Timor island2.jpg]] Die Insel Timor ist mit 33.850 km² die größte der Kleinen Sunda-Inseln und gehört politisch zu der indonesischen Provinz Nusa Tenggara Timur im Osten des indonesischen Archipels. Der Timor-Archipel, einschließlich Roti, ist der größte Archipel der östlichen kleinen Sunda-Inseln (Nusa Tenggara Timur). Timor hat etwa drei Millionen Einwohner.
Die Insel ist zweigeteilt, in das indonesische Westtimor (Timor Barat) mit etwa 19.000 km² und zwei Dritteln der Bevölkerung und der von Indonesien unabhängigen Republik Osttimor (offiziell Timor-Leste). Die an der Nordwestküste von Westtimor liegende Enklave Oecussi-Ambeno gehört politisch ebenfalls zu Osttimor. Hauptstädte sind Kupang im indonesischen Teil Timors und Dili in Osttimor.
Hauptnahrungsmittel in den trockeneren Bergregionen ist der von den Portugiesen eingeführte Mais, der in Hausgärten in den Siedlungen im Brandrodungsfeldbau kultiviert wird. Trockenreis, der in der Vergangenheit ein bedeutenderes Grundnahrungsmittel gewesen sein muss, verschwindet heute aufgrund der knapper gewordenen Wasserressourcen. Verschiedene Quellen sprechen davon, dass Hirse für die Kulturen der Insel einst in rituellen Situationen eine wichtige Rolle spielte. Verschiedene Gemüsesorten und Kleintierhaltung, vor allem Geflügel, ergänzen die Nahrungsproduktion.
Timor entdeckte Anfang des 16. Jahrhunderts der portugiesische Seefahrer António de Abreu auf Suche nach den Gewürzinseln. Aufgrund des guten Sandelholzbestandes der Insel und der regen Nachfrage jener Zeit gründeten die Portugiesen, die damals die Vormachtstellung in der Region hatten, an der Westhälfte ein Fort. Über hundert Jahre später landeten die Holländer im Kupang, vertrieben sie in die Osthälfte der Insel. Nach langwierigen Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft auf Timor teilten die beiden europäischen Kolonialmächte 1851 die Insel politisch in zwei Teile, den Westteil für die Niederländer und den Ostteil für die Portugiesen, mit einer kleinen portugiesischen Enklave (Oecussi) an der Nordwestküste. Die Streitigkeiten um die Insel konnte auch ein Grenzvertrag 1859 nicht schlichten, erst 1914 wurde die Grenze endgültig festgelegt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel von Japanern erobert. Westtimor wurde indonesisch, Osttimor blieb bis 1975/76 portugiesisch. Indonesien erkannte die Unabhängigkeitserklärung Osttimors nicht an und besetzte den Osten. Erst nach jahrzehntelangem Krieg und drei Jahren Verwaltung durch die Vereinten Nationen wurde Osttimor 2002 unabhängig.
Die unterschiedlichen Kulturen Timors hängen ökonomisch von Nahrungsmitteln wie Mais, Reis und Süßkartoffeln ab. In den Hochlandregionen, welche beispielsweise die Makassae im Osten Osttimors besiedeln dominieren Mais- den Reisanbau, bei den Tetun, die die Ebenen bewohnen, ist es umgekehrt. Dasselbe gilt für die domestizierten Tiere: während Büffel und Schwein auf Timor überall gezüchtet werden, besitzt der Büffel zum Beispiel für die Makassae größere Bedeutung als das Schwein. In anderen Regionen, bei den Ost-Tetun beispielsweise, sind die Büffel von sekundärer wirtschaftlicher Bedeutung im Gegensatz zum Schwein. Andere Haustiere sind Hühner, Ziegen und Pferde.
Die kulturellen Traditionen der Timor-Kulturen zeichnen sich durch unterschiedliche soziale Institutionen aus. Die sozialen Organisationen der einzelnen Timor-Gesellschaften können matrilinear / uxorilokal oder patrilinear / patrilokal strukturiert sein; einzelne Gruppen schwanken zwischen diesen Möglichkeiten verwandtschaftlicher Organisation. Während die soziale Organisation der Atoin Meto, und wahrscheinlich auch die Baikeno Osttimors, durch eine symmetrische Allianz charakterisiert ist, findet sich die asymmetrische Allianz beispielsweise bei den Makasae, Naueti und Fataluku. Bei den Tetum herrschen bilaterale beziehungsweise kognate Abstammungsregeln vor.
Heiraten und wirtschaftlich-rituelle Allianzen, die sich entlang dieser Organisationsstrukturen bilden, werden über die soziale Institution des sogenannten "Brautpreises" gesteuert, bei dem Frauen und Güter, die zwischen den sozialen Gruppen zirkulieren, immer in eine bestimmte Richtung fließen. Patrilineare und patrilokale Organisationen zeichen sich gegenüber matrilinearen und uxorilokalen durch eindrucksvolle Gütertransaktionen aus. In den meisten Kulturen Timors bestimmt die Vollständigkeit des übergebenen "Brautpreises" die Residenz des Ehepaares. Wird kein oder nur ein unzureichender "Brautpreis" gezahlt, wohnt der Ehemann in der Frauengeberlineage; die Kinder verbleiben ganz in dieser Lineage.
Die Ethnographie der meisten Timor-Ethnien ist nur annähernd bekannt und publiziert. Besonders betroffen sind davon die Kulturen der Kairui, Naueti, Galoli, Baikeno und Idaté. Gut bekannt sind dagegen die Atoin Meto die westlichen Tetum, die Bunaq, die Mambai und die Makasae.
Die Atoin Meto repräsentieren wahrscheinlich die ursprüngliche Bevölkerung Timors. Durch Eindringlinge aus Westindonesien und Malaysia (Malakka), die von Larantuka (Flores) aus Timor erreichten, wurden sie aus ihren Siedlungsgebieten in Zentraltimor vertrieben. Die Migranten waren die Vorfahren der Tetun (Belu), die im 14. Jahrhundert die Benain-Ebene im modernen Regierungsbezirk Waihale, Timors fruchtbarste Landschaft, einnahmen.
Durch die Landnahme einer überlegenen Kultur wurden die Atoin Meto immer weiter nach Westen abgedrängt, die Aristokratie von Waihale (bzw. Wehali) dominierte die östlichen Königreiche in Form einer rituell-politischen Konförderation, bis zur Ankunft der Europäer, für mehrere Jahrhunderte. Dem Modell Wehalis folgend entstand in Westtimor eine zweites Königreich, das des Sonba`i.
Trotz des Bekehrungseifers der Missionare seit dem 16. Jahrhundert, sind Erfolge der Christianisierung erst seit den letzten 50 Jahren zu verzeichnen. Seit dieser Zeit verursacht die Christianisierung einen starke kulturellen Wandel, der die traditionellen Glaubensvorstellungen zunehmend in den Untergrund verdrängt. So betrug der Anteil der Katholiken in Osttimor am Ende der portugiesischen Kolonialzeit 1975 nur 30 %. Da aber der katholische Glauben als Klammer der verschiedenen Volksgruppen im Kampf gegen die indonesische Besatzung fungierte, stieg ihr Anteil auf 92 % (Christen insgesamt: 95 %). In keinem anderen Land der Erde hat die katholische Kirche einen derart großen Zuwachs erreicht.
Daneben gibt es in Osttimor 15 von der Verfassung anerkannte Nationalsprachen. Dies sind die austronesische Sprachen Atauru ((ein Dialekt des Wetar), Baikeno (ein Dialekt des Uab Metoin der Exklave Oecussi-Ambeno), Bekais, Galoli, Habun, Idalaka, Kawaimina, Lovaia, Mambai, Kemak und Tokodede und die Papua-Sprachen Bunak, Fataluku, Makalero und Makasae.
Die Bezeichnung belu (Freund) der Atoin Meto charakterisiert dieses Konglomerat von Ethnien und Sprachen auf der östlichen Seite der ehemaligen niederländisch-portugiesischen Grenze, und verweist, im Kontrast zu den Atoin Meto, auf die vielen gemeinsamen kulturellen Merkmale der Osttimor-Ethnien.
In Westtimor dominiert die Sprache der Atoin Meto, das Uab Meto, dessen Dialekt Baikeno auch im osttimoresischen Oecussi-Ambeno gesprochen wird. Auch Tetum, Bekais und Bunak (Bunaq) findet man in beiden Teilen der Insel. Außerdem werden die mit dem Uab Meto verwandten Sprachen Helong und Rotinesisch gesprochen. Helong war die ursprüngliche Sprache in Kupang, ist aber weitgehend durch Bahassa Indonesia verdrängt worden und wird nur noch in wenigen Dörfern südlich der Stadt entlang der Ostküste der Insel Semau gesprochen. Rotinesisch, die Sprache der Roti ist in viele Dialekte aufgesplittert. Sprecher dieser Sprache findet man in vielen Distrikten von Westtimor aufgrund des Umsiedlungsprogramms, das die Niederländer im 19. Jahrhundert durchgeführt haben.
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