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Der moderne Torpedo ist eine Unterwasserwaffe mit eigenem Antrieb und einer Sprengladung. Er zündet auf Kontakt, bzw. heute auf Annäherung an ein Ziel. Der Torpedo wird zumeist mit U-Booten in Verbindung gebracht, kann jedoch auch von Schiffen, Flugzeugen und Hubschraubern aus eingesetzt werden. Verwendung findet er vor allem auf U-Booten, Torpedobooten sowie Torpedobombern. Aber auch Zerstörer und teilweise sogar Kreuzer und Schlachtschiffe wurden mit Torpedos ausgerüstet. Es gibt auch Seeminen, die Torpedos verschießen. Bereits im ersten Weltkrieg wurden Torpedos von Land aus verschossen. Dies geschieht meistens aus sogenannten Torpedorohren. Flugzeuge, Hubschrauber und kleine Torpedoschnellboote werfen spezielle Torpedos ohne solche Starthilfen ab.

Torpedos werden üblicherweise nach ihrem Durchmesser in der englischen Maßeinheit Zoll (") klassifiziert. Dabei sind Größen von 17 - 22,5 " (ca. 43 - 57 cm) verbreitet. Der Standardtorpedo der deutschen Marine hatte einen Durchmesser von 21 " (53,3 cm). Moderne Torpedos haben zum Teil erheblich größere Durchmesser. Länge und Gewicht der Torpedos variiert sehr stark, betragen aber immer mehrere Meter Länge und selten weniger als ein Tonne Gewicht.

Torpedos können Bestandteile anderer Waffensysteme bilden. Der MK-46 Torpedo der NATO ist der Gefechtskopf der ASROC-Rakete, die gegen U-Boote eingesetzt wird und wird auch von der Seemine Typ MK-60 CAPTOR verschossen. Der meistverwendete Torpedo, der nur von U-Booten abgeschossen werden kann, ist der amerikanische Mark 48. Auf den neuen deutschen U-Booten der Klasse 212A kommt der DM2A4 zum Einsatz.

Wortherkunft


Das Wort Torpedo leitet sich von einer Fischgattung aus der Ordnung der Torpediniformes und der Familie der Torpenidae (Zitterrochen) ab. Diese Fische beziehen ihren Namen wiederum vom lateinischen Wort „torpere“, das mit „erstarren“ übersetzt werden kann. Dieser Name hat nichts mit der Form der Waffe zu tun, dafür aber damit, dass die Rochen „lähmende Schläge“ austeilen können.

Im Sprachgebrauch der Marine wurde der Begriff zuerst vom amerikanischen Ingenieur Robert Fulton benutzt, der ihn in Zusammenhang mit seinem U-Boot Nautilus um das Jahr 1800 anwandte.

Geschichte


Alter Torpedo.JPG Ursprünglich, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, bezeichnete man mit dem Begriff Torpedo so ziemlich jede Sprengladung im Wasser, auch Seeminen.

Die erste Form des Torpedos war der Spierentorpedo. Während des amerikanischen Bürgerkriegs, als es schien, die Schiffspanzerung sei den Geschossen überlegen, sah man eine Möglichkeit die Panzerung zu überwinden, indem man eine große Sprengladung mittels einer Stange (Spiere) direkt an das feindliche Schiff brachte. Das Funktionsprinzip entsprach ungefähr dem der Petarde. Das erste Unterseeboot, das einen Spierentorpedo verwendete, war die H. L. Hunley, die damit die USS Housatonic der Unionstruppen versenkte. Sie versank nach dem Angriff allerdings aus noch ungeklärten Ursachen selbst.

Die ersten Prototypen schraubengetriebener Torpedos wurden vom kroatischen Ingenieur Ivan Lupis-Vukić, der in der Österreich-Ungarnischen Marine diente, entwickelt und gebaut. Die Präsentation erfolgte 1860 in Rijeka.

Als Vorbild für Prinzip und Aufbau moderner Torpedos gilt der Whitehead-Torpedo, der nach seinem Erbauer, dem englischen Ingenieur Robert Whitehead, benannt wurde. Whitehead entwickelte den Torpedo für die österreichische Armee und führte ihn 1866 in Fiume (Rijeka) erstmals vor. Dieser Torpedo trug eine 9 kg schwere Sprengladung in der Spitze, hatte eine Reichweite von 300 bis 400 Metern und erreichte eine Geschwindigkeit von 6 Knoten. Als Energiequelle für den Antrieb diente auf 40 kp/cm² verdichtete Luft, die in einem Druckbehälter mitgeführt wurde.

Bei diesen frühen Bauformen wurden die Stabilisierungsflossen bis in den Bugbereich gezogen, um das Gegenmoment der Antriebsschraube auszugleichen. Wegen dieses charakteristischen Aussehens wurden diese Torpedos auch Fisch-Torpedo genannt. Da modernere Konstruktionen grundsätzlich von zwei gegenläufigen Schrauben angetrieben werden, deren Gegendrehmomente sich aufheben, kommen diese mit vergleichsweise kleinen Steuerflächen aus.

Der erste erfolgreiche Einsatz eines Whitehead-Torpedos, bei dem ein Schiff versenkt wurde, fand am 26. Januar 1878 statt. Ein russisches Boot unter dem Kommando von Stepan Ossipowitsch Makarow traf dabei ein türkisches 2.000-Tonnen Schiff aus 80 Metern Entfernung.

Die Entwicklung des Torpedos mit Eigenantrieb führte zu einer neuen Qualität im taktischen Denken. Ende des 19. Jahrhundert wurden schnelle Torpedoboote und Zerstörer entwickelt, die wiederum die Entwürfe und Taktiken der großen Kriegsschiffe stark beeinflussten.

Die ersten eingesetzten Torpedos hielten, einmal abgeschossen, einen geraden Kurs bei, bis sie ihr Ziel trafen oder ihr Treibstoff aufgebraucht war.

Antriebsarten


Gasantriebe

Frühe selbstlaufende Torpedos wurden von Druckluft angetrieben, die auf eine Kolbenkraftmaschine wirkte. Die ersten Torpedos hatten einen einzelnen Propeller, was einen starken Gegendrehimpuls induzierte, welcher mit großen Leitflächen aufgefangen werden musste. Dieses Problem wurde aber bald durch Antriebe mit zwei gegenläufigen koaxialen Propellern gelöst.
Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde aus den reinen Drucklufttorpedos der Dampfgastorpedo entwickelt, der neben dem Elektroantrieb die verbreitetste Antriebsform für Torpedos ist. Der Dampfgasantrieb nutzt ebenfalls Druckluft als Antriebsmittel, dessen Energiegehalt jedoch durch Erhitzen der Luft vor Eintritt in den Antrieb erheblich erhöht wird. Als Energieträger dient hierbei ein mitgeführter Brennstoff wie Petroleum oder Paraffin. Im Grunde funktioniert der Antrieb dann ähnlich wie ein Dieselmotor. Der Wirkungsgrad wurde weiter erhöht, indem Wasser zur Kühlung in den Motor gleitet wurde, welches zusätzlich Dampf für den Antrieb lieferte. In späteren Torpedos kamen Turbinen anstatt Kolbenmotoren zum Einsatz.
Die Luft und die Abgase werden im Allgemeinen durch die Schraubenwelle ausgestoßen und erzeugen dabei weiteren Vortrieb, aber auch eine von der Wasseroberfläche aus deutlich sichtbare Blasenspur. Diese Systeme sind relativ leicht, einfach und zuverlässig. Die Blasenspur kann jedoch die Laufbahn des Torpedos und die Abschussstelle enttarnen, und wegen des Umgebungsdrucks des Wassers sind solche Torpedos kaum zur U-Boot- Jagd geeignet.

Elektroantrieb

In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die ersten Torpedos mit Elektroantrieb entwickelt, die das Problem der verräterischen Blasenbahn beheben sollten. Sie sind auch akustisch schwerer zu orten und in großen Tiefen einsetzbar. Die ersten Elektrotorpedos waren wegen fehlender Hochleistungsakkumulatoren in Spitzengeschwindigkeit und Reichweite noch erheblich eingeschränkt. Die Antriebsenergie lieferten zunächst z. B. Blei-Akkumulatoren, deren relativ geringer Energiegehalt, hohes Gewicht und hoher Wartungsaufwand aber nachteilig sind. Der deutsche G7e Torpedo musste z. B. während einer Einsatzfahrt immer wieder aus den Rohren gezogen werden um die Akkus nachzuladen, und vor dem Abschuss musste er elektrisch auf 30° C vorgeheizt werden, damit er seine volle Leistung erreichte. Mit dem Fortschreiten der Akkumulatortechnik kamen immer leistungsfähigere Akkuvarianten in Gebrauch und die Leistungsunterschiede der Antriebssysteme verschwanden. Heute sind Zink-Silber-Batterien die häufigste Akkumulatorenart für Torpedos. Damit erreichen moderne Torpedos mit Elektroantrieb (wie auch Dampfgasantrieb) Geschwindigkeiten bis etwa 55 Knoten.

Reaktionsantrieb

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges begannen Forschungen zum reaktiven Antrieb von Torpedos, der heute bei einigen Torpedomodellen zum Einsatz kommt. Es werden sowohl Feststoff- als auch Flüssigkeitstriebwerke verwendet. Reaktiv angetriebene Torpedos sind verglichen mit den anderen Antriebsarten sehr schnell, haben aber meist eine geringere Reichweite. Moderne Superkavitationstorpedos (siehe unten) lassen sich nur mit reaktivem Antrieb technisch umsetzen, da Schraubenantriebe nicht die nötige Antriebsleistung erzeugen könnten und in der Dampfblase, die den Torpedo umgibt, auch wirkungslos wären. Bei den reaktiven Antrieben werden übliche Raketentreibstoffe verwendet, es gibt jedoch Forschungen, die den Einsatz metallischer Treibstoffe bei Superkavitationstorpedos zum Ziel haben. Denkbar wäre z. B. eine Kombination von Aluminiumpulver und Wasser oder Wasserdampf. Metallische Treibstoffe haben einen höheren Energiegehalt und erzeugen einen höheren spezifischen Impuls als auf Kohlenwasserstoffen oder Wasserstoff basierende Treibstoffe. Problematisch sind jedoch die hohen Verbrennungstemperaturen und die hohe Erosionsbelastung der Antriebsdüse durch die Verbrennungsprodukte.

Funktionsprinzip


torpedos_axb01.jpg Das Funktionsprinzip des Torpedos ist bis heute weitgehend gleich geblieben, wenngleich moderne Torpedos einige Komponenten mehr besitzen als frühe Bauformen. So weisen Torpedos auch heute noch eine Zigarrenform auf und schwimmen beim Angriff auf Oberflächenschiffe knapp unter der Wasseroberfläche. Alternativ versucht man Torpedos unter der Kiellinie des Zieles zu zünden. Das Schiff wird zunächst durch die Druckwelle getroffen und durch die unter dem Schiff expandierende Gasblase verliert das Schiff an dieser Stelle den Auftrieb und bricht auseinander.

Der Angriff auf ein getauchtes gegnerisches U-Boot dagegen erfolgt in der Regel in großer Tiefe. Moderne Torpedos erreichen Wassertiefen von etwa 750 Metern. Um ein feindliches U-Boot, welches wesentlich agiler ist als Oberflächenschiffe und sich außerdem in allen drei Dimensionen bewegen kann, zu orten, besitzen heutige Torpedos aktive und passive Sonardetektoren an ihrer Spitze. Die hier empfangenen Signale werden in die Mitte des Torpedos weitergeleitet und ausgewertet. Aufgrund des Analyseergebnisses erteilt ein Computer den Steuerflossen am Ende des Torpedos Befehle zur Richtungsänderung.

Die ersten selbststeuernden Torpedos kamen im Zweiten Weltkrieg auf. Der deutsche „Flächenabsuchtorpedo“ (kurz FAT) war ein Torpedo, welcher fest vorgegebene Zick-Zack-Linien fuhr, um seine Trefferchancen bei Konvoiformationen zu erhöhen. Dazu kam der akustisch sein Ziel suchende „Zaunkönig“, das Gegenstück zu „Wandering Anne“ der Alliierten.

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Lenkbarkeit


Vor die Problematik, einen Torpedo zu steuern, stellte sich erst einmal das banale Problem, den Torpedo überhaupt auf einem geraden Kurs und in konstanter Wassertiefe zu halten. Dies wurde in den ersten Varianten durch starre Leitflossen mit mäßigem Erfolg umgesetzt. Spätestens im Zweiten Weltkrieg wurden die Torpedos mit Tiefenmessern und Kreiseln ausgestattet, die in Verbindung mit einer an steuerbaren Flossen gekoppelten Automatik Abweichungen von der eingestellten Wassertiefe und Schußrichtung aktiv ausgleichen konnten. Diese Steuerflossen lassen sich heute auch aus dem abschießenden Fahrzeug beeinflussen. Zu diesem Zweck zieht der Torpedo einen dünnen Steuerdraht oder Lichtleiter hinter sich her. Weiterhin lassen sich so Befehle wie Notabschaltung und vorzeitige Detonation an den Torpedo übermitteln - ein bedeutender Vorteil, sollte der eigene Torpedo unerwartet drehen und das eigene Boot als Ziel auffassen.

Abgesehen von der Wasserbombe ist der Torpedo die einzige Waffe zur aktiven Bekämpfung von getauchten U-Booten. Er zählt daher zu den wichtigsten Waffen im Seekrieg überhaupt. Während sich Schiffsgeschütze über die Jahre kaum verändert haben, machte die Torpedotechnik vom Ersten Weltkrieg bis heute bemerkenswerte Fortschritte. Neben Torpedos mit konventionellem Sprengkopf werden seit dem Kalten Krieg auch Torpedos mit Atomsprengkopf gebaut. Diese wurden jedoch nie getestet. Die neueste Entwicklung stellen Torpedos mit so genannter Superkavitationsblase und Raketenantrieb durch eine Feststoffrakete dar, die mindestens 200 Knoten schnell sind. Die Marine der Sowjetunion spielte hier eine Vorreiterrolle und stellte 1977 den ersten einsatzfähigen Superkavitationstorpedo (Schkwal) in Dienst. Diese Torpedos sollen eine abgeplattete Nase haben. Dahinter soll sich eine Kante befinden, hinter der sich die Kavitationsblase bildet. Mit Hilfe der Umleitung von Abgasen soll die Kavitationsblase zusätzlich erweitert werden. Die ersten Schkwal-Torpedos waren ungelenkt und für nukleare Sprengköpfe vorgesehen. Spätere Schkwal-Torpedos und das Exportmodell Schkwal E sind nicht zielsuchend, die Zieldaten müssen vor dem Abschuss in den Autopilot des Torpedos einprogrammiert werden. Sie besitzen konventionelle Sprengköpfe mit 210 kg TNT. Es wird von moderneren Schkwal-Torpedos berichtet, die sich zielsuchend bewegen.

Durch ein Unglück mit einem defekten Torpedo versenkte sich das russische Atom U-Boot Kursk am 12. August 2000 vermutlich selbst.

Historische Probleme


Sowohl Amerikaner wie Deutsche hatten zu Beginn des zweiten Weltkrieges Probleme mit den Zündern besonders den neu entwickelten Magnetzündern und der Tiefensteuerung ihrer Torpedos. Diese Phase ging in die Geschichte ein als Torpedoskandal (USA) bzw. Torpedokrise (Deutschland). Den jeweiligen Problemen lagen Fehler in der Entwicklung, Fertigung und Handhabung zu Grunde. Allerdings war die exakte Steuerung von Magnetzündern mit der damaligen Technik auch extrem schwierig zu realisierten. Dies führte zu einer Vielzahl von Misserfolgen besonders der U-Bootwaffe der beiden Marinen und zu einem zeitweiligen Verzicht auf die neuentwickelte Technik.

Literatur


  • Manfrad Schiffner, Karl-Heinz Dohmen & Ronald Friedrich: Torpedobewaffnung, Militärverlag der DDR, ISBN 3327003319

Siehe auch


Weblinks


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