Tiefseegräben (engl.: trenches), in der Geologie Tiefseerinnen genannt, sind zumeist langgestreckte, aber relativ schmale Vertiefungen des Meeresbodens. Sie stellen die am tiefsten gelegenen Abschnitte der Erdoberfläche dar. Der tiefste aller Gräben ist mit maximal 11.034 m Meerestiefe der Marianengraben im Pazifik.
Tiefseerinnen entstehen in der Erdkruste, wenn tektonische Platten zusammenstoßen und eine unter die andere geschoben wird. An solchen Subduktionszonen taucht eine Platte in einem Winkel von bis zu 90° nach unten hin ab. Der Tiefseegraben markiert die Stelle, an der die beiden Platten aufeinander treffen, beispielsweise eine kontinentale und eine ozeanische Platte. Dabei liegen die tiefsten Punkte des Grabens noch 3.000 bis 4.000 m unter dem Niveau des umgebenden Ozeanbodens.
Die Subduktion der Platten ist begleitet von vulkanischen Aktivitäten und Seebeben, die verheerende Flutwellen und Tsunamis hervorrufen können.
Geschichte des Begriffs
Erst in den späten 40er- und frühen 50erjahren des 20. Jahrhunderts begann man, eine Vorstellung von der Morphologie jener ungeheuren Tiefen zu entwickeln, die zu den spektakulärsten Erscheinungen an der Oberfläche der Erde gehören.
Mehr als die Hälfte der Erdoberfläche ist der Tiefsee zuzurechnen, entzog sich aber wegen der für den Menschen lebensfeindlichen extremen Verhältnisse lange Zeit der Beobachtung und Forschung.
Challenger
Ende des 19. Jahrhunderts nahm mit der Verlegung der
Transatlantikkabel das Interesse an der
Bathymetrie, der Vermessung der subaquatischen Landschaften, enorm zu. Aber auch nach der berühmten
Challenger-Expedition (1872 - 1876), die am 23. Februar 1875 im Marianengraben den mit 8.164 m bis dahin tiefsten gemessenen Punkt der Weltmeere ausgelotet hatte, verwendete man den Begriff
Tiefseegraben noch nicht, sondern sprach allgemein von einem
Meerestief (engl.:
ocean deep). Einer der tiefsten Punkte der Erde, eine im Jahr 1951 von der Besatzung des
englischen Vermessungsschiffs
Challenger II im Marianengraben in einer
Meerestiefe von 10.899 m mittels
Echolot (10.863 m per Drahtlotung) ermittelte Stelle, erhielt den Namen
Challengertief.
Erst in den 20erjahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff Graben für geologische Strukturen verwendet. Geologen, die an den Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs teilgenommen und den Graben als klaren Einschnitt und als Grenze erlebt hatten, prägten diesen Begriff. Als Erster verwendete Johnstone im Jahre 1923 in seinem Lehrbuch über Ozeanographie („An Introduction to Oceanography“) den Begriff Graben (engl.: trench) für die langgestreckten, aber eng begrenzten Rinnen am Grund der Tiefsee. Da ein tektonischer "Graben" aber immer von Verwerfungen begrenzt wird müssen die langgestreckten Einsenkungen an Subduktionszonen (aktiver Kontinentalrand) korrekt als Rinnen (Tiefseerinnen), nicht "Tiefseegräben", bezeichnet werden.
Allgemeines
In den meisten Nachschlagewerken (z.B. in Lexika und Atlanten) und Medien werden diese Tiefseerinnen, die sich innerhalb oder am Rand von Tiefseebecken bzw. zwischen Tiefseeschwellen und -rücken befinden, als Gräben bzw. Tiefseegräben bezeichnet; so geschieht dies meist auch im allgemeinen Sprachgebrauch und der Ausdrucksweise der Geowissenschaften. Dies ist jedoch aus der Sicht der Tektonik falsch, weil tektonische Gräben durch Dehnung entstehen, der Subduktionsprozess jedoch durch Konvergenz gekennzeichnet ist.
Im Unterschied zu einem Meerestief sind Tiefseerinnen meist sehr langgestreckt und können als das „untermeerische“ Gegenteil zu den auf den Land liegenden Hochgebirgen betrachtet werden.
Wegen der Bewegung der Erdplatten kommt es häufig zu untermeerischen Vulkanausbrüchen und zu Seebeben, die verheerende Flutwellen und Tsunamis hervorrufen können.
Tiefseerinnen sortiert nach Ozeanen
Die 6 tiefsten Tiefseerinnen der Erde, von denen eine über 11 km tief ist und die anderen je über 10 km tief sind, sind der Marianengraben (bis 11.034 m), der Tongagraben (bis 10.882 m), der Japangraben (bis 10.554 m), der Kurilengraben (bis 10.542 m), der Philippinengraben (bis 10.540 m) und der Kermadecgraben (bis 10.047 m); sie befinden sich alle im westlichen Pazifik.
Beispiele für im Ozean und seinen Rand- bzw. Nebenmeeren liegende Tiefseerinnen (alphabetisch sortiert) sind:
Im Nordpolarmeer befinden sich keine Tiefseerinnen (aber Tiefseebecken).
Tiefseerinnen im Atlantik mit Karibik sind:
- Kaimangraben (bis 7.680 m tief; Teil der Karibik; zwischen den Kaimaninseln im Norden, dem Südosten von Kuba im Nordosten, Haiti im Osten, Jamaika im Südosten, Honduras und dem Golf v. Honduras im Südwesten und dem Yucatanbecken im Westen und Nordwesten)
- Puerto-Rico-Graben 9.219 m tief (Milwaukeetief = tiefste Stelle des Atlantik); zwischen dem Nordamerikanischen Becken in der Sargassosee im Nordwesten, Norden und Nordosten, dem Guyanabecken im Osten und Südosten und den zu den Inseln über dem Winde gehörenden Leewardinseln im Südosten, Puerto Rico im Süden und der Dominikanischen Republik im Südwesten und Westen
- Romanchegraben (bis 7.730 m tief; stellt die Nahtstelle von Nord- und Südatlantischen Rücken im Rahmen des Mittelatlantischen Rückens dar; dort befindet er sich ziemlich genau auf dem Äquator zwischen dem Sierra-Leone-Becken im Norden und Nordosten, dem Südatlantischen Rücken im Osten und Südosten, dem Nördlichen Brasilianischen Becken im Süden und Südwesten und dem Nordatlantischen Rücken im Westen und Nordwesten)
- Süd-Sandwich-Graben 8.264 m tief (Meteortief); zwischen der Südgorgenschwelle im Nordwesten, der Süd Sandwich-Schwelle im Nordosten, dem Atlantisch-Indischen-Südpolarbecken im Süden, den Südsandwichinseln im Südwesten und Südgeorgien im Westen
Tiefseerinnen im Indik sind:
- Bezüglich des Indiks sei noch ein Meerestief erwähnt, die zwar kein Teil einer Tiefseerinne ist, aber die tiefste Stelle dieses Ozeans:
- Diamantinatief (8.047 m = tiefste Stelle des Indik; innerhalb des Südostindischen Beckens südwestlich des australischen Perth)
Tiefseerinnen im Pazifik sind:
- Aleutengraben (bis 7.822 m tief; zwischen den Aleuten im Norden, der Alaska-Halbinsel im Nordosten, dem Nordpazifischen Becken und -Rücken im Süden bzw. Süd-Süd-Westen, Kamtschatka hinter dem Kurilengraben im Westen und den Kommandeurinseln im Nordwesten)
- Atacamagraben 8.065 m (Spencer-F.Byrd-Tief) tief; zwischen der südamerikanischen Küste im Norden und Osten, dem Ostausläufer der Osterschwelle im Süden und dem Chilebecken im Westen
- Boningraben (bis 9.156 m tief; zwischen dem Japangraben im Norden, dem Nordwestpazifischen Becken im Nordosten, dem Marcus-Necker-Rücken im Osten, dem Marianenbecken im Südosten, dem Marianengraben im Süden und dem Philippinenbecken im Westen)
- Chilegraben (siehe Atacamagraben)
- Guatemalagraben (siehe Mittelamerikagraben)
- Fidschigraben (bis 6.150 m tief; zwischen der Hunterschwelle im Norden und Nordosten, dem Fidschibecken im Osten, Südosten und Süden, der Neukaledonienschwelle im Südwesten und Neukaledonien im Westen)
- Japangraben 10.554 m (Ramapotief) tief; zwischen Japan im Westen, Nordwesten und Norden, dem Kurilengraben im Nordosten, dem Nordwestpazifischen Becken im Osten, dem Boningraben im Süden und dem Philippinenbecken im Südwesten
- Kermadecgraben (bis 10.047 m tief; Südteil des Kermadec-Tonga-Grabens; zwischen dem Tongagraben im Norden, dem Südpazifischen Becken im Osten, Südosten und Süden, der Nordinsel von Neuseeland im Südwesten und dem Kermadec-Tonga-Rücken mit den Kermadecinseln im Westen)
- Kermadec-Tonga-Graben (siehe Kermadecgraben und Tongagraben)
- Kurilengraben Kurilen-Kamtschatka-Graben genannt; bis 10.542 m (Witjastief 3) tief; zwischen Kamtschatka im Norden, den hinter dem Aleutengraben liegenden Kommandeurinseln im Nordosten, dem Nordwestpazifischen Becken im Osten, Südosten und Süden, dem Japangraben sowie der japanischen Insel Hokkaido im Südwesten und den Kurilen im Westen bzw. Nordwesten
- Kurilen-Kamtschatka-Graben (siehe Kurilengraben)
- Marianengraben 11.034 m (Witjastief 1 = tiefste Stelle des Pazifik und des Weltmeeres) tief; 10.916 m (Triestetief); 10.899 m (Challengertief); zwischen dem Boningraben im Norden, dem Marianenbecken im Osten, den Karolinen im Süden, dem Yapgraben im Südwesten und den Marianen im Westen
- Marshallgraben (bis 7.315 m tief; als Teil des Fanningbeckens liegt er zwischen dem Marcus-Necker-Rücken im Norden, dem eigentlichen Fanningbecken im Osten, den Gilbertinseln im Süden und den Marshall-Inseln im Westen)
- Mexikograben (siehe Mittelamerikagraben)
- Mittelamerikagraben (bis 6.662 m tief; auch Mexikograben bzw. Guatemalagraben genannt; vor der Pazifik-Küste von z.B. Mexiko, Guatemala, El Salvador, Nicaragua und Costa Rica im Nordwesten, Norden und Nordosten und dem Guatemalabecken im Südwesten)
- Neuhebridengraben (bis 7.570 m tief; zwischen Vanuatu im Norden und Osten, dem Fidschigraben im Südosten, Neukaledonien im Süden und Südwesten und dem Neuhebridenbecken im Westen)
- Neupommern-Bougainville-Graben 9.142 m tief (Planettief); zwischen Neuirland im Norden, der salomonischen Insel Bougainville im Osten, dem Salomonenbecken im Süden und Neubritannien im Westen und Nordwesten
- Palaugraben (bis 8.138 m tief; zwischen dem Philippinenbecken im Nordwesten und Norden, den Yap-Inseln mit dem Yapgraben im Nordosten, dem Westkarolinenbecken im Südosten und Süden und den Palau-Inseln im Westen)
- Perugraben (bis 6.369 m tief; zwischen der südamerikanischen Küste im Norden und Osten, der Nazcaschwelle im Südosten und Süden und dem Perubecken im Südwesten und Westen)
- Philippinengraben 10.540 m tief (Galatheatief); 10.497 m (Cape-Johnson-Tief); 10.400 m (Emdentief); zwischen dem Philippinenbecken im Norden und Osten, Halmahera im Süden und den Philippinen im Westen
- Phoenixgraben (bis 7.315 m (Hilgardtief) tief; als Teil des Fanningbeckens liegt er östlich der Phönix-Inseln)
- Ryūkyū-Graben (bis 7.507 m tief; zwischen den Ryūkyū-Inseln im Nordwesten, Kyushu im Norden, dem Philippinenbecken im Osten und Süden und Taiwan im Westen)
- Santa-Cruz-Graben (bis 7.388 m tief; zwischen den Santa-Cruz-Inseln im Nordosten, Vanuatu im Südosten, dem Korallenmeer im Südwesten und San Cristobal im Nordwesten)
- Tongagraben 10.882 m tief (Witjastief 2); 10.647 m (Horizontief); Nordteil des Kermadec-Tonga-Grabens; zwischen den Samoainseln im Norden, dem Südpazifischen Becken im Osten, dem Kermadecgraben im Süden und dem Kermadec-Tonga-Rücken mit den Tongainseln im Westen
- Yapgraben (bis 8.597 m tief; zwischen dem Philippinenbecken im Norden, dem Marianengraben im Nordosten, den Karolinen im Osten, dem Westkarolinenbecken im Süden, dem Palaugraben im Südwesten und den Yap-Inseln im Westen)
Im Südlichen Ozean, also im Südpolarmeer bzw. jenseits des 60. südlichen Breitengrads liegt nur der äußerste südliche Ausläufer dieser Tiefseerinne, die in Richtung Norden in den Atlantik übergeht:
Tiefseerinnen sortiert nach Meerestiefe
Angegeben sind nur die tiefsten Stellen der einzelnen Tiefseerinnen der jeweiligen Ozeane. Fettgedruckt sind nur die tiefsten Tiefseerinnen der einzelnen Meere, die bis auf den Indik (siehe hier) jeweils deren tiefste Stelle darstellen.
- Marianengraben (bis 11.034 m), Pazifik
- Tongagraben (bis 10.882 m tief), Pazifik
- Japangraben (bis 10.554 m), Pazifik
- Kurilengraben (bis 10.542 m), Pazifik
- Philippinengraben (bis 10.540 m tief), Pazifik
- Kermadecgraben (bis 10.047 m tief), Pazifik
- Puerto-Rico-Graben (bis 9.219 m tief), Atlantik
- Boningraben (bis 9.156 m tief), Pazifik
- Neupommern-Bougainville-Graben (bis 9.142 m tief), Pazifik
- Yapgraben (bis 8.597 m tief), Pazifik
- Süd-Sandwich-Graben (bis 8.264 m tief), Atlantik
- Palaugraben (bis 8.138 m tief), Pazifik
- Atacamagraben (bis 8.064 m tief), Pazifik
- Aleutengraben (bis 7.822 m tief), Pazifik
- Kaimangraben (bis 7.680 m tief), Atlantik
- Romanchegraben (bis 7.730 m tief), Atlantik
- Neuhebridengraben (bis 7.570 m tief), Pazifik
- Ryūkyū-Graben (bis 7.507 m tief), Pazifik
- Sundagraben (bis 7.455 m tief), Indik
- Santa-Cruz-Graben (bis 7.388 m tief), Pazifik
- Marshallgraben (bis 7.315 m tief), Pazifik
- Phoenixgraben (bis 7.315 m tief), Pazifik
- Mittelamerikagraben (bis 6.662 m tief), Pazifik
- Perugraben (bis 6.215 m tief), Pazifik
- Fidschigraben (bis 6.150 m tief), Pazifik
- Timorgraben (bis 3.310 m tief), Indik
Siehe auch
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