Thorstein Bunde Veblen (* 30. Juli 1857 in Cato, Wisconsin; † 3. August 1929 in Menlo Park, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Ökonom und Soziologe norwegischer Abstammung.
Unstet wie sein Privatleben sind auch seine weiteren, immer neuen wissenschaftlichen Anstellungen. Wegen unklarer außerehelicher Beziehungen muss er 1906 auf Druck seiner Frau Chicago verlassen. Darunter litt sein Ruf nachhaltig, galt er seitdem doch (fälschlich) als unwiderstehlicher Frauenheld und womanizer. Von Ende 1906 bis 1909 unterrichtet er Ökonomie an Stanford University und von 1911 bis 1918 an der University of Missouri in Columbia. In diese Zeit fällt die Scheidung von seiner ersten Frau 1914. Seine zweite Frau, die er seit 1904/05 kennt, heiratet er noch 1914. Sie stirbt bereits 1920.
Zwischen 1918 und 1926 unterrichtet er als einer der Gründerväter an der New School for Social Research (New York). Zwischen 1918 und 1919 fällt die Periode seiner größten öffentlichen Wirksamkeit als Herausgeber des New Yorker radikalen Literaturmagazins 'The Dial'.
Am 3. August 1929 stirbt Veblen in Menlo Park, Kalifornien, einsam in einer Holzhütte, in der er seit 1927 lebt, an Herzversagen.
Als einer der ersten Sozialwissenschaftler analysierte er das komplexe Beziehungsgefüge zwischen Güterverbrauch und gesellschaftlichem Wohlstand. Nationalökonomie könne nur eingebettet in einem institutionellen Rahmen gewichtet und verstanden werden. Die ökonomischen Prozesse von Produktion, Distribution und Konsumption müßten im Kontext der Reproduktion von Institutionen, von Glaubenseinstellungen, Geschlechter- und anderen Verhaltensweisen verortet werden.
Unter dem Druck ökonomischer, globalisierender Prinzipien sei die industrielle Entwicklung ("Maschinerie") von solchen Wirtschaftsführeren dominiert, die ihre rein ökonomische Ziele verfolgen, die er als räuberisch qualifizierte. Diese müssten künftig durch eine "neue Funktionselite" ("social engineers") abgelöst werden, um den Fortschritt auf den materiellen Vorteil der gesamten Gesellschaft zu fokussieren.
Er entwickelte in den drei Büchern "Theory of the Leisure Class", "Theory of Business Enterprise" und "Instinct of Workmanship ...", eine Gesellschaftstheorie, die in der englischsprechenden Welt eine gewisse Berühmtheit erlangte, insbesondere wegen ihrer beredsamen und beißenden kritischen Analyse der Oberklasse (Geltungskonsum, Freizeitverhalten, Schmarotzertum, demonstrativer Müßiggang, "Workmanship"). Diese Analyse hob sich deutlich vom Mainstream seiner Zeit ab. Vielen Zeitgenossen in den U.S.A. galt er als "gefährlich", wegen seines unklaren - von ihm offen gelassenen - Verhältnisses zum Marxismus-Leninismus ab 1918, als er durch eine Reihe von Leitartikeln Aufmerksamkeit erregte. Ein geplanter Aufenthalt in der Sowjetunion scheiterte am frühen Tod von Lenin (1924). Seine Bedeutung für die Entwicklung der Nationalökonomie, vor allem jedoch der Soziologie, ist noch nicht abschließend analysiert. Groß war sein Einfluss in Amerika sowohl auf Zeitgenossen als auch auf spätere Generationen von Sozialwissenschaftlern. Außerhalb Amerikas blieb er zunächst weitgehend unbekannt.
Coser zählt ihn heute zu den Klassikern der Soziologie.
Siehe auch: Vebleneffekt.
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