Unter Tularämie (Erreger: Francisella tularensis) versteht man eine tödlich verlaufende ansteckende Erkrankung bei frei lebenden Nagetieren, die durch das Bakterium Francisella tularensis ausgelöst wird. Die Erkrankung kann auf den Menschen übertragen werden.
Da das Beschwerdebild dem der Pest ähnelt und die Erkrankung sehr häufig Hasen und Wildkaninchen befällt, wird sie häufig auch als Hasenpest bezeichnet. Andere Namen sind Nagerpest, Lemmingfieber, Parinaudkrankheit und Hirschfliegenfieber.
Der Erreger der Tularämie ist das hochansteckende Bakterium Francisella tularensis (früher auch: Pasteurella tularensis). Es handelt sich um ein sehr kleines, gramnegatives, kokkoides, sporenloses Stäbchen, das bisher keiner Bakterienfamilie zugeordnet werden kann und das schwer anzüchtbar ist. Das Bakterium wird durch Wärme und die herkömmlichen Desinfektionsmittel zerstört, ist aber gegenüber Kälte resistent. Bereits 10 bis 50 Bakterien als Aerosol können einen Menschen infizieren. Der Erreger kann in gefrorenem Hasenfleisch bis zu 3 Jahre und in Boden und Wasser über mehrere Wochen überdauern.
Es sind zwei Varianten bekannt:
Als Reservoirwirte dienen vor allem Tier wie Hasen, Biber und Schildzecken.
Im Oktober 2005 infizierten sich bei einer Treibjagd auf Hasen im Landkreis Darmstadt-Dieburg neun Jäger und Treiber mit Tularämie. Fast alle waren am Ausnehmen oder Abbalgen beteiligt, sie hatten keine Krankheitszeichen an den Tieren festgestellt. Bei einem weiteren Jäger, der etwa vier Wochen später verstarb, wurde die Krankheit als Todesursache angenommen, da er typische Symptome gezeigt hatte.
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg war die Krankheit in Deutschland wesentlich häufiger, vermutlich aufgrund der damals höheren Hasen- und Kaninchenpopulation und der stärkeren Nutzung dieser Tiere für die menschliche Ernährung. Rund 100 bis 200 Fälle wurden in dieser Zeit pro Jahr registriert.
Nach dem deutschen Infektionsschutzgesetz besteht eine Meldepflicht der Erkrankung.
Als Vektoren für den Erreger sind blutsaugende Ektoparasiten festgestellt, also auf der Körperoberfläche lebende Parasiten, wie z.B. Mücken, Flöhe, Läuse, Wanzen, Milben oder Zecken.
Die Parasiten kommen auf wild lebenden Nagetieren wie (Hasen, Wildkaninchen, Ratten, Mäuse, Eichhörnchen) vor, seltener auf Wildgeflügel, Fuchs, oder Nutz- und Haustieren (Schafe, Schweine, Rinder, Hunde, Katzen, Hamster).
Übertragung
Übertragungen von Mensch zu Mensch sind nicht bekannt geworden (sog. Anthropozoonose).
Die Inkubationszeit der Tularämie bei Tieren beträgt 2 bis 3 Tage.
Beim Menschen liegt sie bei 2 bis 10 Tagen, kann aber auch bis zu 30 Tagen betragen.
Die Tularämie verläuft bei Tieren und beim Menschen unterschiedlich.
Nach Übertragung der Erreger durch Parasiten auf die Nagetiere kommt es nach 2 bis 3 Tagen zu einer Septikämie, also einer Aussaat der Erreger mit dem Blut. Die Tiere fallen durch Schwäche, Fieber, eine gesteigerte Atmungsfrequenz und fehlendes Fluchtverhalten auf. Lymphknoten und Milz sind vergrößert. Innerhalb von 4 bis 13 Tagen sind die meisten Tiere verstorben. Chronisch verlaufende Infektionen verlaufen nach 14 bis 60 Tagen tödlich.
Die innere Form der Tularämie entsteht, wenn die Erreger eingeatmet werden oder auf dem Blutweg innere Organe erreichen. Es handelt sich dann um eine hochfieberhafte, gefährliche Erkrankung mit einer deutlich höheren Letalität als bei den äußeren Formen.
Die Diagnose der Erkrankung wird im Tierversuch gestellt. Dazu wird erregerhaltiges Material auf Meerschweinchen, Ratten oder Mäuse übertragen. Indirekter Erregernachweis serologisch mit Agglutinationstest gegen Ende der 2. Woche. Der serologische Erregernachweis ist schwierig, da Kreuzreaktionen, z.B. mit dem Erreger von Typhus möglich sind.
Die Behandlung besteht in der Gabe von Antibiotika. Am besten wirksam ist Streptomycin. Alternativ kann Doxycyclin oder Gentamicin eingesetzt werden. Die Erreger sind aber auch empfindlich gegenüber Tetrazyklinen, Erythromycin und Chloramphenicol. Gegenüber Penicillin und Sulfonamiden besteht jedoch eine Resistenz.
Bei der inneren Form der Tularämie des Menschen handelt sich um eine schwere, lebensbedrohliche Erkrankung, die behandelt in ca. 5 % der Fälle tödlich verläuft. Ohne antibiotische Behandlung kann die Sterblichkeit über 30 % betragen.
Die amerikanischen Tularämieformen haben eine höhere Virulenz, mit einer Letalität von 10 bis 35 %, als die europäischen Stämme. Hier liegt die Letalität bei ungefähr 5 %.
Besonders gefährdete Personen, wie z.B. Laborpersonal oder in der Land- bzw. Forstwirtschaft Tätige, können gegen Tularämie geimpft werden. Verwendet wird ein in seiner Wirkung abgeschwächter (attenuierter) Lebendimpfstoff, die Gaisky-Elbert-Vakzine. Das Überstehen der Erkrankung hinterlässt eine langjährige Immunität.
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