Taschkent-49.JPG Timur-e Lang, , eigentlich Timur-e Gurkāni, , ursprünglich aus dem mongolischen kürügän, "Schwiegersohn", als Anspielung auf die Heirat Timurs in die Familie Dschingis Khans - (*1328 in Kesh, heute Shaxrisabz; † 18. Februar 1405 in Schymkent) - war ein mongolischer Eroberer am Ende des 14. Jahrhunderts und der Gründer der Timuriden-Dynastie. Manchmal findet sich als Geburtsdatum der 8. April 1336, das ist aber ein nachträglich geschöntes Datum, das einer besonders glückverheißenden astrologischen Konstellation entspricht.
Alternative Aussprache- und Schreibweisen seines Namens sind u.a.: Timur-i Lenk, Timur Läng, Timur Khan, Amir Temur oder - lateinisiert - Tamerlan.
Das Reich Timur-i Lenks (1365-1405).GIF
Timur entstammte dem im 14. Jahrhundert in Transoxanien eingewanderten türkisierten Mongolenstamm der Barlas, sein Vater war Stammesfürst. Seine Anfänge liegen in einer Tätigkeit als Räuber und Pferdedieb, was in den transoxanischen Bürger- und Stammeskriegen nach der Hinrichtung des Khan Tarmaschirin (regierte 1327–34) und der Machtergreifung Emir Kazagans (1346–57) nicht unüblich war.
Er stieg im Dienst des Tschagatai-Khans Tughluq Timur († 1363) auf und erlangte zwischen 1364 und 1370 unter Ausschaltung der Tschagatei-Khane (das heißt Tughlug Timurs Sohn Ilias Hoja) und weiterer Rivalen (Kazagans Enkel Emir Hussain, ermordet 1369) die Herrschaft über Transoxanien.
Der Herrscher vollendete die Islamisierung der in Zentralasien eingewanderten Mongolen, die allerdings schon unter Tarmaschirin ihren Höhepunkt erlebt hatte. In der Theorie galt in seinem Reich die mongolische Jassa, in der Praxis eher die Schari'a, das islamische Gesetz. Persönlich war er von einer volkstümlichen Frömmigkeit, die sich damals in Derwischorden und Qalandaren niederschlug, und wurde auch zu Füßen eines Derwischs begraben. Er gilt als Sunnit, aber das Verhältnis ist widersprüchlich, denn in Syrien trat er als Schirmherr der Schia auf. Zudem hielt er an turkomongolischen Traditionen fest, auch wenn sie mit der Schari'a im Widerspruch standen. Samarkand-15.JPG Der Emir schuf eines der größten und kurzlebigsten Reiche, die jemals in Mittelasien existierten. Dabei erlangte er den Ruf eines skrupellosen Eroberers, der die Bevölkerung in den eroberten Gebieten und Städten zu hunderttausenden ermorden (u.a. in Indien und Georgien) und Aufstände gnadenlos unterdrücken ließ. Beispielsweise wurden bei der Eroberung von Isfahan 1387 laut Hafiz-i Abru 28 Schädeltürme auf einer Stadtseite gezählt, so dass man durchaus von einer Zahl von 70 000 Toten ausgehen kann. In der Stadt Isfizar ließ er z.B. 2000 Menschen lebendig einmauern.
Trotz seiner die Mongolen übertreffenden Bestialität gibt es ein gewisses System: Die Spitzen der städtischen Aristokratie wurden für gewöhnlich verschont, die Geistlichkeit sowieso, man verzeichnet Verhandlungen um Freikaufpreise, Tributeintreibungen und (seltener) sogar Requisitionsscheine. Timur hatte hier offensichtlich die Absicht, das im 13./14. Jahrhundert versunkene wirtschaftliche und kulturelle Niveau Transoxaniens durch eine Flut an gestohlenen bzw. entführten Tieren, Waffen, Lebensmitteln, Gebrauchsgütern, Theologen, Gelehrten und Handwerkern zu heben.
Das "Zentrum der Welt" - seiner Welt - Buchara und Samarkand wurden prachtvoll ausgebaut. In Mittelasien entstand in der Folge ein eigener (der timuridische) Architekturstil (Gur-e Amir, Bibi Chanum-Moschee usw.). Persien war für ihn dabei offenbar Inbegriff aller Kultur, denn der persische Geschmack war vorherrschend. Die Hauptstadt war Samarkand im heutigen Usbekistan. Dort empfing er unter anderem eine spanische Gesandtschaft unter Clavijo und wechselte Gesandtschaften mit Ming-China, letzteres um sich in seinen unablässigen Kämpfen den Rücken freizuhalten.
In den Jahren 1391 und 1395 errang Timur entscheidende Siege über die Mongolen der Goldenen Horde unter Toktamisch, deren Reich danach unaufhaltsam zerfiel. 1398 eroberte er Delhi, 1401 fielen Damaskus sowie Bagdad in seine Hände und 1402 besiegte er -zu dem Zeitpunkt schon fast blind- den Osmanen-Sultan Bayezid I. bei Ankara, wo dessen Truppen zum Teil überliefen. Bayezid wurde gefangen und Timur wurde nun auch in Europa "berühmt".
Entscheidend dabei ist, daß Timur außerhalb seines Kernlandes keine geregelte Verwaltung hinterließ, d.h. er setzte einige seiner Nachkommen als Fürsten in Persien und Mittelasien ein, beließ aber die Gebiete in Südrußland und Moghulistan bei mongolischen Prinzen und machte auch keine Anstalten zur Verwaltung des Vorderen Orients.
Als ein letztes Problem sah Timur seine allerdings unbedeutende Vasallen-Stellung gegenüber dem Kaiserreich China der Ming-Dynastie, dem er eine Zeitlang Tribut hatte zahlen müssen. 1405 brach er mitten im Winter zum Feldzug nach China auf, starb aber in der Nähe des heutigen Schymkent in Kasachstan nach einem mehrtägigen Alkoholexzess. Er wurde in Samarkand bestattet, sein Mausoleum Gur-e Amir ist eines der bedeutendsten Architekturdenkmäler dieser Stadt. Sein Reich zerfiel bald in Nachfolgestreitigkeiten und die mühsam besiegten Staaten wurden wieder unabhängig.
Die von Timur begründete Dynastie der Timuriden herrschte bis Anfang des 16. Jahrhunderts in Transoxanien (bis 1500/01) und Khorasan (bis 1507). Sein Urenkel Zaher ud-Din Muhammad Babur gründete 1526 das Mogulreich in Indien.
Aber auch darüberhinaus diente Timur zur historischen Legitimation diverser Herrscher. Er gilt trotz aller Verbrechen und trotz seines eingeschränkten politischen Weitblicks im heutigen Usbekistan als eine Art Nationalheld.
Timur ist immer wieder musikalisches Sujet gewesen: Georg Friedrich Händel schrieb die dramatische Oper Tamerlano (Libretto von Nicola Francesco Haym), Rudolf Nelson die Musik und Kurt Tucholsky den Text zu einem gleichnamigen Kabarett-Song („Mir ist heut so nach Tamerlan zu Mut – ein kleines bisschen Tamerlan wär gut“).
Emir | Timuride | Militärperson (Mongolisches Reich) | Mann | Geboren 1336 | Gestorben 1405
تيمورلنك | Тимур | Tamerlà | Tamerlán | Timur | Tamerlán | %D8%AA%DB%8C%D9%85%D9%88%D8%B1_%D9%84%D9%86%DA%AF | Timur Lenk | Tamerlan | טימור לנג | Timur Lenk | Tamerlane | Tamerlano | ティムール | Tamerlane | Timur Lenk | Tamerlan | Timoer Lenk | Timur | Tamerlão | Тамерлан | Timur Lenk | Tamerlan | Timur Lenk | Timur | Amir Temur | 帖木尔
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