Als Tiefpass (englisch low-pass filter) bezeichnet man Filter, die Signalanteile mit Frequenzen unterhalb der Grenzfrequenz annähernd ungeschwächt passieren lassen und Anteile hoher Frequenzen abschwächen. Gebräuchlich sind solche Filter in der Elektronik, können aber auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel Mechanik, Akustik, Optik oder Hydraulik vorkommen. Spannungsgesteuerte Tiefpassfilter spielen bei der Klangerzeugung in Synthesizern eine große Rolle. Auch das Anti-Aliasing in der Computergrafik kann als Tiefpassfilterung aufgefasst werden.
Tiefpass-Filter werden auch anwendungsbezogen als Höhensperre, Höhenfilter, Treble-Cut-Filter, High-Cut-Filter, oder auch als Rauschfilter bezeichnet. Diese Begriffe sind in der Tontechnik gebräuchlich; sie weisen direkter darauf hin, dass ein solches EQ-FilterEqualizer nutzbringend die Höhen des Signals abschwächt. Siehe auch: Entzerrung (Tontechnik).
Von der Eingangsspannung erscheint am Ausgang gemäß der Spannungsteilerformel nur der Anteil :
Unter der Grenzfrequenz fc (cutoff frequency) versteht man diejenige Frequenz, bei der
(d. h. Ua gegenüber Ue um 3 Dezibel abgeschwächt) ist.
Die Grenzfrequenz berechnet sich zu
Da XC mit steigender Frequenz kleiner wird,
geht das Teilungsverhältnis mit sinkender Frequenz gegen 1, für Gleichspannung (Frequenz f = 0) wird . In logarithmischer Darstellung nimmt die Dämpfung oberhalb der Grenzfrequenz um 20 dB/Dekade) zu. Aktiver_Tiefpass.png
Mit Operationsverstärkern können aktive Tiefpässe realisiert werden. Diese haben den Vorteil, dass der Frequenzgang unabhängig von der am Ausgang angeschlossenen Last ist. Der Betrag der Ausgangsspannung dieses Tiefpasses ist
Einen Tiefpass zweiter Ordnung erhält man, indem man R durch eine Reihenschaltung von R mit einer Induktivität L ersetzt, da diese ihrerseits eine - und zwar zum Kondensator gegenläufige - Frequenzabhängigkeit besitzt. Dabei wird R so groß gewählt, dass keine oder nur eine geringe Resonanzüberhöhung des Frequenzgangs entsteht. LCR-Tiefpass.png Die Übertragungsfunktion eines solchen Tiefpasses ist
Aktiver_Tiefpass_2-ter_Ordnung.png Damit fällt die Ausgangsspannung Ua oberhalb von fG schneller (mit 40 dB/Dekade) ab, da nun nicht nur |XC| kleiner sondern zugleich |XL| größer wird.
In dieser Variante werden große Induktivitäten gebraucht (bis zu mehreren Henry). Diese haben schlechte elektrische Eigenschaften und besitzen recht große Dimensionen. Deshalb werden Tiefpässe zweiter und höherer Ordnung heutzutage üblicherweise durch Operationsverstärker-Schaltungen realisiert. Diese Filter werden als aktive Tiefpässe (bzw. aktive Filter) bezeichnet.
Durch das Hintereinanderschalten von mehreren Tiefpässen, kann man dessen Ordnung erhöhen. Zwei hintereinandergeschaltete Tiefpässe 2. Ordnung bilden z. B. einen Tiefpass 4. Ordnung. Es verhält sich aber nicht so, dass 2 Tiefpässe mit einer Grenzfrequenz zusammengeschaltet einen Tiefpass höherer Ordnung derselben Grenzfrequenz ergeben. Für die Dimensionierung eines Tiefpasses mit gewünschter Grenzfrequenz stehen allerdings spezielle Formeln und Tabellen zur Verfügung.
Zusätzlich tritt das Problem auf, dass ein Tiefpass der Kette vom Ausgangswiderstand des vorgeschaltenen und dem Eingangswiderstands des nachgeschalteten Tiefpasses beeinflusst wird. Diesem Effekt kann mit Impedanzwandlern entgegengewirkt werden.
Allgemein werden für ein Filter n-ter Ordnung n speichernde Elemente (also Kondensatoren oder Spulen) benötigt.
Die Dämpfung eines Tiefpasses n-ter Ordnung nimmt oberhalb der Grenzfrequenz mit n·20 dB/Dekade zu.
Bei der statischen Frequenzgangveränderung, der Emphasis und der Deemphasis wird anstatt der Grenzfrequenz üblicherweise die Zeitkonstante angegeben *.
Elektrische Filter | Tontechnik
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