Mini tractor vrije klasse tractor pulling.jpg | Slede (sledge) Tractor pulling.jpg | Standart 6t johndeere 6310 team eichpull.jpg Tractorpulling ist eine besondere Art des Motorsports, ein Zugkraftwettbewerb ("Pull" engl. = Ziehen) mit Traktoren im weitesten Sinne.
Auf einer 100 m langen und 10 m breiten Wettkampfpiste aus Lehm wird ein sogenannter Bremswagen von den Teilnehmern gezogen. Ziel eines jeden Fahrers ist der „Full Pull“, die Bewältigung der 100-m-Strecke. Schaffen mehrere Teilnehmer einen Full Pull, wird der Bremswagen schwerer gemacht und ein Stechen ausgefahren, bis der Sieger feststeht.
Damit dieses nicht ganz so einfach ist, hat der Bremswagen eine unangenehme Eigenschaft: Je weiter man ihn zieht, desto schwerer lässt er sich ziehen. Also ist der Traktor, der diesen Bremswagen am weitesten zieht, der stärkste und somit auch Sieger. Jeder Fahrer hat zwei Versuche, der weitere Zug wird in die Wertung aufgenommen. Gelingt einem Fahrer bereits im ersten Zug ein Full-Pull, darf er erst im Stechen den zweiten Zug machen.
Angetrieben werden die Fahrzeuge von leistungsstarken Aggregaten, z. B. ehemaligen Flugzeug-Motoren (auch mehrfach) oder Hubschrauberturbinen. Eingeteilt in verschiedene Gewichtsklassen reicht die Leistung bis etwa 10.000 PS.
Der Bremswagen hat eine Hinterachse, und vorn anstelle einer Vorderachse eine Gleitkufe. Durch ein auf dem Bremswagen verschobenes Gewicht wird die Kufe umso stärker belastet, je weiter der Traktor mit dem Gewichtswagen auf der Strecke vorwärtskommt. Es wird also mit dem Streckenfortschritt immer schwerer, den Bremswagen zu ziehen. Diese Gewichtsverschiebung wird über einen Getriebe-Antrieb von der Hinterachse des Bremswagens betätigt. Es existiert ein umfangreiches Klassement mit technischen Vorschriften, wie die Traktoren umgebaut werden dürfen oder müssen, um regelkonform zu sein. Eine wichtige Maßnahme ist der Schutz des Traktors gegen Umkippen nach hinten: auch hierzu werden Gleitkufen an Tragarmen eingesetzt, die den Traktor und seinen Rennpiloten vor einem Überschlag schützen.
Die Klassen beim Tractorpulling werden im wesentlichen nach Gewicht des Zugfahrzeugs gegliedert. In den freien Klassen haben die Traktoren nach den Umbaumaßnahmen teils bis zu 6.000 PS / 4.500 kW.
Tractor Pulling - in den nördlichen Gefilden Europas auch "Trecker Treck", "Trekker Trek", "Tractor Traek" genannt - wird in Deutschland seit den späten 70er Jahren betrieben. Tractorpulling-Veranstaltungen haben oftmals den Charakter eines Volksfestes für ein ganzes Wochenende, es wird Musik gespielt, es wird gecampt, viel Bier getrunken und gegrillt. Die Männer mit ihren gigantischen Traktoren sind vor allem harmlos und nett, und sie haben enormen Spass. Da der Unterhalt eines Renntraktors zum Pulling sehr aufwändig werden kann, tun sich oft die Motorsport-Interessierten eines Dorfes in Kleingruppe zusammen, um einen Traktor zum Pulling auszurüsten.
1982 gründete sich die Deutsche Trecker Treck Organisation um dem Sport nach amerikanischem Vorbild ein Sicherheitsreglement zu geben.
Tractorpulling entstand in den 1940er Jahren in den USA. Nach der erfolgreichen Mechanisierung in der Landwirtschaft wollten die Bauern wissen, wer von ihnen den stärksten Traktor hat.
Sie trafen sich sonntags nachmittags zum Traktor-Wettkampf. Zu Beginn ließ man immer zwei Traktoren gegeneinander antreten. Die zwei Traktoren wurden mit einer Kette verbunden und mussten nun gegeneinander ziehen. Wer den anderen in seine Richtung ziehen konnte, hatte gewonnen. Das ganze funktionierte also nach dem Prinzip "Seilziehen".
Da dieses System sehr zeitaufwändig war, musste man ein anderes System herausfinden. Es dauerte nicht lange, bis man auf die Idee kam, einen Felsbrocken zu ziehen.
Weil diese Methode immer noch ziemlich zeitaufwändig und auch nicht sehr genau, entwickelte man das System Plattenspringer. Dieses System hatte großen Erfolg.
Das Tractorpulling verbreitete sich schnell. Besonders auf den "Country Fairs" (Jahrmärkte in den landwirtschaftlich geprägten Gebieten) entwickelte sich das Tractorpulling zu einer gern gesehenen Show. Auch heute bilden diese "Fair Pulls" ein wichtiges Standbein des amerikanischen Tractorpullings.
Schon bald wurden die Traktoren extra für das Tractorpulling frisiert. Es wurden immer größere und stärkere Tractoren gebaut. Es ging soweit, dass ein V8-Motor nicht mehr stark genug war, und die ganz schweren Puller bauten sich aus Panzermotoren, Flugzeug- und Helikopter-Turbinen Traktoren mit mehreren tausend PS. Diese Traktoren starten in der "Freie Klasse", welche in der Schweiz nicht erlaubt ist.
Die Traktoren wurden nach einigen neuen Entwicklungen immer stärker und teurer. Als das Tractorpulling 1997 nach Europa kam, waren die Leistungen der stärksten Traktoren auf etwa 2500 PS gewachsen.
1977 fand auf dem niederländischen Flevohof das erste Tractorpulling anlässlich der Weltmeisterschaft im Pflügen statt.
Einige amerikanische Traktoren wurden samt Bremswagen per Container nach Holland gebracht. Die PS-Giganten stahlen dem eigentlichen Event, dem Wettpflügen, die Show. Von da an breitete sich Tractorpulling über ganz Europa aus. Die DTTO (Deutsche Trecker Treck Organisation) wurde in Deutschland als einzige Organisation gegründet, die Tractorpulling in Deutschland auf eine faire Wettkampfbasis mit Sicherheitsreglement und Deutscher Meisterschaft stellte.
Zusammen mit anderen nationalen Verbänden ist sie auch Teil der ETPC (European Tractorpulling Comittee), des Europäischen Dachverbands des Tractorpullings. Der STPV ist auch Teil der ETPC.
Im Gegensatz zu Amerika hat das europäische Tractorpulling eine andere Entwicklung durchgemacht: Gleich von vornherein wurde die Freie Klasse als Hauptpublikumsmagnet gehandelt.
1974: Ernst Guggisberg entdeckte Tractor Pulling zum ersten Mal bei seinem Amerikaaufenthalt in Marysville (Kansas), wo Traktoren eine Art Bremsschlitten zogen.
1977 hörte er, dass in Holland auf dem Flevohof der erste Tractor Pull auf europäischem Boden stattfindet. Er besuchte diese Veranstaltung.
1986 taten sich mehrere Interessenten zusammen und gründeten die Schweizerische Trecker Treck Vereinigung (STTV), die heutige Schweizerische Tractor Pulling Vereinigung (STPV).
Eine erste Veranstaltung wurde auch im Gründungsjahr in Schafisheim im Kanton Aargau durchgeführt.
1987: Motiviert vom Pulling ging es nach Bülach. Es sollten für längere Zeit die beiden letzten Pullings in der Schweiz sein. Jedoch konnten die Schweizer Puller sich bei der deutschen Veranstaltung in Singen unter Beweis stellen.
Während dieser Zeit sagte sich Ernst Gugisberg: Es muss doch möglich sein, eine eigene Veranstaltung auf die Beine zu bekommen! Die Abklärungen für ein geeignetes Gelände schritten gut voran. Es stellte sich jedoch eine Knacknuss: Das Strassenverkehrsamt des Kantons Bern. Man kämpfte über ein Jahr für die Bewilligung, um nach insgesamt drei Anläufen folgende Antwort zu erhalten: Nein, und die nächste Instanz ist das Bundesgericht in Lausanne. Die Veranstaltung konnte nie stattfinden.
1998: Nach einigen Besuchen in Holland ist dann die Idee entstanden, ein eigenes Bremssystem zu bauen und die Veranstaltung mit Standard-Traktoren auf dem Hof durchzuführen. Man entschied sich für die einfache Variante, die bewährte "Step on Sled"- Bremsplatte zu konstruieren. In der Probeveranstaltung im Herbst 1998 wurde der erste Pull mit der ersten Messung in Zimmerwald durchgeführt. Die Distanz wurde manuell mittels Messband gemessen.
Mittlerweile ist auch das mit den Behörden kein Problem mehr, und jede Pulling-Veranstaltung im Kanton Bern hat eine behördliche Bewilligung.
2000: Das manuelle Messverfahren war zeitaufwändig und zuwenig präzise. Ein Lasergerät half, die zurückgelegten Distanzen exakter und rascher zu erfassen. Am Pistenende wurde ein Lasermessgerät aufgestellt und die Bremsplatte mit einem Reflektor ausgerüstet. Dies ermöglichte, sobald der Traktor zum Stoppen gebracht wurde, rasch die Distanz zwischen Bremsplatte und dem Standort des Lasergerätes zu ermitteln.
2001: Das Problem der Bremsplatte war das in den schweren Klassen hohe Grundgewicht. Einige Traktoren hatten Mühe, die Platte überhaupt in Bewegung zu setzen. In Holland wurden wieder Ideen gesammelt, um eine neue Lösung zu kreieren. Das Pulling-Team Zimmerwald machte sich hinter die Konstruktion eines Bremswagens. Auch eine Walze und ein Erdhobel wurden geschweisst, um der Piste einen optimalen Zustand zu geben.
2003: Der Bremswagen diente als Grundlage einer neuen Messung. Der Bremswagen hat eine Achse mit Rädern; dies ermöglicht, ein Radumdrehungs-Messgerät zu montieren.
2005: Damit die Zuschauer mehr über den aktuellen Teilnehmer erfahren, wurde eine neue Anzeigetafel angeschafft. Es ist jetzt auch möglich, den Namen und den Traktor des Fahrers zu projizieren.
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