Der Tidenhub ist ein Maß für die Wasserstandsänderungen während einer Tide. Im Gegensatz zu Hochwasser (HW) und Niedrigwasser (NW), deren Höhe jeweils von Normal-Null (NN) aus gerechnet werden, stellt der Tidenhub den arithmetischen Mittelwert aus Tidenstieg (TS) und Tidenfall (TF) einer Tide dar.
Tidenstieg (TS) und Tidenfall (TF) berechnen sich aus der Differenz zwischen Hochwasserhöhe (HWH) und vorangegangener/nachfolgender Niedrigwasserhöhe (NWH). Der zeitliche Verlauf des Wasserstandes zwischen Niedrigwasser (NW), Hochwasser (HW) und darauf folgendem Niedrigwasser ergibt die Tidenkurve.
Der Tidenhub ist zum einen abhängig von der Stellung von Mond und Sonne zur Erde (Nipptide und Springtide). Durch auflandige Winde kann der Tidenhub deutlich erhöht werden und im Extremfall zu einer Sturmflut führen.
Außerdem hat der Verlauf der Küste, bzw. die Form des Meeres beträchtlichen Einfluss. So beträgt der Tidenhub in der westlichen Ostsee nur ca. 30 cm, an der deutschen Nordseeküste um 2-3 Meter.
In den Ästuaren der tidebeeinflussten Flüsse, z. B. Elbe, und Weser beträgt der Tidenhub aufgrund der Trichterwirkung bis über 4 Meter. Noch höher ist der Tidenhub beispielsweise bei St. Malo in Frankreich oder in der Severn-Mündung und im Bristol-Channel zwischen Wales und England, er kann dort über 8 Meter erreichen. Besonders hohe Tidenhübe gibt es auch an der Ostküste Nordamerikas: der wahrscheinlich größte Tidenhub der Erde findet sich an der Bay of Fundy in Kanada, zwischen den kanadischen Provinzen Neubraunschweig und Neuschottland. Dort wird das Wasser des Atlantischen Ozeans in eine Meerenge geschleust, so dass die Gezeiten zweimal am Tag einen Tidenhub von bis zu 15 Metern Höhe hervorrufen.
Der Tidenhub kann in Gezeitenkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt werden. Dies geschieht beispielsweise seit über 40 Jahren in Frankreich an der Mündung der Rance im Golf von Saint-Malo.
Ausbaumaßnahmen in Tideflüssen können zu einer Erhöhung des Tidenhubes führen. Ausschlaggebend ist dabei die Beschleunigung des Tidenstromes. Dabei wird in der Regel sowohl das Niedrigwasser abgesenkt als auch - meist in geringerem Umfang - das Hochwasser erhöht. So haben die Ausbaumaßnahmen der Unterelbe in den letzten 50 Jahren zu einer Erhöhung des mittleren Tidenhubes beim Pegel St. Pauli von 1,50 Meter im Jahr 1840 auf über 3,60 Meter (2003) geführt.
Der Tidenhub ist Ursache für ein besonderes Biotopsystem an den tidebeeinflussten Meeres- und Flussufern, dem Watt. Es stellt den Bereich einer Küste dar, der zweimal täglich bei Niedrigwasser trockenfällt und bei Hochwasser überflutet wird.
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