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Ukraine Tschornobyl im Oblast Kiew.png Tschornobyl (ukrainisch Чорнобиль/Tschornobyl; im deutschen Sprachraum bekannter unter dem russischen Namen Чернобыль/Tschernobyl, da Russisch in der UdSSR die Hauptverkehrssprache war) ist eine Stadt im Norden der Ukraine, in der Kiewer Oblast und 15 km entfernt von der Grenze zu Weißrussland. Tschornobyl war Zentrum des Tschornobyler Rajons und liegt am Fluss Prypjat, einem Nebenfluss des Dnipro.

1986 ereignete sich im Kernkraftwerk der Nachbarstadt Prypjat eine Havarie, die als Katastrophe von Tschernobyl bekannt wurde. Die Stadt ist deshalb heute eine Geisterstadt und bildet das Zentrum des Zone genannten Sperrgebiets. Im Umland und im Stadtgebiet von Tschornobyl leben heute dennoch rund 400 Personen von einst 3.500 Leuten, die entweder ablehnten die Region zu verlassen, oder nach der Katastrophe 1986 zu ihren Dörfern zurückkehrten.

Geschichte


Erste schriftliche Zeugnisse über Tschornobyl existieren aus der Zeit vor dem Jahr 1193. 1362 wurde der Ort vom Großfürstentum Litauen erobert. Nach der Lubliner Union von 1569 zwischen Litauen und Polen fiel Tschornobyl unter die polnische Krone, nach der zweiten polnischen Teilung 1793 wurde es zusammen mit der rechtsufrigen Ukraine mit Russland vereinigt.

Von 1918 bis 1991 gehörte Tschornobyl zur Sowjetunion; 1941 wurde es Stadt. Seit 1991 gehört Tschornobyl zur unabhängigen Ukraine.

Wirtschaft und Industrie


In Tschornobyl befand sich das gewerblich-technische Zentrum der Dnipro-Dampfschifffahrt, eine Eisenhütte, Lebensmittelindustrie und Kunstgewerbe sowie ein Baustoffkombinat.

In der Nähe der Stadt, am Prypjatufer, entstand seit 1971 das erste Atomkraftwerk der Ukraine. Der erste Block wurde 1977 mit einer Leistung von 1 Gigawatt in Betrieb genommen; im Jahr 1983 arbeiteten vier Blöcke. Das gesamte Blockkraftwerk erzeugte zu dieser Zeit vier Gigawatt und war für den Ausbau bis zu 6 Gigawatt geplant. Die nukleare Havarie von 1986 war die zweitschwerste in der Geschichte der Nutzung der Kernenergie überhaupt; der vom Schadensausmaß her schwerwiegendste Unfall passierte 1957 in der Wiederaufbereitungsanlage Majak.

Bildung, Soziales und Kultureinrichtungen


Tschornobyl beherbergte vier allgemeinbildende Mittelschulen, eine medizinische sowie eine landwirtschaftstechnische Fachschule und eine Musikschule. Ein Krankenhaus und eine Poliklinik sowie ein Kino und eine Bibliothek waren ebenfalls vorhanden.

Bemerkenswertes zum Namen der Stadt


Der Name Tschornobyl oder Tschornobylnyk (Чорнобиль, Чорнобильник) bedeutet in der ukrainischen Sprache "Beifuß", lateinisch Artemisia vulgaris. Ein Synonym für das Wort ist Polyn Swytschajnyj (полинь звичайний, „gemeiner Polyn“). Der oft fälschlich als Wortbedeutung für Tschornobyl angegebene „Wermut“ gehört zur gleichen Pflanzengattung und heißt auf ukrainisch Polyn Hirkyj (полинь гіркий, „bitterer Polyn“), lateinisch Artemisia absinthium. Полинь steht für den Gattungsnamen Artemisia. In der russischen Sprache gelten die Bezeichnungen analog.

In der biblischen Offenbarung des Johannes, auch Apokalypse genannt, heißt es in Kapitel 8, Verse 10 und 11:

Der dritte Engel blies seine Posaune. Da fiel ein großer Stern vom Himmel; er loderte wie eine Fackel und fiel auf ein Drittel der Flüsse und auf die Quellen. Der Name des Sterns ist „Wermut“. Ein Drittel des Wassers wurde bitter und viele Menschen starben durch das Wasser, weil es bitter geworden war.

Der im griechischen Bibeltext verwendete Begriff ist ΑΨΙΘΙΑ und bedeutet Artemisia absinthium, also Wermut. In ukrainischen und russischen Bibelübersetzungen ist hier die Rede von Polyn. Viele Menschen sahen in der Katastrophe von Tschernobyl eine biblische Erfüllung.

Ort in der Ukraine | Geisterstadt

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