Der Begriff des Trotzkismus ist ursprünglich in der politischen Auseinandersetzung mit der Linken Opposition innerhalb der III. Internationale als Kampf- und Propagandabegriff geprägt worden. Abweichler von der Parteilinie der KPdSU wurden oft als Trotzkisten diffamiert, so zum Beispiel in den Moskauer Schauprozessen 1936-1938, in denen unter anderem ehemalige Mitglieder des Zentralkomitees verurteilt wurden.
Nach den Parteiausschlüssen und dem Schock über die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten in Deutschland wurde 1938 die Vierte Internationale gegründet, die sich als marxistische weltumspannende Organisation verstand. Die inhaltliche Grundlage wurde durch Arbeiten Leo Trotzkis ergänzt.
Ausgangspunkt für den Trotzkismus ist eine Analyse der "Bürokratisierung" der häufig als "degenerierte Arbeiterstaaten" bezeichneten Länder, in denen eine proletarische Revolution stattgefunden hatte. Im Gegensatz zu der von Stalin vertretenen These vom möglichen "Sozialismus in einem Land" stand Leo Trotzki für einen konsequenten Internationalismus. Laut seiner Theorie der permanenten Revolution kann der Sozialismus als Übergangsgesellschaft zum Kommunismus nur auf internationaler Ebene funktionieren, weswegen die ganze Welt durch eine Revolution vom Kapitalismus befreit werden muss. Trotzkisten verstehen sich, wie viele andere marxistische Strömungen auch, als Vertreter des Leninismus bzw. Bolschewismus.
Die Vierte Internationale erlebte 1956 eine Spaltung in zwei Flügel, sogenannte "Pablisten" und "orthodoxe Trotzkisten", die sich 1963 zum Teil wieder vereinigten. Splitter dieser Spaltung gründeten zum Teil eigene internationale Organisationen oder beanspruchen teilweise auch den Titel IV. Internationale.
Oft werden Trotzkisten als undogmatische Linke (vgl. Neue Linke) bezeichnet, da sie sich theoretisch in vielen Punkten weiter entwickelt und vom orthodoxen Marxismus-Leninismus abgegrenzt haben. Beispielsweise wird in einigen trotzkistischen Organisationen die Rolle des Individuums mit dem Ziel der Selbstverwirklichung betont.
In den Studentenbewegungen der 1960er und 1970er Jahre haben die Trotzkisten verschiedener Provenienz eine größere Rolle gespielt und sich in diesem Rahmen auch den sogenannten "neuen Fragen" zu Ökologie, Patriarchat und Frauenunterdrückung, Organisierung und Rätedemokratie und ähnlichem gestellt.
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