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Tierwanderungen kann man als Sonderform der Ausbreitung verstehen. In der Regel sind sie zeitlich koordiniert, gerichtet und treten periodisch auf. Meistens handelt es ich nicht um die Wanderung einzelner Tiere, sondern um eine Massenbewegung aller oder vieler Individuen einer Population.

Tierwanderungen gibt es bei Arten verschiedener Tierstämme und in vielen zeitlichen Abstufungen (von täglich bis einmal im Leben). Meist erfolgen die Wanderungen aktiv, aber es kommen auch teils oder ganz passive (Luft oder Wasserströmungen) Ortsveränderungen vor.

Mit der zeitlichen Koordination der Tierwanderungen beschäftigt sich die Chronobiologie.

Auch wenn die Bereitschaft zur Wanderung häufig genetisch festgelegt ist, kann man doch als konkreten Anstoß zwei Hauptursachen nennen:

  • Erstens ein unzureichendes Nahrungsangebot, meist gepaart mit oder aufgrund von ungünstigen Witterungsbedingungen. Der Vogelzug ist dafür ein Beispiel.
  • Zweitens die Fortpflanzung. Beispielsweise ziehen ansonsten weit verstreut lebende Tiere häufig zur Paarungszeit zu bestimmten Plätzen. Damit vergrößert sich ihre Chance, einen Partner zu finden.

Tierwanderungen sind zwar häufig und äußerst detailliert beschrieben worden und allseits bekannt, ihre genauen Auslöser und die Orientierungsmechanismen (zum Beispiel der Magnetsinn der Zugvögel) sind allerdings oft noch nicht hinreichend genau erforscht. Als gesichert gilt, dass beim Einsetzen einer Wanderung in der Regel mehrere Faktoren eine Rolle spielen: Tagelängen, bei Vögeln die Mauser, Zustand der Fettdepots und anderes.

Beispiele


Elephant Herd by mathayward.jpg im Shaba National Reserve, Kenya
Bild:mathayward]]
  • Planktische Kleinkrebse "ziehen" tagesperiodisch vertikal. Nachts halten sie sich im nahrungsreichen Oberflächenwasser auf, am Tag sinken sie in tiefere Schichten. Dort finden sie zwar weniger Nahrung, sind aber vor Fressfeinden besser geschützt.
  • Auf Rhodos sammeln sich im Sommer fast alle Schmetterlinge von Panaxia quadripunictaria in einem kleinen Gebiet. Nach der Begattung verteilen sie sich wieder über die Insel und legen ihre Eier ab.
  • Antilopen der afrikanischen Steppe führen weite Wanderungen aus um an lebenswichtiges Salz zu kommen, welches sie in ausgetrockneten Salzseen auflecken.
  • In der Serengeti wandern jedes Jahr tausende von Gnus auf der Suche nach frischem Gras.
  • Wildpferde ziehen bis zu 20 km pro Tag durch Steppen und Prärien

Literatur


  • Vogelzug. Peter Berthold - Eine aktuelle Gesamtübersicht; Wissenschaftliche BuchgesellschaftDarmstadt, 2000; ISBN 353413656X
  • Auf der Spur des Wassers. Carlo Mari - Die faszinierende Tierwanderung in der afrikanischen Steppe; Frederking & Thaler Verlag, 2000; ISBN 3894054247
  • Animal Migration, Orientation, and Navigation. Sidney A. Gauthreaux (Herausgeber); Academic Press, 1997; ISBN 0122777506;
  • Der innere Kompass. Talbot H. Waterman - Sinnesleistungen wandernder Tiere; Spektrum der Wissenschaft, 1990; ISBN 3-922508-98-7
  • Was ist was? Vitus B. Dröscher, Gerd Werner, Janice Brownlees-Kaysen; Band 77: Tierwanderungen; Tessloff Verlag, 1985; ISBN 3788604174

geozoologie | Verhaltensbiologie

 

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