Der Tropus (auch die Trope, Plural Tropen oder nach dem gr. Tropoi) ist in der Rhetorik ein Überbegriff für eine Gruppe rhetorischer Figuren. Er leitet sich ab von gr. tropé „Wendung“ und bezeichnet die Ersetzung (immutatio) des eigentlichen Ausdrucks (verbum proprium) durch einen uneigentlichen, d. h. nicht-synonymen Ausdruck.
Im Unterschied zu anderen rhetorischen Figuren, die ihre Wirkung z. B. durch die lautliche Gestalt der Wörter (z. B. Lautmalerei, Alliteration) oder durch eine besondere Stellung der Wörter im Satz erzielen (z. B. Chiasmus, Parallelismus), beziehen sich die Tropen demnach auf die Bedeutung (Semantik) eines Ausdrucks, die durch die Ersetzung (mehr oder weniger stark) verfremdet wird.
Bei den Tropen handelt es sich also um semantische Figuren oder Sinnfiguren. Die Forschung ist sich allerdings nicht einig darüber, ob ausschließlich die Tropen oder auch andere Figuren (z. B. Pleonasmus, Oxymoron, Hysteron proteron) zu diesem Oberbegriff gezählt werden müssen. Einigkeit herrscht allerdings darüber, dass jene den Hauptanteil davon ausmachen.
Bei dem Beispiel Achilles tötet Hektor mit seinem Zorn wäre 'Zorn' = S2. Die Satzumgebung verrät dem Leser, dass Achilles ein bestimmtes Objekt für die Tötung Hektors gebraucht haben muss. Dabei müsste es sich aber eigentlich um einen konkreten Gegenstand handeln. Da 'Zorn' dafür nicht in Frage käme, muss eine Ersetzung, also eine Substituierung vorgenommen worden sein. Dieser Widerspruch würde den Signalkontext K darstellen. Als S1 käme z. B. 'Schwert' oder 'Waffe' in Frage.
Beispiel: Vergils Aeneis beginnt mit den Worten: arma virumque cano... („Ich singe von Waffen und dem Mann...“); eigentlich gemeint ist: Ich singe von Kriegstaten und Aeneas. Die Inhaltsbereiche von „Kriegstaten“ und „Waffen“ bzw. „Aeneas“ und „Mann“ liegen nahe beieinander.
Beispiel: Er donnerte den Ball ins Tor. Gemeint ist: Er schoss den Ball mit großer Wucht ins Tor. Das Verb „donnern“ entstammt dem Inhaltsbereich Wetterkunde und ist vom Inhaltsbereich Sport weit entfernt.
Alexander eroberte Persien. Alexander ist natürlich nicht in der Lage gewesen, Persien allein einzunehmen: Dieser Verdienst kommt seinem Heer zu. Der Prinzipal Alexander ersetzt an dieser Stelle den Agenten Alexanders Heer. Daran wird ersichtlich, dass die Metonymie eine reduktionistische Wirkung hat. Sie führt komplexe Wirkungen auf vereinfachte Ursachen zurück.
Pars pro toto: Der Deutsche (an sich) liebt die Ordnung. Hierbei wird formal nur angegeben, dass ein Individuum (der Deutsche) eine bestimmte Eigenschaft (ordnungsliebend) aufweist. Gemeint ist aber das gesamte Kollektiv der Deutschen, dem hier pauschal ein bestimmtes Vorurteil unterstellt wird.
Totum pro parte: (Ganz) Deutschland hat Angst vor der Vogelgrippe. Dies ist der umgekehrte Fall der vorherigen Beispiels: Das Ganze (Deutschland) steht für eine nicht genau zu ermittelnde Anzahl seiner Teile.
Es kann sich bei einer Synekdoche natürlich auch um Objekte handeln: Wir fuhren mit Hundert Segeln nach England. Das Segel steht hier für das ganze Schiff.
Allgemein hat eine Synekdoche eine integrierende Wirkung, weil die Quantität immer auf einen gemeinsamen Willen zurückgeführt wird: Das Ganze hat scheinbar die gleichen Absichten wie all seine Teile, während diese umgekehrt nur den Willen des Kollektivs auszuführen wünschen. Wird diese sprachliche Integration allerdings zu weit geführt, vereinfacht sie die Realität dermaßen, dass sie propagandistische Wirkung annehmen kann.
Zum Beispiel zahlen erpresste Einzelhändler unter Umständen ein Schutzgeld an das organisierte Verbrechen. Die italienische Mafia hatte häufig versucht, sich als eine reguläre Ordnungsmacht zu präsentieren. Das Eintreiben von Geldern ohne echte Gegenleistung und unter Zwang ist schlicht und ergreifend ein Raub. Einem Handel und einem Diebstahl ist tatsächlich gemein, dass in beiden Fällen Geld den Besitzer wechselt. Der Unterschied ist, dass es nur im ersteren Fall freiwillig geschieht. Bei dem Beispiel Schutzgeld wird nun einerseits die Assoziation eines Handels (Geld gegen Schutz) und andererseits die eines Wächters (beschützende Macht) geweckt.
Die Metapher wirkt somit romantisierend, da sie bestimmte Eigenschaften eines Begriffs in den Vordergrund rückt, andere hingegen verschleiert. Sie erschafft auf diese Weise aber auch neue Wörter.
Ironie wirkt genau gegensätzlich, da hier bewusst ein Widerspruch nicht nur auf der formalen sondern auch auf der assoziativen Ebene erzeugt wird. Wenn König Pyrrhos von Epirus der Satz in den Mund gelegt wird Noch so ein Sieg und ich bin verloren, besteht natürlich ein eklatanter Widerspruch zwischen der positiven Assoziation von Sieg und der negativen von verloren. Die Ironie wirkt damit negatiorisch.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Tropus (Rhetorik)".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world