Torfabbau-im-wurzacher-ried.jpg]] Als Torfstich oder Torfstechen wird der obertägige Abbau von Torf bezeichnet. Dieses organische Material, das in Mooren durch beginnende Inkohlung entsteht, dient einerseits als niederenergetischer Brennstoff (wenn z.B. in flachen Regionen das Brennholz fehlt), andererseits zur Verbesserung (Durchlüftung) des Bodens, zur Herstellung faseriger Textilien und für medizinische Heilzwecke.
Torfstich ist auch der Name eines Ortes bei Aue in Sachsen (zwischen Zwickau und dem Erzgebirge) mit den geograf.Koordinaten 50,56° / 12.59° und der Seehöhe 531 m. Torfabbau-.jpg
Der Torf ist ein langsames Zersetzungsprodukt pflanzlicher Substanzen, das unter Luftabschluss bei sauren Böden (niedriger pH-Wert) entsteht. Die Torfbildung geht äußerst langsam vor sich (nur ca. 1 mm pro Jahr), sodass ein Torfabbau von beispielsweise 2 Meter ein Werk der Natur von 1.000 bis 5.000 Jahren zerstört.
Teilweise mechanisieren ließ sich der Torfstich nach Entwässerung des Moores durch ein verzweigtes Grabensystem. Zunächst wurde die störende, stark durchwurzelte Deckschicht abgehoben (als "Bunkerde" diente sie später zur Verfüllung älterer Torfstiche). Nun konnte der anstehende Torf gestochen bzw. bei zu flüssiger Form in Holzrahmen "gemodelt" werden. Die Abtorfung vorher geräumter, durch Zwischendämme abgetrennter Flächen erfolgte immer Richtung Erschließungsweg, in dessen Nähe sich Lagerplatz und Torfdarre (Trockenplatz) befanden. Torfried-schussenried.jpg
Bekannt ist jener im Kulzer Moos, wo die mechanisierte Torfgewinnung mindestens 200 Jahre zurückreicht und 100-200 Menschen beschäftigte. Bereits 1868 wurde die 3-4 m mächtige Torfdecke auf einer Fläche von 66 ha abgebaut, zumeist in den Monaten Mai bis Juli. Im August erfolgte der Abtransport mit Ochsenkarren auf dem heutigen Lehrpfad.
Um 1900 nahm eine (heute verfallene) Ziegelei am Nordrand des Kulzer Mooses ihren Betrieb auf. Bei der Ziegelherstellung wurde auch Brenntorf aus dem Moor gefeuert. Nach 1945 wurde sie wegen Unrentabilität aufgegeben, und 1960/65 auch die Torfnutzung in diesem Gebiet.
Heute gibt es spezielle Bagger zum Abheben der Deckschicht, ... Informationssysteme zur ökonomischen Steuerung des Abbaues und Transportes, und automatische Mischanlagen für die - je nach Verwendungszweck - unterschiedlichen Zuschlagstoffe.
An der Nordseeküste wird die Nutzung von Torf als Brennstoff z.B. schon von Plinius beschrieben. Die Wärmeausbeute ist etwas geringer als jene von Braunkohle, doch entwickelt ein Torffeuer starken Geruch. Seine Asche glüht lange nach, sodass die Brandgefahr erheblich ist.
In wirklich großem Umfang setzte die Torfnutzung aber erst mit der Holzverknappung ab etwa 1750 ein, bis sie um 1900 allmählich durch die Kohlefeuerung abgelöst wurde.
In den Gebirgsländern Europas hatte der Torfstich etwas weniger Bedeutung als in den Niederungen, da hier genügend Brennmaterial existiert und Torf eher als Nebenprodukt der Urbarmachung (Trockenlegung feuchter Wiesen) gestochen wurde. Nur vereinzelt diente er für direkte Maßnahmen der Melioration (Bodenverbesserung), und als minderwertiger Brennstoff lediglich in Notzeiten vom Spätmittelalter bis etwa 1950 (allerdings auch der Splinttorf aus Hochmooren). Ferner wurde Torf in der Landwirtschaft und von Bergbauern früher auch als Streu in den Ställen verwendet.
Teilweise wurde der gestochene Torf auch zu Torfkohle weiterverarbeitet, was ähnlich wie bei der Holzkohle geschah. In Kohlenmeilern umgewandelter Torf hatte Brennwerte bis über 20 MJ/kg, sodass man die Torfkohle nach Verknappung der Holzkohle auch in der Metallindustrie zur Erzverhüttung einsetzte. Erst als die nach 1800 zur Industrialisierung abgeholzten Wälder (großteils mit Fichten) wieder aufgeforstet waren, ging der Bedarf nach Torfkohle zurück.
Heute werden in Deutschland (?) nur etwa 11 Mio. m³ Torf abgebaut, doch fast ausschließlich maschinell mit modernen Stechapparaten oder Fräsen.
Seit Moore als schützenswerte Biotope angesehen werden, findet in Mitteleuropa kein nennenswerter Torfabbau mehr statt. In Skandinavien und Teilen Westeuropas (z.B. Irland) hat Torf hingegen noch immer lokale Bedeutung als Heizmaterial.
Weitere (mengenmäßig geringere) Verwendungszwecke sind:
Der Abbau von Torf setzt im Regelfall eine Entwässerung des Bodens voraus, weshalb er auch in jenen Flächen, die dem Torfstich benachbart sind, das Moor langfristig zerstört. Wegen seiner Langsamwüchsigkeit kann es sich auch bei allfälligen Renaturierungen (wie in Finnland oder Kanada) nur mehr schwer erholen. Daher unterliegt die Zulassung neuer Flächen sehr strengen Auflagen.
Weltweit gibt es etwa 270 Mill. Hektar Torfboden, wovon die Hälfte auf Nordamerika und ein Drittel auf Europa entfällt. In Afrika und Südamerika sind es nur jeweils 2%, was vor allem mit dem Klima zusammenhängt.
Zur heutigen Nutzung von Torf in verschiedenen Staaten und zu den vorhandenen Flächen siehe den geografischen Abschnitt im Artikel Torf#In den Ländern.
Das wachsende Umweltbewusstseins der Bevölkerung veranlasst daher in vielen Ländern die früher großräumigere Torfindustrie, die ehemaligen Abbaugebiete zusätzlich durch Bewässerung ("Wiedervernässung") zu regenerieren oder einer agrarischen Nutzung zuzuführen.
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