| Tsetsefliegen | ||||||||||||
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| tsetsemeyers1880.jpg | ||||||||||||
| Unterklasse: | Fluginsekten (Pterygota) |
| Überordnung: | Neuflügler (Neoptera) |
| Ordnung: | Zweiflügler (Diptera) |
| Unterordnung: | Fliegen (Brachycera) |
| Familie: | Zungenfliegen (Glossinidae) |
| Gattung: | Tsetsefliegen (Glossina) |
Der Rüssel ist eine feine, steife Hohlborste von der Länge des Rückenschildes, ohne Knickung, mit einer zwiebelförmigen Verdickung am Ursprung. Die Fiederborste (Arista) der Antennen ist doppelt gefiedert, d.h. jede einzelne Fieder trägt wieder sekundäre Fiedern; außerdem ist bloß die Vorderseite der Arista befiedert.
Die Genitalien der Männchen weisen eine starke Hervorwölbung an der Unterfläche des letzten Leibabschnittes, das Hypopygium, auf. Dieses stellt das Geschlechtsorgan dar.
Tsetsefliegen haben spezialisierte Zellen, die bakterielle, zum Teil zwingend notwendige (obligate) Endosymbionten enthalten, die sie für ihr Überleben brauchen. Dabei handelt es sich um die Arten Wigglesworthia glossinidia and Sodalis glossinidius. Hinzu können Bakterien der Art Wolbachia pipientis kommen, die als nicht unbedingt notwendige (fakultative) Symbionten (hier: ein Bakterium, das Nutzen aus einer gegenseitigen Lebensgemeinschaft zieht) betrachtet werden. (Siehe dazu (eng.): Aksoy S, Rio RV.: Interactions among multiple genomes: tsetse, its symbionts and trypanosomes. Insect Biochem Mol Biol. 2005 Jul;35(7):691-8. Epub 2005 Mar 28. Review *)
Bevorzugte Brutplätze sind schattige Bereiche, an denen die Larve im Boden abgelegt werden kann. Nach der Geburt bewegt sie sich lebhaft fort, sucht einen schützenden Ort auf, wo sie ihre Farbe ändert und sich nach ca. 1 bis 2 Stunden in eine braunschwarze Puppe verwandelt. Nach ca. 3 bis 4 Wochen (je nach den klimatischen Verhältnissen) kriecht die junge Fliege aus. Der Ort der Larvenablage ist bei den einzelnen Arten unterschiedlich. Die Lebenserwartung der Fliege soll nach einer ungesicherten Quelle bei sechs Monaten liegen. Einige Forscher vermuteten, die Fliege könne in ihrem Leben nur ca. 9 Nachkommen gebären, andere vermuten nun eine höhere Anzahl.
In der Tsetsefliege machen die Trypanosomen (parasitische Einzeller) einen Formwandel und eine Vermehrungsphase durch. Etwa drei Wochen nach der Blutaufnahme kommt es zu einer Anreicherung der Trypanosomen in der Speicheldrüse der Fliege. Beim Befall eines neuen Wirtes werden die Parasiten dann übertragen. Die Tsetsefliege überträgt die einzelligen Parasiten sowohl auf den Menschen als auch auf viele Wild- und Haustiere, so dass ein breites Reservoir für den Erreger existiert und eine Ausrottung der übertragenen Krankheit kaum gelingen wird. In vielen Regionen des tropischen Afrika sind daher bis zu 60 Mio. Menschen gefährdet, über 300.000 bereits infiziert und jedes Jahr werden 30.000 Neuinfektionen verzeichnet. Große volkswirtschaftliche Verluste verursacht die Tsetse-Fliege im tropischen Afrika auch bei der Rinderhaltung, denn in den betroffenen Gebieten fehlt es an Milch für die Ernährung der Kinder und an Rindern als Fleischlieferanten und Arbeitstieren.
Die Tsetsefliege sticht nicht gezielt in ein Blutgefäß, wie es etwa die weibliche Anophelesmücke tut, die beim Stechakt die Malaria überträgt. Sie erzeugt vielmehr, ähnlich wie die in Deutschland vorkommenden Bremsen, mit ihren Mundwerkzeugen eine schmerzhafte Wunde, aus der sie Blut und Lymphe aufsaugt. Dadurch ist sie in der Lage, auf der Haut sitzend das Blut fast aller Arten von Wirbeltieren zu nutzen. An der Einstichstelle entsteht nach 3-10 Tagen eine teigige, rötliche und schmerzhafte Schwellung, die nach etlichen Tagen oder Wochen von selbst heilt. Sie wird Trypanosomenschanker genannt und stellt das erste Stadium der Schlafkrankheit dar. Nach einigen Tagen oder erst nach Wochen und Monaten kommt es zum zweiten Stadium, das durch Lymphknotenschwellungen, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie fleckige, juckende Hautausschläge, Schwellungen am Körper und Gewichtsverlust gekennzeichnet ist. Das dritte Stadium ist erreicht, wenn nach Wochen oder einem Jahr das Zentralnervensystem befallen ist und es zu schweren Schlafstörungen mit Schlaflosigkeit sowie zu Störungen der Körperkoordination, der Sprache und der Nahrungsaufnahme kommt. Gegen die Schlafkrankheit gibt es derzeit noch keinen Impfstoff und unbehandelt endet die Krankheit oft tödlich.
Der Fachmann unterscheidet zwei Erreger der afrikanischen Schlafkrankheit, die von verschiedenen Untergruppen der Tsetsefliegen übertragen werden: Trypanosoma brucei rhodesiense, den Erreger der ostafrikanischen Schlafkrankheit, und Trypanosoma brucei gambiense, den Erreger der westafrikanischen, nur beim Menschen auftretenden Schlafkrankheit. Überträger der westafrikanischen Form ist die so genannte Palpalisgruppe, deren Fliegen sich bevorzugt in den Uferwäldern von Seen und Flüssen aufhalten. Die ostafrikanische Form der Schlafkrankheit wird von der so genannten Morsitansgruppe übertragen, die im trockenen Busch lebt.
Mit unterschiedlich gestalteten speziellen Tsetsefallen gelingt eine gewisse Überwachung und Einschränkung der Tsetse-Populationen.
Im tropischen Gürtel Afrikas sind nunmehr durch das SIT-Verfahren (Sterile-Insekten-Technik, meint Schädlingskontrolle durch Sterilisation) erste Erfolge im Kampf gegen die Tsetse-Fliege zu verzeichnen. Mit einem IAEO-Projekt ist es doch gelungen, die Tsetse-Fliege auf Sansibar auszurotten. Eine ausreichende Rinderhaltung zur Milch- und Fleischproduktion ist dort inzwischen möglich geworden. Die Erfolge im Kampf gegen die Tse-tse-Fliege haben zusätzlich die Hoffnung genährt, das SIT-Verfahren auch für die Bekämpfung der Anophelesmücke, dem Überträger der Malaria, erfolgreich anzuwenden.
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