Pierre-Cécile Puvis de Chavannes 003.jpg: Der Traum, 1883]]
Ein Traum im engeren Sinne ist ein Erlebnis im Schlaf, das sich aus Erinnerungen an überwiegend optische und akustische Eindrücke, seltener geschmacklich oder geruchliche Sinneswahrnehmungen zusammensetzt. Diese Wahrnehmungen werden durch innere, psychische Prozesse, gelegentlich durch zeitgleiche äußere Einflüsse geprägt, wobei das Traumgeschehen in der Regel als äußere Realität vom Träumenden angenommen wird.
Umgangsprachlich steht der Traum auch für etwas Ersehntes (etwas „erträumen“), etwas Unwirkliches oder auch etwas Ästhetisches („traumhaft schön“).
Träume kommen in allen Phasen des Schlafes vor (Einschlafen, Aufwachen, REM-Schlaf und NREM-Schlaf). Berichte handeln häufig von Dingen, die unmöglich oder in der Wachrealität unwahrscheinlich und normalerweise außerhalb der Steuerung des Träumers sind. Meist wird auch von Erlebnissen mit starken Gefühlen, erschreckenden oder verwirrenden Träumen bis hin zu Alpträumen berichtet.
Man geht davon aus daß die meisten Menschen gleich häufig träumen, auch wenn es sogenannte Non-dreamer * gibt (meist assoziiert mit dem Schlaf-Apnoe-Syndrom) die angeben nie zu träumen, bzw Menschen die nach einem aufgetretenen Hirnschaden (Frontalhirn) nicht mehr träumen können. Auch durch die Einnahme bestimmter Psychopharmaka kann das Träumen unterdrückt werden.
Träume waren schon immer Inhalt von Spekulationen und Quelle von künstlerischen und anderen Inspirationen. Ihre Bedeutung war bereits im Altertum eine zentrale Frage des Menschen. Herkunft und Funktion sind auch heute noch nicht umfänglich geklärt. Die Hypothesen spannen einen Raum auf zwischen der physiologischen Antwort auf neuronale Prozesse während des Schlafes, psychologisch als Reflektionen des Unbewussten und spirituell als Botschaft Gottes oder Vorhersage der Zukunft.
Die wissenschaftliche Disziplin der Traumforschung ist die Oneirologie. Oft wird dieser Begriff auch für die Traumdeutung verwendet.
Die medizinisch-naturwissenschaftliche Erforschung des Phänomens Traum begann 1953 in Chicago mit Eugene Aserinskys Entdeckung der REM-Phase im Schlaf. An der Universität Lyon konnten Forscher um Michel Jouvet 1962 die Brücke als den Bereich des Gehirns lokalisieren, der die Schlafphasen steuert.
An der Harvard-Universität entwickelte Allan Hobson und Robert McCarley daraufhin zwei einflussreiche Theorien: das reziproke Interaktionsmodell (1971) und das Aktivierungs-Synthese Modell Hobson, J.A. & McCarley, R.W. (1977): The brain as a dream-state generator: An activation-synthesis hypothesis of the dream process. American Journal of Psychiatry, 134, S. 1335-1348. (1977), später auch Aktivierungs-Input-Modell, kurz AIM (2000). Das reziproke Interaktionsmodell ist ein neurobiologisches Beschreibungsmodell, das den Wechsel zwischen REM- und NREM-Phasen im Schlaf erklärt. Mit dem Aktivierungs-Synthese-Modell versuchen Hobson und McCarley, auf Basis ihrer Erkenntnisse des reziproken Interaktionsmodells, das Zustandekommen eines Traums zu erklären. Neuronen im oberen Hirnstamm produzieren zufällige Erregungsmuster, welche den Ausgang für das Traumerleben sind. Der Cortex ist, konfrontiert mit der Schlafstarre des REM-Schlafs nun bemüht sinnfällige Interpretationen dieser Muster zu bilden. Das Ergebnis ist ein Traum. Damit ist die Ursache von Träumen den niederen Gehirnfunktionen zuzuordnen und nach diesem Modell sinnlos. Das Ergebnis sorgte für einen entsprechenden Sturm, nicht nur in der Psychoanalyse. Dieses Erklärungsmodell stellt bis heute die herrschende Lehrmeinung auf dem Gebiet der Neurobiologie dar. Jedoch werden immer wieder Anomalien entdeckt, die mit dem Modell nicht mehr in Einklang zu bringen sind. Gegen das Modell spricht, dass aus der empirischen Forschung eher selten von bizarren Trauminhalten berichtet wird, von denen Hobson ausgeht. Auch liefert das Modell nur schwache Erklärungen für NREM-Träume, deren Bedeutung für die Forschung in jüngster Vergangenheit zugenommen hat.
Der Neurophysiologe und Psychoanalytiker Mark Solms geht davon aus, dass Träume durch höhere Hirnfunktionen generiert werden und kein direkter Zusammenhang zwischen REM-Schlaf und Träumen besteht. Solms untersuchte verschiedene Patienten, bei denen durch Schädigungen und Traumata in REM-Schlaf-relevantem Bereichen des Gehirns kein REM-Schlaf mehr auftrat. Dennoch berichteten die Patienten von Traumtätigkeiten. Auch auf Basis seiner empirischen Ergebnisse, kommt Solms zur alten Freud´schen Annahme des Traums als Hüter des Schlafs.
Neben den inneren Quellen des Trauminhalts können auch zeitgleich mit dem Traum auftretende äußere Reize einwirken. Diese werden über die menschlichen Sinnesorgane aufgenommen und entsprechend weiterverarbeitet. Als Reize können dabei Geräusche von vorbeifahrenden Autos, Weckerklingeln, ausgesprochene Worte oder auch Gerüche, Lichteffekte durch das geschlossene Augenlid und körperliche Einrücke (Hunger, Durst) in Frage kommen. Forschungsergebnisse lassen die Annahme zu, dass je nach Wichtigkeit des Eindrucks für den Menschen (z.B. nach Bedrohlichkeit), der entsprechende Reiz in den Traum eingearbeitet wird.
Während sich die oben genannten Einflussfaktoren auf den Traum auswirken, kann sich der Traum auch auf körperliche Funktionen auswirken. Einen direkten Einfluss gibt es auf Augenbewegungen, Herz- und Atemfrequenz. Obwohl eine Korrelation nachweisbar ist, kann die Stärke und Form nicht klar bestimmt werden.
Die Varianz im Umfang der Traumerinnerung ist sowohl beim einzelnen Träumer als auch in der Menge groß. So berichten einzelne Träumer von einem bis mehreren Täumen in einer Nacht, während andere Menschen den Eindruck haben, als hätten sie kaum oder noch nie geträumt. Eine Studie Schredl, M., Wittmann, L., Ciric, P., & Götz, S. (2003): Factors of home dream recall: a structural equation model. Journal of Sleep Research, 12, 133-141.Link, die den Einfluss der Variablen Persönlichkeitsfaktoren, Kreativität, Häufigkeit des nächtlichen Erwachens und Einstellung gegenüber Träumen auf die Traumerinnerung untersucht, konnte keinen Erklärung für die Varianz liefern.
Jedoch wurde ein geschlechtsspezifischer Unterschied festgestellt. Frauen erinnern sich im Schnitt öfter an das Traumerleben als Männer. Auch die einfache Aufforderung, sich an Träume zu erinnern oder das Führen eines Traumtagebuchs zeigt einen deutlichen Anstieg in der Erinnerung insgesamt.
Über die Auswirkungen von Träumen auf das spätere Wachleben gibt es kaum systematische Untersuchungen. Bisherige Studien zeigen jedoch, dass Alpträume den stärksten Einfluss auf das subjektive Empfinden am Tag darauf haben. Bekannt sind auch kreative Anstöße, die aus nächtlichen Traumerlebnissen kommen Schredl, M. & Erlacher, D. (2004): Träume und Kreativität. ZI Information aktuell, 27 Link. Bekannt sind die Einflüsse in der Malerei (Surrealismus) und der Musik (z.B. Yesterday von den Beatles). Nicht eindeutig belegbar sind Beispiele aus der Wissenschaft. So soll August von Kekule von einer Schlange geträumt haben, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Damit fand er die Lösung für den ringförmigen Benzolaufbau. Auch sollen Dimitri Iwanowitsch Mendelejew (Periodensystem der Elemente) und Elias Howe (Nähmaschine) ihre Lösungen im Traum gefunden haben.
| Traumtyp | Beschreibung |
|---|---|
| REM-Traum | Traum, der in einer REM-Phase des Schlafs auftritt |
| NREM-Traum | Traum, der während einer der Schlafphasen 2, 3 oder 4 auftritt |
| Einschlaftraum | Traum der (Ein-)Schlafphase 1 |
| Albtraum | REM-Traum mit angst- und panikauslösenden Inhalt, wie Katastrophen, Sequenzen von Verfolgungen, soziale Bloßstellung, eigener Tod etc. Führt zum Erwachen |
| Pavor nocturnus | NREM-Traum, wird meist der Tiefschlafphase 4 zugeordnet und unterscheidet sich vom Albtraum. Der Pavor nocturnus tritt bei ca. 5% der Kinder zwischen dem ersten und siebten Lebensjahr auf |
| Posttraumatische Wiederholungen | Nochmaliges Durchleben eines traumatisierenden Erlebnisses, im Rahmen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Das Auftreten ist nicht an einzelne Schlafphasen gebunden. |
| Klartraum | Traum, in dem Bewusstheit über den Traumzustand herrscht. Trauminhalte können vom Träumer gesteuert werden. In der Tradition des tibetischen Buddhismus wird dies als Traumyoga praktiziert. Ziel ist wie bei allen buddhistischen Praktiken die Gewahrsamkeit des Geistes zu schärfen und es ins Alltagsbewusstsein einfließen zu lassen. Traumyoga stellt daher eine Ergänzung buddhistischer Meditationspraxis dar, der üblicherweise in weiten Teilen eher unbewusst und ohne die Möglichkeit zur Steuerung abläuft. |
| Wachtraum | Hier: Traum im weiteren Sinne. Subjektiv kann die Unterscheidung zwischen Wachtraum und Nicht-Wachtraum schwer fallen. Absichtlich herbeigeführt ähnelt der Wachtraum einer Meditation und kann auch die erste Phase eines im Wachzustand eingeleiteten Klartraums sein. Unabsichtliches Auftreten hingegen kann auf Müdigkeit, ein hohes Maß an (ggf. unausgelebter) Phantasie und in Extremfällen auch Realitätsflucht hinweisen. Der Klartraum wird manchmal auch als Wachtraum bezeichnet. |
| Wahrtraum | Im Wahrtraum sind „reale“ Ereignisse offensichtlich. Abhängig vom Zeit- und Ortsbezug wird in retrospektiver, prospektiver und telepathischer Wahrtraum unterschieden. Einige Aspekte der Phänomene können wissenschaftlich erklärt werden, andere sind Gegenstand esoterischer und parapsychologischer Diskussionen. |
Weitere Hypothesen über die Funktion des Traums:
Über diese „materiellen“ Hypothesen hinaus gibt es auch Ideen, dass der Geist im Traum den Körper verlässt. Siehe auch außerkörperliche Erfahrungen.
Frauenträume
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