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Traumdeutung bzw. Oneirologie (von griech. oneiros, "der Traum") ist die Interpretation der meist im Schlaf symbolisch erlebten 'Handlungen' und Gefühle. So weit nach dem Erwachen in Erinnerung geblieben, wird der Traum mündlich oder schriftlich wiedergegeben und mit dem Vorhaben untersucht, eine in seinen Symbolen verborgene Botschaft zu entdecken. Ernstzunehmende Methoden der Traumdeutung erheben hierbei keinen Anspruch auf unfehlbare Auslegungen, sondern stellen sie dem Träumer zur Diskussion.

Traumanalyse


Träume galten in den Kulturen der Menschheit seit immer schon als die Mitteilungen eines geheimnisvollen Informanten, der vom Ich-Bewusstsein des Träumenden je nach dessen Einstellung entweder als feindselig oder als göttlicher Verbündeter eingestuft worden ist. So achtet und schätzte man ihn wie Sokrates sein nie irrendes "daimonion", oder fürchtete und mied seine Forderungen wie die Kirche den Teufel 2000 lange Jahre. Erst heute - seit Nietzsche "Gott ist tot" verkündigte - gehen wieder viele Naturwissenschaftler davon aus, dass alle Menschen in der Lage sind oder sein könnten, die symbolischen Botschaften ihrer Seele zu enträtseln. Träume eignen sich bestens dafür, mehr über seinen Geist und Körper zu erfahren, über die angeborenen Bedürfnisse beider sich zur Seele vereinigenden Instanzen, jede Art von Gefühlen und überhaupt von der intuitiven Weisheit der Natur in ihren Lebewesen, ohne die weder wir noch die anderen Arten von Organismen entstanden wären.

Sigmund Freud entwickelte die Traumdeutung zu einer Methode, die für ihn zu dem wichtigsten Bestandteil seiner psychoanalytischen Lehre wurde, anhand dessen ihm vieles zu erfahren gelang, sowohl über das gesunde Empfinden und Verhalten als auch unsere psychischen Erkrankungen. Er hielt die Interpretation der Träume für den "Königsweg" in das Verständnis der sich im Unbewussten vollziehenden Phänomene: unsere Triebe, ihre Konflikte mit lebensfeindlichen Umweltsituationen und selbst deren intuitiv offenbarte Lösungen, da "Nicht die Ärzte heilen, sondern die Natur." Freuds Theorie zufolge fließen zwar physiologische Reize der Organe mit ein in das Geschehen der Träume, ebenso auch Anteile von den Erlebnissen des vorherigen Tages und selbst Stücke bewusster Erwägungen. Vorwiegend aber handelt es sich bei unseren Träume um von beiderlei Art 'äußerer' Vorkommnisse relativ unabhängige, eben seelische Produkte, die nur im Dienste der Selbsterkenntnis der Träumer stehen. Dafür berichten sie ihnen von den teils ganz unbewusst gebliebenen Trieben und Affekten, den naturgemäßen Wünschen der Seele und den sie nicht selten begleitenden, hemmenden Ängsten. Auch die lebensgeschichtlich bedingten Kränkungen während der frühen Kindheit, die die Entstehung letzterer Art Gefühle veranlasst, werde wieder aktuell in den Träumen, sie zu kleinen Dramen und gar "Albträumen" verwandelnd.

Für die Darstellung all dieser Sachverhalte bedient sich die Psyche nach Freud der Verkleidung ihrer Wünsche in nicht ohne weiteres verstehbare Symbole, ein Vorgang, der unter bestimmten Voraussetzungen als "Zensur" bezeichnet wird und dessen Ergebnis der beim Erwachen zwar bewusst bleibende, aussagemäßig aber nicht klare Traum sei. Sinn dieser rätselhaften Unnachvollziehbarkeit sei der gut gemeinte Schutz des ICHS davor, den als sittenwidrig geächteten 'Versuchungen' seiner Seele zu erliegen, denn dies führt zu Konflikten mit den moralischen Normen und Werten der Erzieher oder ihrer so gearteten Kulturen. ( Solch wohlmeinende "Zensur" muss aber nicht unbedingt an der Bildung der Traumsymbole beteiligt sein. Siehe Symbol-Lehre.)

Die psychoanalytische Traumdeutung verwendet dann zwecks Verwirklichung ihrer Licht ins Dunkle bringen sollenden Aufgabe die Methode der freien Assoziation, für die man aufgefordert wird, sich in einem entspannten Zustand zu begeben und unzensierte Einfälle über die Symbole seines Traumes zu gewinnen. Mithilfe dieser dem Unbewussten entstammenden, zusätzlichen Informationen, könne die unter der bewusst erinnerten Traumoberfläche verborgen gebliebene Botschaft ausfindig gemacht werden. Dazu würden vor allem die in das Unbewusste verdrängten, instinktmäßig mit Lustverlangen besetzen Bedürfnisse des ES (- wie Freud die Seele nannte -) gehören und die hauptsächlich in der Kindheitserziehung vermuteten Ursachen der sog. Neurosen. Seiner Lehre zufolge liegt die Ursache jede Art psychischer Probleme in kränkenden Verletzungen des Lustprinzips unserer Seele.

Kurzbeschreibung zum Beginn einer Traumanalyse nach Freud


Außer einem Traum benötigt der Analytiker Informationen über die aktuelle Krise des sich an ihn wendenden Patienten, welche auch Ereignisse vom vorherigen Tage miteinbeziehen. Träume stellen symbolische Botschaften des Unbewussten dar, die über die innere Situation des Träumers berichten, die aber ausgelegt werden müssen; so ist es erforderlich, den Patienten zu einer Bestimmung der Symbole zu bewegen, die in seinem Traum erscheinen, und ihn beschreiben zu lassen was sie seiner Ansicht nach machen oder wie sie funktionieren. Außerdem: Träume stellen kleine Dramen dar, so soll dem Trauminhalt eine gefühlsmäßig passende Überschrift aufgesetzt werden. Hierbei ein Beispiel:

Ein Junge träumte, dass er von 3 Ärzten untersucht wurde. Sie stellten fest: ein Organ liegt schief und sollte operiert werden. Davor aber schickten sie ihn ein Stockwerk höher zu einem anderen Arzt, der seine Nase untersuchte. Er entdeckte Polypen; sie sollten vorher operiert werden.

Dieser Traum enthält 5 Symbole, die vom Träumer definiert und mit Kommentaren versehen werden sollen. Dabei soll er schreiben was er glaubt. Ob es wissenschaftlich richtig ist oder nicht, ist unwichtig. Auf keinem Falle im Lexikon nach einer Erklärungen der Symbole suchen.

''Ärzte: a) Sie verfügen ueber Gesundheitsmodelle. Gesundheit: Naturzustand
b) Sie erkennen Abnormitäten und beheben sie zwecks Heilung.
Organ: Körperteil mit Fähigkeiten, die der Lebenserhaltung dienen. Leben: ...
Operieren: Eingriffe machen, die den Körper bei seiner Genesung unterstützen.
''Nase: ein Organ a) zum Luft holen. Luft : ein lebensnotwendiger Stoff.
b) zum Riechen. Riechen: Qualität der Nahrung prüfen. Nahrung : ...
Polypen: verstopfen die Nase.

Wie man sieht, beim Kommentieren tauchen neue Symbole auf/ Gesundheit, Leben, Luft, Riechen, Nahrung..), die auch beschrieben und definiert werden sollen. Je mehr "Freie Assoziationen" dem Patienten zu seinem Traum einfallen, um so besser... Diesem Traum gab der Junge die Überschrift: "Überraschende unangenehme Entdeckung"... (Mit dankenswerter Genehmigung J. Gruenerwalds, entnommen von http://people.freenet.de/traumdeutung.fuer.einsteiger/index.html )

C.G.Jung und Freud: Unterschied im Ansatz beider Methoden


Gemäß Sigmund Freuds Theorie liegt jeder Art psychischer Störung eine Verletzung des Lustprinzips zugrunde. Aufgabe des Traumanalytikers wird entsprechend, diese Innere Situation zu erkennen und eine erste versuchsweise Diagnose zu deren Erklärung zu entwerfen. Diese stellt er dem Träumer zur Diskussion um sie im weiteren Gespräch nach Möglichkeit zu vertiefen oder auch zu verwerfen, falls sie sich als unhaltbar erweist. Gemäß Freuds Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, sollen nur die zutreffenden Diagnosen dem Träumer dienlich sein können, weitere therapeutisch wirksame Änderungen seines Verhaltens einzuleiten; erst durch deren Eintreten werde die Diagnose endgültig bestätigt. (Siehe auch Verifikation und Empirie.) Hierbei ist zu bedenken, dass Freud Zeit seines Lebens an der Verbesserung seiner Theorie gearbeitet, insbesondere aber weder seine Das Unbehagen in der Kultur auslösende Frage nach dem Sinn der Instinktreduktion bzw. Unsinn der Neurosen des heutigen Menschen zu klären vermocht hat, noch die nach Herkunft und Berechtigung des Narzissmus (Näheres s.a. Lust, Kap. "In den Wissenschaften": "Todestrieb"-Hypothese). Insofern legte er hohen Wert auf die intellektuellen Mitarbeit - respektive naturwissenschaftlichen Kenntnisse oder mindestens kritische Vorsicht seiner Patienten bei der Erstellung von Diagnosen durch die Psychoanalyse.

Carl Gustav Jung, ein ehemaliger Musterschüler in Freuds Psychoanalyse, verstand den Traum als unmittelbar deutlich werdende Darstellung der inneren Wirklichkeit des Träumenden. Eine Untersuchung nach den Methoden Freuds führe eher zur zusätzlichen Neurotisierung der Patienten denn zu ihrer Genesung. Jung prägte auch den Begriff des kollektiven Unbewussten, eine Ebene, auf der Menschen (teilweise kulturkreisspezifisch) gleiche Grundassoziationen in Form von archetypischen Symbolen gewännen - z.B. Der Animus und Die Anima als Archetyp des je anderen Geschlechts, welcher sich in der Psyche neben dem der je eigenen sexuellen Konstituierung repräsentiere. Diese Annahme deckt sich mit vielen Ergebnissen der Freudschen Traumanalyse, jedoch unterscheiden sich die Ansätze C.G. Jungs und Freuds in vor allem zweierlei Hinsicht:

  • Dadurch, dass Jung die von ihm als archetypisch angenommenen Symbole zu einem Katalog zusammenstellte, in dem den Symbolen eine tendenziell feste Bedeutung beigeordnet wird.
  • Entsprechend dadurch, dass anstatt der "Freien" Assoziationen des jeweiligen Patienten der genannte Katalog zwecks Entschlüsselung seiner Träume hinzugezogen wird.
  • Für Freud waren hingegen nicht seine eigenen, sondern die Freien Assoziationen seiner Patienten maßgeblich für die Auslegung derer Träume, wenngleich ihm die gewissermaßen archetypische Strukturierung seines 3-Instanzenmodells unerlässlich für diese Arbeit gewesen ist.
Insofern war er äußerst zurückhaltend hinsichtlich seiner Annahmen, welche der verschiedenen Symbole eines Traumes entweder als angeborene Archetypen des ES verstanden werden könnten, oder als solche, die dem ÜBER-ICH zugerechnet werden müssen, sofern sie 'kultur'kreis-spezifischer* Herkunft sind. (*D.h. erzieherisch bedingt, bzw. individuell anstatt genetisch erworben). Zwecks diesbezüglich größerer Klarheit des ICH-Bewusstseins, verließ er sich jedoch nicht nur auf seine Freien Assoziationen über seine eigenen Träume (respektive die seiner Patienten über deren), sondern sezte auch große Hoffnung in die Befunde der künftigen Primatenforschung. Wie sehr Freuds Traumdeutung in der Natur verankert ist (also auch der "Biologie" einschließlich der Evolutionstheorie Darwins), wurde und wird an den Akademien nicht besonders zur Kenntnis genommen. Selbst Psychoanalystiker, die sich als "Freudianer" bekennen, rechnen Freuds Hypothesen, Theorien und Methoden zum Gebiet der Geisteswissenschaften, obwohl die Seele, das ES, nach Freud das Gemeinsame oder der Keim von Körper und Geist ist.

Geschichte der Traumdeutung


Seit den Anfängen der Menschheit spielt die Deutung der Fantasiebilder, die im Schlaf erlebt werden, eine große Rolle in den Religionen und Mythen, aber auch bei der Bewältigung von alltäglichen Situationen. Sie wurden immer unterschiedlich aufgefasst — verdammt und gefürchtet als Trugbilder des Bösen, verehrt als göttliche Botschaften für die Zukunft. Die älteste nachweisbare Beschäftigung mit dem Traum ist an die 4.000 Jahre alt.

Die Deutung erinnerter Trauminhalte ist seit der Antike bekannt; sie wurde besonders von den Babyloniern und Assyrern hoch geschätzt. Das 1. Buch Mose berichtet von dem besonders begabten Traumdeuter Josef, ca. ebenso alt sind die von Enkidu vorgenommenen Deutungsversuche der Träume seines Freundes Gilgamesch, bzw. die epische Darstellung der Beziehung beider Männer, die in Mesopotamien um 1200 v. Chr. eine weite Verbreitung gefunden hat. Im Hellenismus bildete sich eine regelrechte Zukunftsdeutekunst der Traumkundigen. Während man in der Zeit der Aufklärung den Träumen relativ wenig Beachtung schenkte, entdeckte die Romantik die Beziehung der Träume zum Märchen und zum Unbewussten. Positivisten des 19. Jahrhunderts führten Träume auf Körpergeschehen (Leibreize, Hirnsekrete u. a.) zurück. Heute gibt es neben den geschilderten tiefenpsychologischen Auffassungen auch ein neuropsychologisches Verständnis des Traums, das im Traum entweder unkontrollierte elektrische Entladungen der Nervenzellen sieht oder ihn als Möglichkeit der Verarbeitung von Tagesresten versteht, wiewohl in jüngster Zeit auch Freuds Theorien hinzugezogen werden um die Messbefunde anhand seines in drei Instanzen unterteilten Modells der Psyche und die Ökonomie der Triebenergie zwischen ihnen zu erklären. Bemerkenswert ist, dass die Psychoanalytiker der Freudschen Schule den Schwerpunkt ihrer Arbeit gegenwärtig auf die reine "Gesprächsanalyse" gelegt haben, die Traumdeutung, welche Freud als den "Königsweg in das Unbewußte" bezeichnete, in der Regel in den Hintergrund rückend.

Weitere Ansätze


Daseinsanalyse

Träumen ist eine Art In-der-Welt-sein wie der Wachzustand. Der Unterschied zeichnet sich dadurch aus, dass dem Träumer nur das erscheint, was seiner stimmungsgemäßen Befindlichkeit in hohem Maße entspricht. Träume geben Aufschlüsse über Offenheit und Verschlossenheit gegenüber den eigenen Seinsmöglichkeiten. Es gibt keine Sinnsuche hinter dem manifesten Traum, es werden nur erkennbare Bedeutungsgehalte erfragt. Bei der Interpretation des Manifesten werden Analogien zwischen Traumgeschehen und Verhaltensweisen, Emotionen und Konflikten in der Wachwelt gesucht.

Klientenzentrierte Psychotherapie

Dieser Ansatz orientiert sich am manifesten Trauminhalt. Bei der Interpretation werden Traumstimmung, -wahrnehmung und -handlung aufgegriffen und als Möglichkeit zur Selbstaktualisierung eingesetzt. Als Selbstaktualisierung wird die innere Kraft zum Wachstum und zur Selbstverwirklichung verstanden.

Gestalttherapie

In der Gestalttherapie werden Träume als existenzielle Botschaften des Träumenden betrachtet. Die bekannte Traumdeutung wird ersetzt durch szenische Darstellungen des Traums sowie durch Dialoge mit ausgewählten Traumteilen. Der Träumer kann vorkommende Personen und Gegenstände als enteignete Teile von sich und seiner Umwelt erforschen, erkennen und integrieren.

Focusing

Der Begründer des Focusing, Eugene T. Gendlin sieht in der Traumarbeit einen Zugang zu bewusstseinsfernen Persönlichkeitsanteilen. Gedeutet werden körperliche Reaktion, wenn der Träumer im Wachzustand ein weiteres mal in die Traumbilder eintaucht. Die Befragung über die körperlich Resonanz, dem sog. Felt Sense ermöglicht dabei neue Bedeutungsaspekte. Der Träumer kann auch die Rolle von Teilen seines Traums einzunehmen, ähnlich wie bei der Traumarbeit in der Gestalttherapie.

Literatur


  • C. G. Jung: Traum und Traumdeutung. dtv, ISBN 3423351233
  • Sigmund Freud: Die Traumdeutung., Psychologie Fischer, ISBN 359610436X
  • Andreas Baumgarten: Das Superbuch der Traumdeutung. ISBN 3809411140
  • Eugene T. Gendlin: Dein Körper, Dein Traumdeuter. Otto Müller, Salzburg 1987, ISBN 3701307253
  • Gerhard Stumm, Alfred Pritz (Hrsg.): Wörterbuch der Psychotherapie. Verlag Zweitausendeins, ISBN 3861504359
  • Gustavus Hindman Miller: Traumsymbole ,10000 Träume erklärt und gedeutet, ISBN 3778736205

Siehe auch


Weblinks


Psychotherapie Psychoanalyse | Traum

Dream interpretation | Interprétation des rêves

 

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