwörter persisch-arabischen Ursprungs, die in anderen Turksprachen vorkommen.
Zur Ähnlichkeit der gemeinturkischen Sprachen trägt natürlich auch die lange arabisch-persische Prägung von Wortschatz und Idiomatik bei, die die meisten Turksprachen durch den Islam erfahren haben. Für die turkischen Sprachen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion kommen viele gemeinsame russische Fremd- und Lehnwörter hinzu.
Insgesamt ergibt sich für die Turksprachen nach der aktuellen Literatur (z. B. Johanson-Csató, The Turkic Languages 1998) folgendes Klassifikationsschema (mit Sprecherzahlen Stand 2006):
Turkisch /Türkisch
Die Differenzierung Turk vs. Türk ist auf die sowjetische bzw. russische Turkologie zurückzuführen. In den betreffenden Sprachemn gibt es die Unterscheidung zwischen Turk und Türk nicht.
Neben den geographischen gibt es einige traditionelle linguistische Kriterien für die obige Klassifikation:
Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über den Grundwortschatz der Turksprachen (etwa 60 Wörter), wie er sich in mehreren wichtigen Turksprachen realisiert. Sie zeigt das abweichende Verhalten des Tschuwaschischen und Jakutischen und die große Ähnlichkeit der übrigen Turksprachen. Lücken in der Tabelle bedeuten natürlich nicht, dass die entsprechende Sprache kein Wort für den Begriff hätte, sondern nur, dass dieser Begriff von einem anderen Stamm gebildet wird und somit für den etymologischen Vergleich ausfällt.
| Personen | Altturk. | Türkisch | Turkmen. | Tatar. | Kasach. | Usbek. | Uighur. | Jakut. | Tschuw. |
| Vater | ata | ata | ata | ota | |||||
| Mutter | ana | anne | ene | ana | ana | ona | ana | an'n | |
| Sohn | o'gul | oğul | oğul | (o'g)ul | ul | o'gil | oghul | uol | yvul |
| Mann | er(kek) | erkek | erkek | ir | yerkek | erkak | är | er | ar |
| Mädchen | kyz | kız | gyz | kιz | qιz | qiz | qiz | ky:s | χe'r |
| Person | kiši | kişi | kişi | keše | kisi | kihi | |||
| Braut | kelin | gelin | geli:n | kilen | kelin | kelin | kelin | kylyn | kilen |
| Schwiegermutter | kaynana | gayın ene | kayınana | kayın ene | kayın ana | keyınana | |||
| Körperteile | Altturk. | Türkisch | Turkmen. | Tatar. | Kasach. | Usbek. | Uighur. | Jakut. | Tschuw. |
| Herz | jürek | yürek | ýürek | yorak | zhürek | yurak | yüräk | süreq | |
| Blut | qan | kan | ga:n | kan | qan | qon | qan | qa:n | jon |
| Kopf | baš | baş | baş | baš | bas | baş | bas | puš | |
| Haar | qyl | kıl | qyl | kyl | kyl | kyl | kyl | kyl | χe'le'r |
| Auge | köz | göz | göz | küz | köz | ko'z | köz | kos | kör |
| Wimper | kirpik | kirpik | kirpik | kerfek | kirpik | kiprik | kirpik | kirbi: | χurbuk |
| Ohr | qulqaq | kulak | gulak | kolak | qulaq | quloq | qulaq | gulka:k | χo'lga |
| Nase | burun | burun | burun | boryn | murιn | burun | burun | murun | |
| Arm | qol | kol | gol | kul | qol | qo'l | qol | χol | |
| Hand | el(ig) | el | el | ili: | ala' | ||||
| Finger | barmak | parmak | barmak | barmak | barmoq | barmaq | |||
| Fingernag. | tyrnaq | tırnak | dyrnaq | tyrnak | tιrnaq | tirnoq | tirnaq | tynyraq | |
| Knie | tiz | diz | dy:z | tez | tize | tizza | tiz | tüsäχ | |
| Wade | baltyr | baldır | baldyr | baltyr | baldyr | boldyr | baldir | ballyr | |
| Fuß | adaq | ayak | aýaq | ajak | ayaq | oyoq | ataq | ||
| Bauch | qaryn | karın | garyn | qaryn | qarιn | qorin | qor(saq) | qaryn | χyra'm |
| Tiere | Altturk. | Türkisch | Turkmen. | Tatar. | Kasach. | Usbek. | Uighur. | Jakut. | Tschuw. |
| Pferd | at | at | at | at | at | ot | at | at | ut |
| Rind | siyir | sığır | sygyr | sιyer | siyιr | sigir | |||
| Hund | yt | it | it | et | iyt | it | it | yt | jyda |
| Fisch | balyq | balık | balyk | balyq | balιq | baliq | beliq | balyk | pola' |
| Laus | bit | bit | bit | bet | biyt | bit | pit | byt | pyjda |
| Sonstiges | Altturk. | Türkisch | Turkmen. | Tatar. | Kasach. | Usbek. | Uighur. | Jakut. | Tschuw. |
| Haus | ev | ev | öý | öy | üy | uy | öy | av | |
| Zelt | otag | otağ | otaq | otaq | otoq | otu: | |||
| Straße | yol | yol | yo:l | yul | zhol | yo'l | yol | suol | sol |
| Brücke | köprüq | köprü | köpri | küpar | köpir | ko'prik | kövrük | kürpe | |
| Pfeil | oq | ok | ok | uk | o'q | oq | oχ | ugu | |
| Feuer | ot | od | ot | ut | ot | o't | ot | uot | vot |
| Asche | kül | kül | kül | köl | kül | kul | kül | kül | kö'l |
| Wasser | suv | su | suw | syw | suw | suv | su | ui | syv |
| Schiff | kemi | gemi | gämi | kimä | keme | kema | kim | ||
| See | köl | göl | köl | kül | köl | ko'l | köl | küöl | |
| Insel | atov | ada | ada | atan | aral | orol | aral | odu | |
| Sonne/Tag | küneš | güneş | gün | kojaš | kün | kün | kün | χövel | |
| Wolke | bulut | bulut | bulut | bolyt | bult | bulut | bulut | bylyt | pelet |
| Stern | yulduz | yıldız | ýyldyz | yoldyz | zhuldιz | yulduz | yultuz | sulus | soldor |
| Erde | topraq | toprak | toprak | tufrak | topιraq | tuproq | tupraq | toburaχ | to'pra |
| Hügel | töpü | tepe | depe | tübä | töbe | tepa | töbö | tübe' | |
| Baum | yağac | ağaç | agaç | agaç | ağaš | ||||
| Gott | tenri | tanrı | taňry | tängri | tanara | tura | |||
| Adjektive | Altturk. | Türkisch | Turkmen. | Tatar. | Kasach. | Usbek. | Uighur. | Jakut. | Tschuw. |
| lang | uzun | uzun | uzyn | ozyn | uzιn | uzun | uzun | uhun | vorom |
| neu | yany | yeni | yany | yana | zhanga | yangi | yengi | sana | sene |
| fett | semiz | semiz | semiz | simyz | semiz | semiz | semiz | emis | samar |
| voll | tolu | dolu | do:ly | tuly | tolι | to'la | toluq | toloru | tolli |
| weiß | aq | ak | ak | ak | aq | oq | aq | ||
| schwarz | qara | kara | gara | kara | qara | qora | qara | χara | χora |
| rot | qyzyl | kızıl | gyzyl | kyzyl | qızıl | qizil | qizil | kyhyl | χerle |
| Himmel | kök | gök | gök | kük | kök | ko'k | kök | küöq | kovak |
| Zahlen | Altturk. | Türkisch | Turkmen. | Tatar. | Kasach. | Usbek. | Uighur. | Jakut. | Tschuw. |
| 1 | bir | bir | bir | ber | bir | bir | bir | bi:r | perre |
| 2 | eki | iki | iki | ike | yeki | ikki | ikki | ikki | ikke' |
| 4 | tört | dört | dö:rt | dürt | tört | to'rt | töt | tüört | |
| 7 | yeti | yedi | yedi | yide | zheti | yetti | yättä | sette | |
| 10 | on | on | o:n | u | on | o'n | on | uon | vonu |
| 100 | yüz | yüz | yü:z | yüz | zhüz | yuz | yüz | sü:s | ser |
Typologisch weisen die Turksprachen große Ähnlichkeit mit den beiden anderen Gruppen der altaischen Sprachen (Mongolisch und Tungusisch) auf, diese Merkmale sind also weitgehend gemeinaltaisch und finden sich zum Teil auch bei uralischen und paläosibirischen Sprachen (siehe Altaische Sprachen).
Die wichtigsten typologischen Charakteristika der Turksprachen sind:
Das Türkische zeigt ein für die Turksprachen typisches Phoneminventar von acht Vokalen und 20 Konsonanten.
Vokale
Die Vokale können nach ihrer Artikulationsstelle (vorn-hinten), Rundung (gerundet-ungerundet) und Höhe (hoch-tief) eingeteilt werden. Diese Klassifikation ist für die Vokalhrmonie von entscheidender Bedeutung.
| Artikulationsort | vorn | hinten | ||
|---|---|---|---|---|
| Rundung | ungerundet | gerundet | ungerundet | gerundet |
| hoch | i | ü | ı | u |
| tief | e | ō | a | o |
Konsonanten
| Artikulation | labial | apikal | palatal | velar | glottal |
|---|---|---|---|---|---|
| Stop stimmlos | p | t | ç * | k | |
| Stop stimmhaft | b | d | c * | g | |
| Frikativ stimmlos | f | s | ş * | ||
| Frikativ stimmhaft | v | z | j * | ||
| Nasal | m | n | |||
| Lateral | l | ||||
| Vibrant | r | ||||
| Gleitlaut | y | h | |||
Hier sind die Buchstaben des türkischen Alphabets verwendet worden, in eckigen Klammern stehen die Lautwerte.
Die bei den Turksprachen weitverbreitete Vokalharmonie, also die Angleichung der Suffixvokale an die Vokale des Stammes oder der vorhergehenden Silbe, soll am Beispiel des Türkischen gezeigt werden. Im Türkischen beruht die Vokalharmonie sowohl auf einer Angleichung der Artikulationsstelle (vorne-hinten) als auch einer Assimilation im Rundungstyp (gerundet-ungerundet) der betreffenden Vokale.
Beispiele
Turksprachen haben in der Regel sechs Kasus: Nominativ (unmarkiert), Genitiv, Dativ-Teminativ, Akkusativ, Ablativ (woher?) und Lokativ (wo?). Die Kennzeichnung dieser Fälle erfolgt durch angehängte Kasusmarker, die innerhalb der einzelnen Sprachen sehr unterschiedlich ausfallen können. Dennoch gibt es eine erkennbare generelle Struktur, die auf die turkische Protosprache zurückgeht und die in der Markerformel angegeben ist. (V bezeichnet einen Vokal, der sich nach der Vokalharmonie richtet, K einen beliebigen Konsonant). Diese Struktur lässt aber für die konkrete Realisierung der Kasus in den einzelnen Sprachen einen relativ großen Spielraum. Die folgende Tabelle zeigt die Kasusmarkerformeln und ihre Realisierungen in drei Beispielsprachen Kirgisisch, Baschkirisch und Türkisch, die einige - aber nicht alle - Varianten der Formel umsetzen.
Die Kasusmarkerformeln und ihre Realisierung in einigen Turksprachen
| Kasus | Markerformel | Kirgisisch | Baschkirisch | Türkisch |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | -Ø | köz "Auge" | bala "Kind" | ev "Haus" |
| Genitiv | -(d/t/n) V n | köz-nün | bala-nın | ev-in |
| Dativ | -(k/g) V | köz-gö | bala-ga | ev-e |
| Akkusativ | -(d/n) V | köz-dü | bala-nı | ev-i |
| Ablativ | -d/t/n V n | köz-dön | bala-nan | ev-den |
| Lokativ | -d/t/l V | köz-dö | bala-la | ev-de |
Die Personalpronomina sind in allen Turksprachen sehr ähnlich. Im Türkischen lauten sie:
| Person | Singular | Plural |
|---|---|---|
| 1 | ben | biz |
| 2 | sen | siz |
| 3 | o | onlar |
Besonders wichtig sind die Possessivsuffixe, die in den Turksprachen das Possessivpronomen ersetzen, in ähnlichen Formen aber auch in der Verbalmorphologie verwendet werden:
| Person | Singular | Plural |
|---|---|---|
| 1 | -(i)m | -(i)miz |
| 2 | -(i)n | -(i)niz |
| 3 | -(s)i | -leri/ları |
Am Beispiel des Türkischen wird die Konstruktion von Nominalphrasen gezeigt. Die Reihenfolge der Konstituenten ist dabei festgelegt. Es ergeben sich im Wesentlichen folgende Positionen:
1 Attribut - 2 Nomen - 3 Ableitungssuffix - 4 Pluralmarker - 5 Nominalisierung - 6 Possessivsuffixe - 7 Kasusmarker
Beispiele:
Eine typische Verbalform weist folgende Positionen auf:
1 Stamm - 2 Tempus/Modus-Marker - 3 Personalendung
Die folgende Tabelle zeigt die Tempora und Modi des Verbs in den Turksprachen mit genereller Formel und Realisierung im Aserbaidschanischen (1.sg. von der Wurzel al- "nehmen, bekommen, kaufen")
| Tempus/Modus | Formel | Aserbaidschanisch | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| Infinitiv | m+V+k/g | al-mag | nehmen |
| Imperativ | Ø | al; alın | nimm! nehmt! |
| Präsens | V+r | al-ır-am | ich nehme |
| Futur | acak | al-aca-y-am | ich werde nehmen |
| Präteritum | d/t+V | al-dı-m | ich nahm |
| Konditional | sa | al-sa-m | (wenn) ich nehme |
| Optativ | (j)V | al-mag is-ti-ram | ich möchte nehmen |
| Necessitiv | malı | al-malı-y-am | ich soll nehmen |
| Part. Präsens | V n | al-an | nehmend |
| Part. Perfekt | d V k/g | al-dığ-ım | genommen (habend) |
| Gerundium | ip | al-ıb | das Nehmen |
| Passiv | i l/n | al-ın-mag | genommen werden |
| Kausativ | d/t + i + r(t) | al - dırt - mag | veranlasst, zu nehmen |
Beispiele komplexere türkischer Verbalformen, die auch ganze Nebensätze ersetzen können:
(Einige Beispiele nach IEL, Artikel Turkish; und G.L.Campbell, Concise Compendium of the World's Languages)
Sprachfamilie | Altaische Sprachen | Turksprache | Turkvolk
Llingües túrciques | Türk qrupu | Төрки телдәре | Yezhoù turkek | Turski jezici | Тĕрĕк чĕлхисем | Turkic languages | Tjurka lingvaro | Turkkilaiset kielet | Langues turques | שפות טורקיות | Turka lingui | テュルク諸語 | 투르크어족 | Tiurkų kalbos | Turkse talen | Języki tureckie | Línguas turcomanas | Тюркские языки | Turkspråk | Türk dil ailesi | Törki tele | Turkiy tillar | 突厥语族
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