Das Thorner Blutgericht bezeichnet die Hinrichtung des Bürgermeisters und mehrerer Bürger der Stadt Thorn durch die polnische Regierung am 7. Dezember 1724.
Die Vorgeschichte
Thorn hatte
1558 die Religionsfreiheit erlangt und war im wesentlichen
protestantisch. Im Zuge der
Gegenreformation kamen jedoch
Jesuiten in die Stadt und eröffneten eine
Schule. Zwischen ihren Schülern und protestantischen
Gymnasiasten gab es wiederholt Reibereien. Anlässlich der
Fronleichnamsprozession am
16. Juli 1724 stürmten Protestanten das Jesuiten
kloster und verwüsteten es.
Die Ereignisse
Die polnische Regierung des protestantischen
Konvertiten
August des Starken, aus dem Haus der
Wettiner, ließ daraufhin den Bürgermeister Roesner sowie neun weitere Bürger - nachdem sie die Bekehrung abgelehnt und Fluchtmöglichkeiten nicht genutzt hatten -
hinrichten und verfügte, nachdem Jesuiten und
Benediktinerinnen schon zuvor zwei der drei Stadtkirchen in Besitz genommen hatten, die Herausgabe auch der letzten protestantischen
Kirche, der Marienkirche, an die
Franziskaner. Noch am Tag der Hinrichtung wurde in der Marienkirche die nach der Reformation erste katholische Messe festlich gefeiert. Zudem musste der Rat der Stadt künftig mehrheitlich mit Katholiken besetzt sein.
Die Nachwirkungen
Die Hinrichtung erregte europaweit Aufsehen und fand ihren Niederschlag in über 165 Flugschriften und Hunderten von Zeitungsartikeln.
Preußen versuchte die religionsverwandte Minderheit in Polen für einen Anschluss der betroffenen Gebiete zu instrumentalisieren.
England entsandte einen Sondergesandten an den
Deutschen Reichstag und den
Warschauer Hof. Die Ereignisse in Thorn beeinträchtigten das Bild Polens in
Europa erheblich. Noch bei der späteren Teilung Polens prangerte
Voltaire unter Hinweis auf die Ereignisse von 1724 die religiöse Intoleranz der Polen an und pries die russische Armee als „Trägerin der
Zivilisierung Polens“.
Literatur
Außer in zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen wurde das Thorner Blutgericht auch literarisch behandelt, u. a. von:
- Ewald: Das betrübte Thorn. Erzählung aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts. 1826
- Krieger, Arnold: Empörung in Thorn. Weichseldeutscher Roman 1939
- Pederzani-Weber, Julius: Das Thorner Blutgericht. Erzählung um 1910
- Prowe, Adolf: Das Thorner Blutgericht. Eine Erzählung 1866
- Strobl, Karl Hans: Der dunkle Strom. Roman 1922
- Wichert, Ernst: Die Thorner Tragödie. Roman 1902
Weblinks
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