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Torfmoose
Sphagnum.jpg
: Moose (Bryophyta)
: Laubmoose (Bryopsida)
: Torfmoose (Sphagnidae)
: Sphagnales
: Sphagnaceae
: Sphagnum
Wissenschaftlicher Name Sphagnum

Die Torfmoose (Sphagnidae) sind eine der drei Unterklassen der Laubmoose aus der Abteilung der Moose. Weltweit existieren 150 bis 200 Arten der Gattung Sphagnum, von denen die meisten in nährstoffarmen, sauren Habitaten leben. In Deutschland kommen etwa 35 verschiedene Arten vor. Durch die Zerstörung der Lebensräume der Torfmoose, überwiegend Moore und Feuchtheiden, sind die Moose stark gefährdet und zum Teil in drastischem Rückgang begriffen.

Aufbau


Sphagnum sp.jpg Die Torfmoose unterscheiden sich von den anderen Laubmoosen in mehrerer Hinsicht. Ihr Vorkeim besteht nicht aus einem Zellfäden-Geflecht, sondern ist thallös. Die Sporophyten werden auf einem Auswuchs des Gametophyten, dem Pseudopodium emporgehoben. Ein Peristom fehlt. Die kugeligen Kapseln springen bei Reife mit einem hörbaren Knall auf, wodurch die Sporen bis zu zehn Zentimeter weit weggeschleudert werden.

Aus den haploiden Meiosporen entsteht zunächst ein fadenförmiges Protonema (Vorkeim). Dazu benötigen Torfmoose einen Mykorrhiza-Pilz, der die dafür nötigen Nährstoffe (vor allem Stickstoff) zur Verfügung stellt. Das Protonema wächst dann zu einem flächigen Thallus aus und bildet an der Unterseite fädige Würzelchen (Rhizoide). Auf diesem Gewebethallus wächst dann erst das typische geschlechtszellenbildende Moospflänzchen (Gametophyt).

Der Gametophyt besteht aus einem Stämmchen und trägt eine palmenartige Krone (oder auch Rosette), darunter sind in mehreren Wirteln die nach unten gebogenen Seitenäste angeordnet. Die Stämmchenrinde besteht aus toten perforierten Zellen, die Wasser durch Kapillareffekte aufsaugen. Die Blättchen bestehen aus einem Netz von chloroplastenhaltigen länglichen Zellen, zwischen denen ebenfalls mit Löchern versehene Wasserspeicherzellen sitzen. Durch diesen Aufbau können Torfmoose enorme Wassermengen aufnehmen. Sphagnum-Moose können auch an der Basis absterben, sodass aus einer einst verzweigten Pflanze mehrere Einzelpflanzen werden. Cahura Sphagnum.PNG

Die Antheridien (männliche Geschlechtszellbehälter) sitzen in den Blattachseln besonders gefärbter und gestalteter Zweige der Rosette und sind lang gestielt. Die weiblichen Archegonien indes sitzen an der Spitze der Seitenzweige.

Der sich nach der Befruchtung entwickelnde Sporophyt besteht nur aus einem verdickten Fuß, einem kurzem Stiel und der Kapsel. Er ist wie bei den anderen Moosen auch vom Gametophyten ernährungstechnisch abhängig. Angehoben wird der Sporophyt von einem Scheinfuß (Pseudopodium), der vom Gametophyten gebildet wird. Das Sporenmuttergewebe (Archespor) wird nicht wie bei anderen Laubmoosen aus der äußeren Schicht der inneren Sporenkapselzellen (Endothecium) gebildet, sondern von den inneren Zellen der Außenschicht (Amphithecium).

Ökologie


Torfmoose sind wechselfeuchte Pflanzen, die von entscheidender Bedeutung für die Entstehung von Zwischen- und Hochmooren. Sie sind hervorragend an die extremen Bedingungen dieser Standorte angepasst. Das Torfmoos besitzt folgende Konkurrenzvorteile:
  • Torfmoose können selbst in geringsten Konzentrationen vorkommende Nährstoffe aufnehmen. Im Gegenzug geben sie Wasserstoffionen an die Umgebung ab, womit sie sich selbst ein saures Milieu schaffen, das Konkurrenten im Wuchs behindert.
  • Torfmoose können praktisch unbegrenzt wachsen. Während sich die Pflanze nach oben hin entwickelt, stirbt die Basis wegen Luftabschluss ab; aus dem sich unvollständig zersetzenden Gewebe entsteht Torf.
Torfmoose reduzieren ihre Stoffwechsel-Vorgänge in Trockenzeiten auf ein Minimum. Kommt es dann zu Niederschlägen, sind diese Pflanzen in der Lage in ihren großen Speicherzellen (Hyalinzellen) mehr als das 30fache ihrer Trockenmasse an Wasser zu speichern. Die Zellen der Pflanze verhalten sich wie Quellkörper. Torfmoos Schwingdecke.jpg

Verwendung


Torfmoos im Blockhaus.jpg Torfmoos wird in Gärtnereibetrieben und in Blumenerde zur Verbesserung der Wasserspeicherung des Bodens benutzt, es dient des weiteren als Verpackungsmaterial und als Brennstoff. Es wurde früher wegen der antibakteriellen Eigenschaften auch für Verbände benutzt, ebenso als Füllmaterial von Kopfkissen. Heutzutage findet Torfmoos auch als Saugeinlage in "Ökowindeln" Verwendung. Letzteres ist zum Beispiel in Chile ein Grund für die Zerstörung großer Hochmoorareale. Noch im Versuchsstadium befindet sich der gezielte Anbau von Torfmoos (peat-farming) als Ersatz für Torf in Gartenerde. Dieses Verfahren soll bei Marktreife den Torfabbau in Mooren verringern. Torfmoose waren, und sind es auch teilweise noch, ein wichtiger Baustoff im Blockhausbau. Feuchtes Torfmoos wird in ausreichend dichter Lage als Dämmmaterial zwischen die einzelnen Stämme gelegt und bleibt auch nach dem Trocknen in der einmal eingenommenen Form. Zudem wirkt es antibiotisch, ist wasserdurchlässig und -speichernd - beides wirkt sich positiv auf die Haltbarkeit der Holzkonstruktion aus.

Weblinks


Moose

Tørvemos-ordenen | Sphagnum | Sfagnoj | Rahkasammalet | Sphaigne | Barnamosi | ミズゴケ類 | Kiminas | Torfowcowe | Sphagnum | Vitmossor

 

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