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Der Thymus (latinisiert von griechisch θύμος, deutsch auch Bries) ist ein Organ des Lymphsystems von Wirbeltieren. Er befindet sich beim Menschen im oberen, bei Säugetieren mit horizontaler Körperorientierung entsprechend im vorderen Mediastinum. Bei einigen Säugetieren (z. B. Paarhufer, Meerschweinchen) erstreckt sich der Thymus auch über den gesamten Hals, bei Vögeln ist er ausschließlich im Halsbereich ausgebildet.
Aufbau und Funktion
Der Thymus ist ein lymphoepitheliales Organ.
Histologisch lassen sich im Thymus Läppchen (
Lobuli thymici) mit
Rinde und
Mark unterscheiden. Die T-
Lymphozyten-Vorläufer wandern aus dem
Knochenmark über die
Blutbahn in die Läppchenrinde ein. Sie durchlaufen das Läppchen von außen nach innen und machen dabei eine Reifung durch. Zunächst entstehen durch zufällige
Rekombination Lymphozyten gegen alle möglichen Zielmoleküle. Eine
Blut-Thymus-Schranke verhindert den Kontakt zu körpereigenen
Antigenen. Die
Klone von Lymphozyten, die das körpereigene
MHC-Molekül erkennen können, werden dann vermehrt - alle anderen Klone werden in den programmierten Zelltod geschickt (
positive Selektion). Das Erkennen des körpereigenen
MHC-Moleküls in Kombination mit körperfremden Antigen löst später die spezifische Immunabwehr aus. Im zweiten Schritt werden T-Lymphozyten, die gegen körpereigene
Antigene gerichtet sind, aussortiert (
negative Selektion). Dadurch haben T-Lymphozyten eine
Selbsttoleranz gegenüber körpereigenem Gewebe, greifen dieses also nicht an. Vom Mark wandern die ausdifferenzierten T-Lymphozyten über das Blut in die sekundären
lymphatischen Organe, wo sie sich bei Bedarf vermehren.
Da der Thymus nur der Primärentwicklung der T-Lymphozyten dient, wird er zusammen mit dem Bursaäquivalenten Organ als primäres oder zentrales lymphatisches Organ bezeichnet.
Involution
Nach der Ausbildung eines umfangreichen Reservoirs an gegen spezifische Antigene gerichteten T-Lymphozyten ist der Thymus nicht mehr notwendig, denn die Vermehrung der einzelnen T-Lymphozyten-Klone erfolgt, falls entsprechende Antigene in den Körper gelangen, in den T-Lymphozyten-Regionen der sekundären lymphatischen Organe (z. B. Paracortex im
Lymphknoten, PALS der
Milz). Mit Einsetzen der
Pubertät bildet sich der Thymus zurück (
Involution), so dass bei Erwachsenen nur noch ein
Thymusrestkörper bzw.
retrosternaler Fettkörper übrig bleibt, der hauptsächlich aus
Fettgewebe besteht.
Thymektomie
Eine Entfernung des Thymus (
Thymektomie) bei
Feten oder sehr jungen Tieren oder Menschen führt dazu, dass kein funktionierendes
Immunsystem aufgebaut werden kann, denn T-Lymphozyten spielen darin eine zentrale Rolle.
Thymus als Lebensmittel
Der Thymus vom
Kalb wird als
Kalbsbries oder
Milken (schweizerisch) als Spezialität angeboten. In der gehobenen
Gastronomie wird es gerne in Kombination mit
Gänseleber und Kurzgebratenem benutzt.
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