Der Tiergartentunnel in Berlin ist ein Tunnelbauwerk, das unter Berlins größtem Stadtpark, dem Tiergarten, verläuft und von 1995 bis 2006 erbaut wurde. Die offizielle Bezeichnung des Projekts über die Kombination aus Tunnelbauten für eine Fernbahntrasse, eine Bundesstraße (B 96) (Tunnel Tiergarten Spreebogen, TTS) und eine U-Bahn (U5) lautet Verkehrsanlagen im Zentralen Bereich Berlin. Auftraggeber sind die Deutsche Bahn AG und das Land Berlin (Senatsverwaltung). Er ist Teil des Verkehrsprojekts Deutsche Einheit Nr. 8 über die ICE-Verbindung von Berlin über Halle, Leipzig, Erfurt, Nürnberg nach München.
Der Tunnel unterquert in Nord-Süd-Richtung den Berliner Tiergarten mit dem Regierungsviertel und kreuzt im Bereich des neuen Kreuzungsbahnhofs Berlin Hauptbahnhof die in West-Ost-Richtung in Hochlage verlaufenden Verkehrslinien der Stadtbahn. Zufahrten für den Autoverkehr liegen am Nord- und Südrand des Potsdamer Platzes (Ben-Gurion-Straße bzw. Reichpietschufer/George-C.-Marshall-Brücke) in Tiergarten und an der Invalidenstraße und der Heidestraße in Wedding. Mit der Verwaltungs- und Bezirksreform 2001 verläuft dieser Teil des Tunnels (Länge: 2,4 km, Baukosten 390 Millionen Euro) vollständig im Bezirk Mitte. Bei fließendem Verkehr lässt er sich in 3 Minuten durchqueren. Die in vier Röhren verlegten Bahntrassen für Fern- und Regionalbahnen (Länge: 2,7 km) dagegen reichen am Südende vom Gleisdreieck in Berlin-Schöneberg über den Hauptbahnhof (Pilzkonzept) etwa bis zur Höhe Döberitzstraße am nördlichen Ende, wo sie in die Berliner Ringbahn eingefädelt werden.
Verschiedene Bauweisen kamen zum Einsatz: Senkkasten, Schildvortrieb und offene Bauweise. Für die U5, die von Anfang an kontrovers diskutiert wurde, entsteht vorerst nur ein kleiner Abschnitt im Spreebogen und unterhalb der Spree. Zwischen 1996 und 1998 musste für den Tunnelbau sogar die Spree umgeleitet werden. Beim Bau kam es zu mehreren schweren Unfällen und Verzögerungen. Auch Pilzbefall und Wassereinbrüche waren hierfür verantwortlich.
Ein Eilantrag auf Baustopp, von einem Naturschutzbund (Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V.) und mehreren Nachbarn (Mietern von Wohnungen im Bereich des Bauvorhabens) 1995 gestellt, wurde vom Bundesverwaltungsgericht abgelehnt.
Seit der Eröffnung des Tiergartentunnels am 26. März 2006 blieb das Verkehrsaufkommen bisher weit hinter den prognostizierten 50.000 Fahrzeugen pro Tag zurück. Somit blieben auch die im weiteren Umfeld, vor allem auf der Leipziger Straße und der Potsdamer Straße, erwarteten zusätzlichen Staus aus.
Einzig am 13. April 2006 kam es in den Morgenstunden vor den südlichen Tunnelzufahrten am Reichpietschufer und am Kemperplatz zu Staus. Durch die versehentliche Schaltung des Noträumprogramms gingen die Ampeln vor den Tunnelzufahrten für längere Zeit auf Rot und die Tunnelausfahrten auf Dauergrün, so dass der Verkehr im Umfeld schnell zum Erliegen kam. Nach der Beseitigung des Problems rollte der Verkehr aber schnell wieder, allerdings meist wie zuvor am Tunnel vorbei.
Bereits zwei Jahre vor seiner Inbetriebnahme wurde der Tiergartentunnel 2004 für Dreharbeiten genutzt. Im Kinofilm Die Bourne Verschwörung liefern sich mehrere Fahrzeuge darin eine wilde Verfolgungsjagd. Die Szene spielt zwar in Moskau, wurde aber im Berliner Tunnel-Rohbau gedreht.
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