| Strukturformel und Kalottenmodell
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| Toluol.png
| Kalottenmodell Toluol.png
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| Allgemeines
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| Name | Toluol
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| Andere Namen | Retinnaphtha, Methylbenzol, Methylbenzen, Anisen, Toluen, Phenylmethan
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| Summenformel | C7H8
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| CAS-Nummer | 108-88-3
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| Kurzbeschreibung | farblose Flüssigkeit mit charakteristischem Geruch
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| Eigenschaften
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| Molmasse | 92,14 g/mol
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| Aggregatzustand | flüssig
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| Dichte | 0,8714 g/cm³
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| Schmelzpunkt | -95 °C
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| Siedepunkt | 110,6 °C
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| Dampfdruck | 29 hPa (20 °C)
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| Löslichkeit | sehr schwer löslich in Wasser: 470 mg/l, bei 20 °C
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| Sicherheitshinweise
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| R- und S-Sätze | R: 11-38-48/20-63-65-67 S: (2)-36/37-62-46
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| MAK | 50 ml/m³, 190 mg/m³
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| BAT | 1,0 mg/l im Blut bei Expositionsende/nach Schichtende
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| Wassergefährdungsklasse | WGK 2 - wassergefährdend
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Toluol, auch
Toluen,
Methylbenzol,
Phenylmethan, nach
IUPAC-Nomenklatur
Methylbenzen genannt, ist eine farblose, charakteristisch riechende, flüchtige
Flüssigkeit, die in vielen ihrer Eigenschaften dem Benzol ähnelt. Toluol ist ein
aromatischer Kohlenwasserstoff, häufig ersetzt es als
Lösungsmittel das giftige
Benzol. Es ist unter anderem auch im
Benzin enthalten.
Geschichte
1844 wurde Toluol zum ersten Mal von
Henri Etienne Sainte-Claire Deville durch trockene Destillation aus
Tolubalsam gewonnen; hierauf beruht auch sein Name. Aus Toluol wurde 1861 vom deutschen Chemiker
Joseph Wilbrand zum ersten Mal - zwar nur unreines -
TNT hergestellt, 1880 konnte es dann auch in reiner Form aus Toluol hergestellt werden. Die Großproduktion wurde in Deutschland schließlich im Jahre 1891 über die
Nitrierung von Toluol aufgenommen, dieses Verfahren wird noch heute verwendet.
Vorkommen und Emissionen
Toluol kommt im
Erdöl und in dem Leichtöl, das bei der
Steinkohleteerdestillation anfällt, in kleineren Mengen vor. Toluol wird unter anderem durch Kfz-Verkehr freigesetzt, weil es im Benzin enthalten ist, und entsteht in kleinen Mengen bei der unvollständigen Verbrennung von organischen Stoffen, wie zum Beispiel beim Rauchen. In den letzten Jahren ist ein Rückgang der Toluolemissionen zu verzeichnen, das Jahresmittel beträgt zum Beispiel in Rheinland-Pfalz 30 µg/m³, je nach Ort kann es jedoch zu größeren Schwankungen dieses Wertes kommen. Hauptemissionsfaktor ist mit ca. 65 Prozent der Kfz-Verkehr, 33 Prozent sind auf den Gebrauch von Toluolprodukten und 2 Prozent auf die Toluolherstellung zurückzuführen. Freigesetztes Toluol wird in der Erdatmosphäre, wie beim Benzol, nach mehreren Tagen durch Reaktionen mit
Hydroxylradikalen (OH-Radikale) abgebaut.
Gewinnung und Darstellung
In der Industrie wird es hauptsächlich aus
Erdöl gewonnen. Während des
Zweiten Weltkrieges kam es in Deutschland wegen des fehlenden Erdöls zu Engpässen bei der Toluolherstellung, weswegen es auch aus Benzol und Methanol hergestellt wurde. Außerdem fällt es bei der Herstellung von
Ethen und
Propen an. Die Weltproduktion liegt jährlich zwischen 5
Mio. und 10 Mio. Tonnen. Eine direkte Herstellung aus Erdöl oder durch Trockendestillation von Steinkohle wäre allerdings nicht wirtschaftlich. Deshalb wird es bei der Verarbeitung von Erdöl durch
Cracken oder Dehydrocyclisierung von
n-Heptan gewonnen:
Das Heptan wird zu Methylcyclohexan reformiert und danach zu Toluol dehydriert:
Toluensynthese.PNG
Photochemisch ist es durch Isomerisierung von Cycloheptatrien zugänglich.
Eigenschaften
Toluol ist der einfachste Vertreter der
Alkylbenzole. An der Luft verbrennt es nur unvollständig mit gelber, stark rußender Flamme. Die Flüssigkeit riecht charakteristisch, stechend angenehm (ähnlich wie
Benzol) und hat eine
Geruchsschwelle von 0,6 - 263 mg/m³. Toluol
schmilzt bei -95 °C,
siedet bei 111 °C und ist bei Normalbedingungen eine farblose, klare, wasserhelle Flüssigkeit, die stark lichtbrechend ist (
Brechungsindex: 1,4961). In
Wasser ist es fast unlöslich (0,47 g/l); mit
Kohlenstoffdisulfid,
Alkohol und
Ether ist es in jedem Verhältnis mischbar. Auch in
Chloroform,
Aceton und den meisten weiteren organischen Lösungsmitteln ist Toluol gut löslich. Die dynamische
Viskosität beträgt 0,6 mPa s, Toluol ist also dünnflüssiger als Wasser. Der
Heizwert beträgt 40.940 kJ/kg, sein
Flammpunkt liegt bei 6 °C und die
Zündtemperatur bei 535 °C.
Chemische Eigenschaften
Toluol ist bei Normalbedingungen stabil und relativ reaktionsträge, mit Oxidationsmitteln und Säuren reagiert es jedoch heftig. Es geht ähnliche Reaktionen ein wie
Phenol und Benzol; die Reaktivität von Toluol liegt zwischen diesen beiden Verbindungen. Toluol greift Kunststoffe an und wird deswegen in Glasbehältern aufbewahrt.
Durch
Oxidation (zum Beispiel mit saurer
Kaliumpermanganat-Lösung) kann Toluol über
Benzylalkohol und
Benzaldehyd zu
Benzoesäure umgewandelt werden. Toluol geht vor allem
radikalische Substitutionsreaktionen,
elektrophile Substitutionsreaktionen und
radikalische Additionsreaktionen ein.
Nukleophile Substitutionsreaktionen sind seltener.
Insbesondere in der Hitze oder unter Bestrahlung mit Licht kann Toluol mit geeigneten Reaktionspartnern (beispielsweise Brom) radikalische Substitutionsreaktionen an der Methylgruppe eingehen (siehe SSS-Regel):
Toluol_(radikalische_Substitution_Br2).png
Da Toluol relativ reaktionsträge ist, laufen elektrophile Substitutionsreaktionen an ihm nur relativ langsam ab. In Gegenwart eines geeigneten Katalysators kann die Reaktionsgeschwindigkeit erheblich gesteigert werden (siehe KKK-Regel). Es entstehen bevorzugt para- und orthosubstituierte Produkte:
Toluol_(elekrophile_Substitution_HBr).png (FeBr3)]]
Toluol reagiert mit Salpetersäure zu Nitrotoluol und Wasser. Das eigentliche nitrierende Agens (NO2+) wird in Gegenwart von Schwefelsäure aus Salpetersäure gebildet:
Toluol_(elekrophile_Substitution_HNO3).png von Toluol]]
Eine weitere, wichtige Reaktion ist die Oxidation von Toluol zu Benzoesäure.
Sicherheitshinweise
Toluol wirkt gesundheitsschädlich (Xn) und ist leichtentzündlich (F). Toluol selbst wirkt nicht
erbgutverändernd, ist jedoch häufig mit Benzol verunreinigt. Die geringere Giftigkeit von Toluol gegenüber Benzol lässt sich mit seinem anderen
Metabolismus erklären. Toluol wird im Gegensatz zum Benzol kaum durch Oxidation des Ringes, sondern hauptsächlich durch Oxidation der Seitenkette zur
Benzoesäure metabolisiert. Der Grund dafür ist die hohe Selektivität des Monoxygenasesystems P
450 für die Methylgruppe des Toluols. Aus diesem Grund entsteht kaum karzinogenes
Epoxid wie im Falle des Benzols. Die geringen Mengen an Epoxid können durch Konjugation an
Glutathion, spontane intramolekulare Umlagerung zum
Phenol oder durch enzymatische Hydrolyse zum Diol abgebaut werden.
Toluolmetabolismus.png
In Form von Benzoesäure und Hippursäure wird Toluol, neben kleinen Mengen o-Kresol, über den Harn ausgeschieden.
Toluolmetabolismus2.png
Toluol verursacht Nerven-, Nieren- und möglicherweise auch Leberschäden. Toluol ist fortpflanzungsgefährdend sowie fruchtschädigend. Die Inhalation von Toluoldämpfen kann zu unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit, Unwohlsein, Empfindungsstörungen, Störungen der Bewegungskoordination und Bewusstseinverlust führen. Bei regelmäßigem Kontakt kann es zu einer Toluolsucht kommen, die mit Heiterkeits- und Erregungsräuschen einhergeht. Toluoldämpfe haben eine narkotisierende Wirkung und reizen die Augen und Atmungsorgane schwer, allergische Reaktionen auf Toluol sind möglich. Toluol sollte an gut belüfteten Orten aufbewahrt werden.
Toluol ist selbst in geringen Mengen, obwohl es nicht wasserlöslich ist, wassergefährdend (WGK 2). Es ist biologisch leicht abbaubar. Zwischen einem Luftvolumenanteil von 1,1 bis 7,8 Prozent bildet es explosive Gemische.
Literatur
- Unterausschuss Wirkungsfragen des LAI: Bewertung von Toluol- und Xylol-Immissionen. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1997, ISBN 3503040714
- Jürgen Angerer: Prävention beruflich bedingter Gesundheitsschäden durch Benzol, Toluol, Xylole und Ethylbenzol. 1983, ISBN 3872473115
- A. Seeber, M. Blaszkewicz, P. Demes: Toluol in Tiefdruckereien : Abschlussbericht zu einem Forschungsprojekt. ISBN 3883836230
- H. Greim: Gesundheitsschädliche Arbeitstoffe. Toxikologisch-arbeitsmedizinische Begründung von MAK-Werten: Toluol. VCH, Weinheim 1985
Wiki/Weblinks
Chemische Verbindung | Feuergefährlicher Stoff | Gesundheitsschädlicher Stoff | Aren
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