Als Tiefsee bezeichnet man für gewöhnlich die völlig lichtlosen (aphotischen) Bereiche der Meere, tiefer als 1000 m. Damit zählen mehr als 70 % der Weltmeere zur Tiefsee. Die Lebensbedingungen dort sind extrem:
Hier gibt es keine Primärproduktion außer an den hydrothermalen Quellen, auch „Schwarze Raucher“ genannt, denn in der Tiefsee gibt es aufgrund der Abwesenheit von Licht keine Pflanzen. Trotz der eigentlich sehr lebensfeindlichen Bedingungen entwickelte sich hier eine vielfältige Tierwelt. Die Nahrungskette besteht aus Räubern und Aasfressern oder für ihre Ernährung auf symbiontische Bakterien bzw. Archaeen angewiesene Tiere.
Daten
Die
Temperatur ist gleich bleibend niedrig (-1 °C bis 4 °C).
In 10.000 m Tiefe herrscht ein Druck von 1013
Bar. Starke Strömungen sind selten, und jahreszeitliche Fluktuationen beschränken sich auf die Menge des
Detritus, der aus den durchlichteten Zonen hierher absinkt und die wichtigste Nahrungsgrundlage der Tiefsee darstellt.
Wenn man in 1000 m Meerestiefe die Oberfläche der Tiefsee messen würde, ergäbe das etwa 318 Millionen km² Fläche, was etwa 62 % der gesamten Erdoberfläche ausmacht.
In der Tiefsee oder an deren Rändern befinden sich tektonisch bemerkenswerte Zonen:
Die Rücken und Rinnen wurden erst in den letzten Jahrzehnten durch
geophysikalische Methoden untersucht und erwiesen sich als "Nahtstellen der
Plattentektonik". Sie machen sich unter anderem im
Erdschwerefeld und in der Verteilung der
Erdbeben bemerkbar.
Das Gegenstück der Tiefsee ist die "Flachsee", insbesondere die den Kontinenten vorgelagerten Schelfgebiete.
Gliederung
Das Weltmeer ist in zwei große Bereiche unterteilt:
- das Pelagial (griech. pelagos = Meer) bezeichnet den Lebensraum des freien Wassers. Dieser ist in horizontale Zonen unterteilt:
- das Benthal (gr.) ist der Bereich des Meeresbodens, auch dieser ist in horizontale Zonen unterteilt:
- das Bathyal (gr. bathys - Tiefe) ist der Bereich des Kontinentalabhangs, wo der Meeresboden sich vom flachen Bereich des Kontinentalschelfs bis zur Tiefseeebene absenkt und reicht von 200 m bis 2000/3000 m Tiefe.
- die abyssische Region (lat. abyssus - Abgrund) ist der Bereich der Tiefseebecken mit 2000/3000 m bis 6000 m Tiefe
- und in die Hadalzone (gr. hades - Unterwelt), welche die Tiefseegräben umfasst, die von 6000 m bis in etwa 10.000 m Tiefe reichen.
Forschungsgeschichte
Die Geschichte der Tiefseeforschung ist ziemlich jung, da die extremen Bedingungen die in der Tiefsee herrschen, enorme technische Anforderungen an den Menschen stellten.
- 1521 ließ Ferdinand Magellan ein 700 m langes Seil von seinem Schiff hinab ins Meer, um die Ozeane auszuloten. Da es den Boden nicht erreichte, schlussfolgerte er, dass das Meer unendlich tief sei.
- 1818 Erstmals wurde in der Tiefsee Leben nachgewiesen: Der englische Forscher Sir John Ross ließ mittels einer Art Greifvorrichtung Wurm und Quallenarten aus 2km Tiefe an Bord holen.
- 1843 Obwohl John Ross Lebewesen nachgewiesen hatte widersprach Edward Forbes ihm, da er feststellte, dass die Anzahl der Lebewesen mit der Tiefe abnimmt. Deshalb könne es ab 600 m Tiefe kein Leben geben.
- 1930 Erstmals tauchten Menschen in die "Tiefsee". William Beebe und Otis Barton tauchten mit einer Stahlkugel mit Bullauge, der 'Bathysphere', 420 m in die Tiefe und waren dort von Quallen und Garnelen umgeben.
- 1960 Jacques Piccard und Don Walsh gelang es mit der Trieste bis zum tiefsten Punkt des Meeres zu tauchen. Selbst in 10.740 m Tiefe entdeckten sie noch Fische und andere Lebewesen.
Probleme bei der Erforschung
Obwohl die Tiefsee den größten Teil unseres Planeten einnimmt, ist über sie weniger bekannt als über die Oberfläche des Mondes. Dies ist bedingt durch ihre relative Unerreichbarkeit: wenige Länder haben tiefseetaugliche Unterseeboote oder ausreichend große Schiffe, um Proben aus der Tiefsee heraufzuholen. So erfordert eine Probenahme in 8000 m Tiefe bereits 11 km lange Kabel. Ebenso dauert es 24 Stunden, ein Gerät in diese Tiefe herabzulassen und wieder heraufzuholen. Die Geräte und Fahrzeuge sind sehr kostenintensiv, ein großes Forschungsschiff kostet zehntausende Dollar pro Tag. Tiere, deren Verhalten untersucht werden soll, müssen überdies in ihrem Lebensraum beobachtet oder in speziellen Druckbehältern heraufgeholt werden, da sie die enormen Druckänderungen nicht lebend überstehen würden. Aufgrund der Nahrungsknappheit sind Tiefseetiere außerdem gewöhnlich nicht sehr zahlreich, so dass viele Proben notwendig sind, um eine Art überhaupt nachzuweisen.
Die Tiefsee in Kunst und Literatur
Die Faszination des Unbekannten zeigt sich auch in der Literatur:
1870 erschien erstmals der Roman
20.000 Meilen unter dem Meer von
Jules Verne. Mehrmals, zuletzt in den
1990er Jahren, wurde Vernes Buch verfilmt.
Weblinks
Siehe auch
Ozeanologie | Ökosystem
Deep ocean | 深海