| ICD-10-Code Trichotillomanie: F63.3 | ||
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| Unter F63 | "Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle" |
Bei der Trichotillomanie - zusammengesetzt aus griech. trich (Haar), tillein (rupfen) und mania (Raserei, Wahnsinn) - handelt es sich um eine komplexe Impulsstörung, deren augenscheinlichstes Erscheinungsbild darin besteht, dass sich Betroffene die eigenen Haare ausreissen. Trichotillomanie kopf hinten.jpg
Schmerz wird beim Entfernen der Haare kaum wahrgenommen und wenn, dann wird er entweder als angenehm empfunden oder ignoriert. Die Schmerzgrenze allgemein ist bei den Betroffenen nicht erhöht.
Angaben zur Prävalenz schwanken zwischen 0,5 und 15%. Das mittlere Alter der Betroffenen liegt bei Beginn der Störung bei ca. 13 Jahren und fällt somit in die Zeit der Pubertät, erstmals auftreten kann die Trichotillomanie jedoch in jedem Alter. Ob es sich bei sehr frühem Auftreten um ein gesondertes Störungsbild oder eine besondere Untergruppe handelt, ist noch nicht geklärt. Statistisch gesehen sind vor der Pubertät Jungen und Mädchen gleich stark betroffen, später sind es dann mehr Mädchen als Jungen.Die Störung selbst kann über wenige Monate bis zu mehreren Jahren anhalten.
Als Begleiterkrankungen treten häufig Affektive Störungen (v.a. Depressionen) und verschiedene Angststörungen auf. Erstere wurden in einzelnen Studien zu gut zwei Dritteln, letztere in mehr als der Hälfte der Fälle diagnostiziert.
Trotz vieler Übereinstimmungen mit den Symptomen bei Zwangsstörungen gibt es wichtige Unterscheidungsmerkmale. So werden die bei Zwangsstörung auftretenden Zwangshandlungen und Zwangsgedanken in der Regel als quälend und Ich-fremd (Ich-dyston) erlebt, während bei der Trichotillomanie drei Viertel der Betroffenen angeben, sich ihrer Handlung nicht bewusst zu sein. Nur ein Drittel gibt an, einen intensiven Drang zum Auszupfen der Haare zu verspüren. Dieses kann als Mittel zur Reduktion einer bestehenden erhöhten Anspannung dienen, wird in wieder einem Drittel aber im Gegenteil als anregend erlebt und kann dazu dienen, einem Leeregefühl entgegen zu wirken.
Als weiterer Grund wird eine hohe Stressanfälligkeit und hohe Stressexposition von Betroffenen genannt.
Für eine Erklärung die Trichophagie kommen noch atavistische Instinkte in Betracht, die bei Primaten das Lausen verursachen, bei welchem aus dem eigenen oder fremdem Fell gezupfte Partikel verzehrt werden.
Als seltene Komplikation kann das Herunterschlucken der ausgerissenen Haare (Trichophagie) die Bildung eines Trichobezoar (Haarknäuel) ermöglichen, der eine seltene Ursache rezidivierender Oberbauchschmerzen bis hin zu Darmverschluss oder Darmperforation sein kann und als Rapunzelsyndrom bezeichnet wird.
Eine Verminderung des Stressniveaus kann durch die Anwendung von Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung erreicht werden.
Schwere Beeinträchtigungen der Lebensqualität erfordern regelmäßig kombinierte psychotherapeutische und medikamentöse Maßnahmen wie die Einnahme von SSRI (Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern). In einzelnen Fällen konnten auch trizyklische Antidepressiva, Neuroleptika und Anxiolytika erfolgreich eingesetzt werden.
Als besonders erfolgsversprechende Psychotherapie hat sich die Verhaltenstherapie erwiesen.
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