Die Tongaische Sprache gehört zu den polynesischen Sprachen, die ein Zweig der austronesischen Sprachen sind. Es wird von den Tongaern gesprochen.
Unter den polynesischen Sprachen verdient das Tongaische eine besondere Beachtung. Tonga liegt im melanesisch - polynesischen Grenzgebiet. Dieses führt dazu, dass das Tongaische sich in einigen Punkten lautlicher und syntaktischer Art von den anderen polynesischen Sprachen unterscheidet und sich der Sprache der Fidschi nähert. Diese Annäherung an Fidji geht über die weitgehende Übereinstimmung zwischen dieser Sprache und dem Polynesischen hinaus und erklärt sich aus späteren Einwirkungen des Tongaischen auf Fidji. Eine derartige Beeinflussung liegt sicher vor, genügt aber noch nicht zur Erklärung älterer Sprachformen, die sich übereinstimmend in beiden Sprachen befinden.
Das Tongaische ist auch noch aus einem anderen Grunde heraus für die Entwicklungsgeschichte Polynesiens von belang. Die Tonganer betrieben eine rege Kolonialpolitik, in deren Zuge die umliegenden Inseln besiedelt wurden. Daraus erklärt sich auch die große Übereinstimmung der Sprachen von Tonga und Uvea (wallis). Von Uvea wiederum wurde die Insel gleichen Namens in Melanesien bevölkert. Ob noch andere polynesische Sprachen in Melanesien Tonganischen Ursprungs sind, ist noch nicht entschieden. Sollte sich dieses herausstellen, so würden sich wichtige Anhaltspunkte für die Entwicklungsgeschichte des Tonganischen ergeben. Das Tonganische gehört zu der ältesten feststellbaren Entwicklungsschicht des Polynesischen. Eine besondere Eigentümlichkeit den Tonanischen ist die Voranstellung eines h in mehreren Wörtern, denen in den übrigen polynesischen Sprachen die Entsprechung s bzw. h fehlt, was auf eine frühere Nasalverbindung zurückzuführen ist.
Niueanisch hat wie das Tongaische den bestimmten Artikel he. Dagegen fehlt dem Uvea, das im Wortschatz fast ganz mit dem Tonganischen übereinstimmt, sowohl das erwähnte h als auch die Entsprechung für ein ursprüngliches indonesisches h. Als Artikel besitzt Uvea te. In all diesen Punkten stimmt die Sprache von Niue mit Uvea überein.
Nach der Entdeckung im Jahre 1616 durch den Holländer Jakob Le Maire konnte Tonga durch geschicktes Taktieren seine Unabhängigkeit bis zum heutigen Tage bewahren, lediglich 1900 bis 1970 befand es sich unter britischem Protektorat. Heute wird Tonga von einer konstitutionellen Monarchie nach britischem Vorbild regiert.
In all dieser Zeit konnte die tonganische Kultur ihre Identität behalten, in die moderne Sprache jedoch fanden sich fremde Einflüsse, wie die des Englischen wieder.
Dieses zeigt sich am Beispiel eines mythologischen Textes, der in der jüngeren Zeit geschrieben wurde:
Im Vergleich zu früheren Texten änderten sich nicht nur einzelne Worte, vielmehr glich sich das Tonganische in vielen Bereichen, wie etwa der Orthographie der englischen Sprache an. Im Zuge dieses Einflusses veränderte sich die Sprache, wie nachfolgende Beispiele zeigen:
'das Kind von wem ist dieses Mädchen?'
'es ist das Kind des matapule Fotu'
'laßt uns gehen ? wandern nach Liku'
'um zu sehenden Untergang der Sonne'
'laßt uns lauschen dem Zwitschern der Vögel'
'und dem Klagen der Tauben'
Die Vernachlässigung der Attributpartikel findet man auch in jüngeren Texten, allerdings nicht so häufig. Im Niue, das mit dem Tongaischen den gleichen Artikel he ha, fällt der Attributpartikel regelmäßig aus. Dieses lässt vermuten, dass diese Partikel in der heutigen Umgangssprache vernachlässigt werden.
Malayo-Polynesische Sprache | Tonga
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