Mit dem Trajekt Bonn-Oberkassel, einer Eisenbahnfähre, verband die Rheinische Eisenbahngesellschaft 1870 ihre rechts- und linksrheinischen Bahnstrecken.
Unter leichtem staatlichen Druck beantragte die Rheinische Eisenbahn dann 1866 eine Weiterführung der rechtsrheinischen Strecke von Niederlahnstein über Oberkassel nach Troisdorf. Mit der am 24. Dezember 1866 erteilten Konzession erhielt die Bahngesellschaft allerdings die staatliche Auflage, die neue Bahnstrecke mit der linksrheinischen Strecke bei Bonn mittels eines Trajektes zu verbinden.
Das Trajekt entsprach im Wesentlichen den beiden erprobten Trajekten der Rheinischen Bahn in Spyck und Rheinhausen, die 1865 und 1866 in Betrieb gegangen waren. In Bonn überquerten die Fährponten ebenfalls mit eigenem Antrieb zwischen zwei Drahtseilen den Strom, hier jedoch im Winkel von 45° gegen den Strom in Richtung Oberkassel. Die drei vorgesehenen Fahrstraßen wurden 1868, 1870 und die letzte erst 1873 fertiggestellt. Die Rampen vom Uferbahnhof zum Wasser erhielten eine Neigung von 1 : 38. Die drei Fährponten hatten jeweils eine Länge von 70 Metern und waren 9,50 Meter breit. Jede konnte entweder bis zu 10 Güterwagen oder 7 Personenwagen oder 1 Lokomotive tragen.
Die Trajektbahn bog hinter dem Bahnhof Oberkassel nach links zum Ufer ab. Auf der Bonner Seite entstand nahe dem Ufer der Bahnhof Bonn-Trajekt, der die dortige Industrie bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch versorgte. Die Strecke erreichte an der Blockstelle Kessenich die Hauptstrecke und führte ab 1870 auf einem eigenen Gleis zum Hauptbahnhof Bonn.
Nachfolgend einige Beispiele zur Leistung der Trajektanstalt:
1871: 45.280 Wagen und 132 Lokomotiven
1873: 93.107 Wagen und 274 Lokomotiven (Spitzenjahr)
1879: 47.841 Wagen und 39 Lokomotiven
Trajekt_Bonn_Oberkassel_01.jpg
In Bonn befand sich die Trajektanstalt ungefähr an der Stelle der heutigen Konrad-Adenauer-Brücke. In den 70-er Jahren des 20. Jahrhunderts beseitigte man die Anlagen im Zuge der Umgestaltung der Rheinaue für die Bundesgartenschau 1979. Bis zum Post Tower ist der Streckenverlauf heute noch als Franz-Josef-Strauss-Allee/Marie-Kahle-Allee zu erkennen.
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