Unter einer Translokation oder einer Translozierung (= Ortsveränderung, Versetzung / lateinisch: locus = Ort) versteht man in der Genetik eine Ortsveränderung von Chromosomen oder von Chromosomenabschnitten, die innerhalb eines Chromosomenbestandes von ihrer ursprünglichen Position transloziert (= verlagert, versetzt) worden sind.
Mit Ausnahme der Robertson-Translokation, die mit "rob" abgekürzt wird, wird im Karyotyp eine Translokation mit "t" abgekürzt.
Sie entsteht durch die Verlagerung eines vergleichsweise großen Chromosomenabschnitts auf ein nicht-homologes Chromosom: Es verbinden sich zwei akrozentrische Chromosomen (=Chromosomen, deren Einschnürungen / Centromere in der Nähe der Chromosomen-Enden liegen) zu einem metazentrischen Chromosom (=Chromosom, dessen Einschnürung in der Mitte liegt). Dies geschieht durch eine Fusion (= Verbindung, Verschmelzung) von zwei langen Armen akrozentrischer Chromosomen im Centromerbereich (= im Bereich der Einschnürung, an der die Spindelfasern bei der Teilung ansetzen), wobei die beiden kurzen Arme verloren gehen (siehe Deletion) und somit ein metazentrisches Chromosom entsteht.
Diese Form der Translokation kann beim Menschen nachgewiesen werden bei den akrozentrischen Chromosomen der Nummer 13, 14, 15, 21, und 22, bei denen das Centromer jeweils nahe am Ende liegt (im Gegensatz zu metazentrischen Chromosomen, bei denen das Centromer recht mittig angelegt ist). Der Verlust der kurzen Arme bei einer Fusion der beiden langen Arme fällt bei akrozentrischen Chromosomen nicht besonders ins Gewicht, da die kurzen Arme keine relevanten Gene enthalten.
Eine Robertson-Translokation kann balanciert oder unbalanciert sein. Menschen mit einer balancierten Robertson-Translokation haben den üblichen Phänotyp. Bei der Darstellung im Karyogramm fällt ihr Genotyp jedoch dadurch auf, dass 45 Chromosomen statt der üblichen 46 nachgewiesen werden können. Sie können zwar Nachkommen mit einem ebenfalls unauffälligen Phänotyp zeugen, jedoch kommt es bei der Keimzellenbildung gehäuft zur Produktion von Gameten mit quantitativ und qualitativ veränderten Chromosomensätzen: Das fusionierte Chromosom bzw. ein fehlendes Chromosom oder ein extra langer Arm des akrozentrischen Chromosoms kann an die Nachkommen weitergegeben werden. Der Karyotyp beim Vorliegen einer balancierten Robertson-Translokation kann z. B. lauten: 45,XX+21,rob(14;21) bzw. 45,XY+21,rob(14;21), der Karyotyp beim Vorliegen einer unbalancierten Robertson-Translokation z. B.: 47,XX+21,rob(14;21) bzw. 47,XY+21,rob(14;21). Bei letzterem hat die betreffende Person ein Down-Syndrom mit Robertson-Translokation 21/14.
Bei Mäusen weiß man schon länger um das häufige Vorkommen von Robertson-Translokationen. Es sind 124 der möglichen 171 Formen der Robertson-Translokation bekannt.
Chromosomal translocation | Translocation | טרנסלוקציה כרומוזומלית | Translokacja
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"Translokation (Genetik)".
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