Turgut Reis (* 1514?; † 1565, auch Torghud, Torgut, Dragut) war ein türkischer Korsar, Admiral, und Bei von Tripolis. Den Titel Reis (= Kapitän) erhielt er 1552 von Sultan Süleyman dem Prächtigen (Kanuni Sultan Süleyman).
Von 1538 an, als er seinen Dienst in einer Freibeuterflotte unter Hayreddin Barbarossa, aufnahm, verbreitete er im Mittelmeer Angst und Schrecken. Schon in der Seeschlacht von Preveza 1538, wo eine von Kaiser Karl V. ausgesandte europäische Flotte mit 600 Schiffen unter der Führung Yseines lebenslangen Gegners, dem genuesischen Admiral Andrea Doria, von einer türkischen Flotte mit 120 Schiffen unter Hayreddin Barbarossa geschlagen wurde, spielte Turgut Reis eine erhebliche Rolle. Bis zu seinem Lebensende war er an führender Stelle an den Kämpfen zwischen den islamisch-türkischen und den christlichen Mächten im Mittelmeerraum beteiligt. Seine Erfolge und Niederlagen, seine Kaperfahrten und Belagerungen erstreckten sich über weite Teile des Mittelmeeres, von Dalmatien bis Tripolis, von der Levante bis zur Straße von Gibraltar, und sogar über die Säulen des Herakles hinaus bis nahe an die Kanarischen Inseln.
Turgut wurde auf der kleinasiatischen Halbinsel von Bodrum in eine arme Familie geboren; heute steht dort das nach ihm benannte Städtchen Turgutreis. Bereits in jungen Jahren diente er als Kanoniersgehilfe auf türkischen Galeeren und wurde sehr bald ein ausgezeichneter Seefahrer und Kanonier. Dann kaufte er einen Anteil an einer Seeräuber-Brigantine, die so erfolgreich operierte, dass er nach kurzer Zeit zum Eigner einer Galeasse aufsteigen konnte und sich im östlichen Mittelmeer einen Namen als wagemutiger Korsar erwarb.
Um 1532 schloss Turgut sich Hayreddin Barbarossa an, der ihn nach einer Reihe von erfolgreichen Aktionen zum Kayia (Leutnant) und Befehlshaber über zwölf seiner Galeeren ernannte.
Am Ende dieses Jahrzehnts war Turgut im westlichen Mittelmeer so berüchtigt und gefürchtet, dass Andrea Doria 1540 von Kaiser Karl V. den Auftrag erhielt, ihn auszuschalten. Doria unterstellte seinem Neffen Gianettino Doria eine Flotte, und dieser gelang es, Turguts Geschwader von 13 Galeeren bei Andior (Korsika) aufzuspüren, wo die Korsaren recht sorglos unter den Mauern einer Festung ankerten. Die Festung begann, seine Schiffe zu beschießen, am Strand sammelten sich Hunderte von kämpferischen Korsen, und auf See versperrte Doria den Fluchtweg. Turgut entschloss sich zur Kapitulation und verbrachte die nächsten vier Jahre als genuesischer Galeerensklave, ehe er 1544 von Hayreddin Barbarossa gegen 3000 Dukaten Lösegeld (und vermutlich die Drohung einer Brandschatzung von Genua) wieder freigekauft wurde.
Nach Barbarossas Tod (1546) befahl der Sultan allen ottomanischen Seestreitkräften, Turgut Reis als ihren Admiral anzuerkennen. Nunmehr 32 Jahre alt, bedrohte Turgut Neapel, plünderte die Küste von Kalabrien, un griff dann im Winter 1848 die spanischen Besitzungen Susa, Sfax und Monastir an der tunesischen Küste an. 1549 eroberte er die Stadt Mahdia (al-Mahdiya), damals die stärkste Stadt an der nordafrikanischen Küste, im heutigen Tunesien. Nach langen und für beide Seiten verlustreichen Kämpfen gelang es Andrea Doria und dem maltesischen Bailli und späteren Großmeister Claude de la Sengle, Turguts Leute im September 1550 wieder aus Mahdia zu vertreiben und die Stadt einzunehmen. Da die Malteser das Angebot Karls V. ablehnten, Mahdia als Lehen zu verwalten, wurde die Festung nach einjähriger spanischer Besatzung von ihnen vor ihrem Abzug 1551 vollständig zerstört.
Turgut bewirkte die Ausrüstung einer türkischen Flotte von 112 mit 12.000 Janitscharen bemannten Galeeren und zwei Galeassen, die unter dem nominellen Befehl von Sinan Pascha am 16. Juli 1551 vor Malta auftauchte. Die Türken verwüstete die Insel und eroberten die Nachbarinsel Gozo ein, wo sie Tausende von Sklaven erbeuteten. Dann segelten sie nach Nordafrika und eroberten im August Tripolis im heutigen Libyen, das Karl V. 1530 den Johannitern (Maltesern) als Lehen gegeben hatte. Daraufhin verlieh Sultan Soliman Turgut Reis Tripolis und seine Umgebung als Lehen, mit dem Titel Sandschak Bei.
1552 wurde er von Sultan Soliman als Turgut Reis an die Spitze einer großen türkischen Flotte berufen, die Soliman auf Grund des zwischen ihm und König Heinrich II. von Frankreich verabredeten geheimen Vertrags gegen Italien sandte. Turgut Reis plünderte 1553 Kalabrien, machte einen Überfall auf Elba und belagerte dann Bonifacio auf Korsika. Als sich Bonifacio aber den Franzosen ergab, sah sich Turgut genötigt, nach vergeblichen Versuchen, Piombino und Portoferraio zu erobern, nach Konstantinopel zurückzukehren. Zwar kam er 1554 abermals an die Küsten von Kalabrien, zog sich aber bald nach Durazzo und dann nach Tripolis zurück. 1558 errang er in der Seeschlacht bei Djerba einen seiner größten Siege. 1559 schlug er einen Angriff der Spanier auf Algier zurück.
Seine Grausamkeit und Tyrannei machten ihn indessen bei den anderen osmanischen Satrapen Nordafrikas äußerst verhasst. Mehrere von ihnen schlossen daher 1560 ein Bündnis mit dem Vizekönig Cerda von Sizilien, der von König Philipp II. von Spanien den Auftrag erhielt, Tripolis wiederzuerobern. Doch gelang dies nicht, da Turgut die sizilische und maltesische Flotte besiegte.
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