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Die Tisza-Kultur (deutsch Theiß-Kultur), benannt nach dem Fluß Tisza war in Ostungarn und Teilen von Kleinpolen im späten Neolithikum verbreitet. Die Kultur nahm Elemente der Bükker Kultur, der Alföld-Linearkeramik und Szákálhat-Kultur auf. Sie sollte nicht mit der folgenden äneolithischen Tiszapolgár-Kultur verwechselt werden.

Stufe Tisza benachbarte Kulturen absolutes Datum
I Notenkopf-LBK, Zeliesovce, Sopot, Bükk, Vinca B2
II (klassisch) Herpály I, II, Lengyel I, Vinca C
III Herpály III, Lengyel II, Vinca D1, Sopot-Lengyel
Prototiszapolgar Vinca D2, Sopot III, Lengyel IIIa

Keramik


Typisch sind Gefäße mit senkrechten Wänden und einer Bemalung (schwarz, rot und gelb) mit einem Flechtwerk aus Mäandermustern (Matten- oder Textilmuster). In der frühen Tisza-Kultur wurden Gefäße oft mit Pech bemalt und mit Strohhalmen in geometrischen Mustern beklebt. Im klassischen Tisza kommen bereits unverzierte Gefäße mit glänzend polierter Oberfläche und vielen kleinen Knubben vor, gegen Ende werden Ritzmuster insgesamt selten. Einzelne Häuser konnten 40-50 Gefäße enthalten, es fanden sich darin außerdem oft viereckige, mit Ton ausgekleidete Vorratsgruben für Getreide (Fassungsvermögen 700-1200 l).

Die Tisza-Kultur kennt, wie die benachbarte Vinča-Kultur in Serbien, Idolfiguren und Tonaltäre. Auch bikonische Gefäße mit Kegelhals und hohem durchbrochenem Standfuß dienten wahrscheinlich kultischen Zwecken. Die bekannteste Tonfigur, der sogenannte Sichelgott, stammt aus Szegvár-Tüzköves. Es handelt sich um eine sitzende Figur unbestimmten Geschlechts, die vielleicht eine Maske trägt. Eine ähnliche Figur stammt aus Öcsöd-Kováshalom. Selten sind menschliche Figuren aus Marmor oder Bergkristall.

Knochen


Aus Knochen wurden unter anderem Harpunen gefertigt.

Kupfer


Kupfer war bereits bekannt, diente aber vor allem zur Herstellung von Schmuck.

Silex


Typisch war außerdem die Verwendung wolhynischen Kreide-Feuersteins. Seltener wurde Obsidian aus Zemplen verwendet, Importe von Krakauer Częnstochawa-Hornstein, Quarzporphyr und Chalzedon aus dem Mátra-Gebirge sind selten. Es wurden Klingen von beachtlicher Länge hergestellt.

Siedlungswesen


Ein Verbreitungsschwerpunkt dieser Kultur findet sich entlang des Maros und des Körös. Die Größe der Siedlungen liegt zwischen 1-30 ha. Tells finden sich nur südlich des Körös, dies mag klimatische Ursachen haben. An der oberen Theiß waren Zentralsiedlungen wie Mezötúr-Berretyó-part und Öcsöd-Kováshalom, die meist an Flußmündungen liegen, von einem regelmäßigen Netz kleinerer Orte umgeben.

Die rechteckigen Häuser waren oft mehrteilig und wurden Wand an Wand gebaut. Einige Forscher sehen in diesen regelmäßig aufgebauten Siedlungen Anzeichen einer hierarchischen Gesellschaftsstruktur. Manche Häuser hatten Stampflehmwände, meist trugen jedoch Spaltholzpfosten das Dach. Sie waren meist NW-SE orientiert und zwischen 7-18 m lang. Die wenig stabilen Wände bestanden aus lehmverschmierten Schilf oder Reisig und waren oft bemalt oder plastisch verziert. An den Giebeln wurden Tierköpfe aus Lehm angebracht. Der Fußboden aus lehmbedeckten Brettern. Backöfen und Herdstellen gehörten zu jedem Haus.

Einige größere Häuser, z.B. in Vestö werden als Tempel gedeutet, das ist jedoch umstritten.

Wirtschaft


Es wurde Einkorn, Emmer, Gerste und Flachs angebaut. Im oberen Theiß-Gebiet sind Rinder und Schweine die wichtigsten Haustiere, gefolgt von Ovicapriden. Teilweise haben Siedlungen jedoch bis zu 60% Wildtierknochen, vor allem Auerochse und Wildschwein. Es wird erwogen, daß mit der Jagd auch die Nutztierbestände ergänzt wurden. Schmuck aus Wolfs- und Rehzähnen in den Gräbern verweist ebenfalls auf die Bedeutung der Jagd. Harpunen aus Knochen belegen, daß auch Fisch gefangen wurde. Der weite Handel mit Silex wurde bereits erwähnt, außerdem wurden auch Kupfer und die Schalen der Spondylusmuschel über weite Entfernungen transportiert.

Bestattung


Hockerbestattungen in Siedlungen (O-W-Orientierung) herrschten vor, nur im mittleren Theißgebiet wurden die Toten in gestreckter Lage bestattet. Als Beigaben dienten Ocker, Perlen und Armbänder aus Spondylus, Tierzähne, Steinperlen, Silexgeräte, Keramik und manchmal Kupferschmuck. Zu dieser Zeit finden sich aber auch die ersten Friedhöfe außerhalb der Siedlungen.

Wichtige Fundorte


Literatur


  • N. Kalis: Die Szákálhat-, Theiß und Herpály-Csöszhalom-Kultur des mittleren und späten Neolithikums in Ungarn. In: Das Neolithikum in Mitteleuropa. Hrsg. v. J. Preuß. Weißbach 1998, 307-315. ISBN 3-930036-10-x

Weblinks


Vorgänger:
Szakalhat
Ungarische Vorgeschichte Nachfolger:
Tiszapolgár

Archäologische Kultur

 

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