Die Topographia Germaniae ist eines der Hauptwerke des Kupferstechers und Verlegers Matthäus Merian. Er schuf die Topographia gemeinsam mit Martin Zeiller (1589 - 1661) aus Ulm, der für die Texte verantwortlich war.
Das Werk zeigt sehr detailliert mehr als 2.000 Ansichten von bemerkenswerten Städten, Klöstern und Burgen; es gilt bis heute als eines der bedeutendsten Werke der geografischen Illustration.
Seine Topographia Germaniae erschien von 1642 bis 1654 zunächst in 16 Bänden, denen bis 1688 noch weitere folgten mit Beschreibungen anderer europäischer Gebiete wie Frankreich, Italien und Kreta. Das Gesamtwerk enthielt schließlich in 30 Bänden insgesamt 92 Karten und 1486 Kupferstiche mit 2142 Einzelansichten; es war damit eines der größten Verlagswerke der Zeit.
In Fortsetzung der lateinischen Titel folgte in jedem Band eine freie Übersetzung des Titels, die beispielsweise für die 2. Ausgabe des 3. Bandes lautete: "Das ist Vollkömliche Beschreibung und eygentliche Abbildung der vornehmbsten Städt und Oerther, im Obern und Untern Elsaß, auch den benachbarten Sundgöw, Brisgöw, Graffschaft Mümpelgart, und andern Gegenden".
Von Matthäus Merian ist bekannt, dass er die 16 Bände zwar in chronologischer Folge geordnet, aber nicht nummeriert hat. Erst seine Erben nahmen in dem Hauptregister von 1672 eine Zählung vor, die aber willkürlich und nicht nach der zeitlichen Erscheinungsweise festgesetzt war. Die obige Nummerierung berücksichtigt die Ergebnisse der neueren Forschungen (Lit.), die auch den Faksimile-Ausgaben des Bärenreiter-Verlags zu Grunde liegen.
Jeweils die erste Ausgabe eines Bandes der Topographia erhielt einige Jahre nach der Publikation einen als "Anhang" bezeichneten Ergänzungsband, der anschließend in die erneuerte zweite Ausgabe eingearbeitet werden musste. Alle Bände erlebten mindestens zwei überarbeitete und ergänzte Ausgaben, mit Ausnahme der Bände 8 und 12 alle Bände sogar noch mehr Ausgaben.
Es ist Matthäus Merian damals gelungen, für die erläuternden Texte den bekannten Reiseschriftsteller und Geographen Martin Zeiller aus Ulm (1589-1661) zu verpflichten. Dieser ist auch der Verfasser des als "erster deutscher Baedeker" bezeichneten Reisetagebuchs Itinerarium Germaniae novantiquae (1632) und des Itinerarium Italiae novantiquae (1640) mit Kupferstichen von Matthäus Merian. Bei den Texten für die Topographia stützte sich Zeiller auf seine eigenen Werke sowie auf die Sponheimer Chronik des Johannes Trithemius (1462-1516), die Cosmographia von Sebastian Münster (1489-1552) und auf lokale Quellen.
Die Stadtansichten in der Topographia dokumentieren häufig den Zustand der Städte vor den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges; sie sind damit auch heute noch von hohem kulturgeschichtlichem und kunsthistorischem Wert. Merian selbst hat dazu erklärt, seine Bilder repräsentierten oft den idealen Bauzustand eines goldenen Zeitalters, der aber in Wirklichkeit nicht mehr bestanden habe; sie seien deshalb auch als Modelle für den Wiederaufbau geeignet.
Nach dem Tod von Matthäus Merian am 19. Juni 1650 führte sein Sohn Caspar Merian den Verlag unter dem Namen "Matthäus Merians Seel. Erben" fort. 1687 ging das Verlagshaus auf die dritte Generation über, und zwar auf Johann Matthäus Merian (1659-1716), einen Sohn von Matthäus Merian dem Jüngeren, der später in den Adelsstand erhoben und vom Mainzer Kurfürsten zum Geheimen Rat ernannt wurde. Nach dem Tod von Johann Matthäus von Merian (1716) führte seine Nichte Carlotta Maria von Merian das Unternehmen bis zu seiner Auflösung im Jahr 1727.
Außer den zahlreichen Ausgaben der Topographia durch das Verlagshaus Merian gab es u. a. die holländischen Raubdrucke des sog. Schweizerbandes von 1644 sowie verlagsfremde Spätdrucke unter Verwendung der Originalplatten; schließlich existieren auch noch die frühen, nicht illustrierten Ulmer Drucke mit den Texten von Martin Zeiller.
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