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Transzendenz (von lat. transcendere „überschreiten“) bezeichnet die Bereiche des Denkens, die die Wahrnehmung und das Vorstellungsvermögen überschreiten.

Der Gegensatz von transzendent ist immanent; Transzendenz ist also ein Antonym von Immanenz.

Transzendenz in der Mathematik


In der Mathematik wird das Attribut transzendent in folgenden Bedeutungen verwendet:

Transzendenz in der Philosophie


Der Begriff transzendent bezeichnete in der Philosophie bzw. in der Scholastik diejenigen Wesensmerkmale, die uneingeschränkt allem Seienden zukommen; die so genannten Transzendentalien sind:

  • (ens - das Seiende)
  • unum - das Eine
  • verum - das Wahre
  • bonum - das Gute

Teilweise wird außerdem hinzugezählt

  • res - das Ding
  • aliquid - Etwas
  • pulchrum - das Schöne

Transzendental bei Kant

In Kants Kritik der reinen Vernunft ist transzendental „die Untersuchung der Möglichkeit einer jeden Erfahrung“ und bezieht sich auf das Erkenntnisvermögen (vgl. Transzendentalphilosophie).

Transzendent und transzendental sind nicht deckungsgleich, sondern streng zu unterscheiden. Will man diesen Unterschied mit pointierter Verkürzung formulieren, so versteht man unter Transzendenz das denkende über sich Hinausgehen. Dies ist vor allem im Platonismus das Motiv, welches als Ziel des Denkens das Eine als den Ursprung des Kosmos anvisiert. Transzendental hingegen bezeichnet die kantische Umkehrung dieses Motivs zu einem in sich Hineingehen, um vor dem Denken zuerst die Möglichkeiten des Denkens zu erfahren. Analog zum Ziel des Einen in der Transzendenz steht bei Kant das Selbstbewusstsein des denkenden Subjekts.

Eine transzendentale Erkenntnis beinhaltet die Frage nach der Bedingung der Möglichkeit der Erfahrung, befasst sich also mit den Voraussetzungen ihrer Möglichkeit (vor aller Erfahrung bzw. Erkenntnis liegend, diese aber erst ermöglichend, bedingend), und so definiert Kant den Begriff transzendental wie folgt:

"Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht sowohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnis von Gegenständen, sofern diese a priori möglich sein soll, beschäftigt". (Kritik der reinen Vernunft)

Für Kant war eine Metaphysik, die auf transzendente Gegenstände ausgerichtet ist, spekulativ.

Siehe auch: transzendentale Logik, transzendentale Methode

Transzendenz in der Religion


Christentum

Das, was über die sinnliche Erfahrung mit dem Gegenständlichen hinausgeht; das Jenseitige, das die Grenzen des menschlichen Verstandes und Bewusstseins überschreitet und sprachlich nur in Ansätzen zu vermitteln ist. Diese Transzendenz mit dem Jenseits ist ein wesentlicher Unterschied zwischen christlicher Religion und Philosophie. Eine Philosophie ist im Allgemeinen auf das Diesseits beschränkt.

In der christlichen Religion gibt es ein irdisches und ein himmlisches Leben (z. B. Matthäus 22, 1 Korinther 15). Das Überschreiten dieser Grenze, Kontakte der einen Welt zu der anderen, wird als Transzendenz bezeichnet. Dazu gehören z. B. der 'Heilige Geist' als Gottes immanente Gegenwart, das Jüngste Gericht als Ausscheidung alles Bösen (vgl. 1. Kor 3,10-15, Mt 25,31ff), die Auferstehung als innerweltlicher Akt der Transzendierung des Christlichen in der Welt (1. Kor. 15,42ff).

Evangelikale sehen diese Transzendenz in der Bibel, die vom Menschen geschrieben, aber von Gottes Geist inspiriert wurde. Zudem glauben Evangelikale auch an Transzendenz in der heutigen Zeit. So sind nach deren Überzeugung auch heute noch übernatürliche Dinge wie prophetische Rede, Krankenheilung, Wunder und ähnliches möglich. Auch für Kontakte zum Jenseits sind diese Gruppierungen sehr offen. So wird z. B. an die Existenz und auch die Erscheinung von Engeln und sogar von Christus selbst geglaubt.

In der Römisch-katholischen Kirche und auch in der griechisch orthodoxen Kirche glaubt man an eine Transzendenz in der heutigen Zeit. Man sucht nach Heiligen, die als Gesandte Gottes, von Gott begnadet und von Gott geleitet gesehen werden, als Zeichen für die glaubenden Menschen. Auch steht man in diesen Gruppen Kontakten zum Jenseits oft sehr offen gegenüber, z. B. Marienerscheinungen in Lourdes, Fatima, Medjugorje. Papstbesuche an diesen Orten unterstreichen von offizieller Seite diese Bedeutung.

Heilungen von Menschen, wie dies von Jesus, später von Mitgliedern der christlichen Urgemeinde (z. B. Paulus) praktiziert wurde, werden durch Gott bewirkt und sind - im Verständnis dieses Glaubens - auch heute möglich.

Buddhismus

Im Buddhismus tritt das Transzendenz-Prinzip in der Darlegung von relativer und absoluter Wirklichkeit auf. Die relative Wirklichkeit bezeichnet dabei die Welt so, wie sie von unerleuchteten Wesen wahrgenommen wird. Die Erfahrung absoluter Wirklichkeit manifestiert sich in Nirvana und wird mit Eintritt der Erleuchtung dauerhaft. Das buddhistische Transzendenzprinzip leitet sich von tranzendieren - über einen Bereich (den der relativen Wirklichkeit) hinaus in einen anderen (die absolute Wirklichkeit) übergehend - ab und darf nicht mit der klassischen philosophischen Transzendenz verwechselt werden. Philosophisch handelt es sich eher um eine transzendentale Erfahrung nach Kant, welche die (subjektive) Bedingtheit aller Gegenständlichenerkenntnis und damit ihre Fehler- bzw. Leidhaftigkeit direkt erkennt. Es handelt sich auch nicht um Hinüberwechseln oder Hereinschauen in eine andere (jenseitige) Welt wie z. B. bei der christlichen Transzendenz. Dies wäre ein Austausch einer relativen Wirklichkeit gegen eine andere.

Ikonographisch werden transzendente Bereiche als bildlicher Ausdruck absoluter Wirklichkeit dargestellt. Es finden sich verschiedene Buddha-Formen und verschiedene Buddhabereiche (Reine Länder) wie z. B. das reine Land von Dewachen. Es gibt im Mahayana-Buddhismus darüber hinaus eine klar definierte Strukturierung der Inkonographie transzendenter Buddhas, sog. Adibuddhas, und auch die Lehre von den "drei Buddhakörpern" (Trikaya), in der sich die transzendente Manifestation von Buddhas wiederfindet.

Literatur


  • Hans-Peter Dürr (Hrsg.): Physik und Transzendenz, Die großen Physiker unseres Jahrhunderts über ihre Begegnung mit dem Wunderbaren. Sonderausgabe. Bern u.a. 1988.
  • Nikolaus Knoepffler: Der Begriff »transzendental« bei Immanuel Kant. Eine Untersuchung zur „Kritik der reinen Vernunft“. 5., überarbeitete Auflage, Herbert Utz Verlag, München 2001, ISBN 3-89675-847-0
  • Wolfgang Struve: Philosophie und Transzendenz. Eine propädeutische Vorlesung. Verlag Rombach, Freiburg 1969.

Siehe auch


Diesseits, Jenseits, Natürliche Theologie

Weblinks


Abstraktum | Metaphysik | Ontologie | Religionsphilosophie | Theologie

Transcendence (philosophy) | Transcendance | Transcendentie | Transcendencja | Трансцендентный | Transcendenca | อุตรภาพ

 

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