Thorn (polnisch: Toruń *) ist eine polnische Großstadt und ist neben Bydgoszcz eine der beiden Hauptstädte der Woiwodschaft Kujawien-Pommern in Polen. Sie liegt an der Weichsel, rund 180 km nordwestlich der polnischen Hauptstadt Warschau. Die Stadt hat rund 213.000 Einwohner, Chemieindustrie und ist Eisenbahnknotenpunkt mit Rangierbahnhof. Berühmt ist sie vor allem für ihre Altstadt im Stil der norddeutschen Backsteingotik.
Geschichte
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Torun-palac-dambskich.jpg in Thorn]]
Die Stadt Thorn wurde
1231 im preußischen damals vorwiegend von
Pruzzen bewohnten
Kulmerland als erste Stadt unter Verwaltung des
Deutschen Ordens gegründet. Den ersten Grundstein zu der Stadt legte der
Landmeister Hermann von Balk 1231.
Niedersächsische Einwanderer aus
Westfalen bevölkerten die Stadt, die am
22. Dezember 1233 das unter dem Namen der
Kulmischen Handfeste bekannte Privilegium erhielt. Der Deutsche Orden war vom Kaiser
Friedrich II. und vom
Papst als Herrschaft (Regierung) eingesetzt worden, um die noch
heidnischen Prussen, einen
baltischen Volksstamm, (gewaltsam) zu
christianisieren.
1260 wurde das Stadtschloss erbaut.
Ihren Namen erhielt die Stadt angeblich nach der Festung „Toron“ im Heiligen Land (heute Tibnin/Tebnine im Libanon). Laut alten Dokumenten heißt die Stadt Thoren, worauf auch das Stadtwappen (ein T(h)or) hinweist.
Im 14. Jahrhundert trat Thorn dem Hansebund bei und wurde somit Hansestadt. (siehe auch Elbing, Danzig, Königsberg und Kulm). 1367 trat Thorn der Kölner Konföderation von Hansestädten bei. 1411 wurde der Erste Thorner Frieden zwischen dem polnischen König Wladislaw II. und dem Deutschen Orden geschlossen, 1454 das Schloss zu Thorn vom Preußischen Bund erobert und von seinen Bürgern zerstört. Am 19. Oktober 1466 wurde der Zweite Thorner Frieden mit dem Deutschen Orden geschlossen; danach kam die Stadt mit ihren Bürgern an das Haus von König Kasimir IV. und seiner Ehefrau Elisabeth von Habsburg. Thorn und die Städte Danzig und Elbing wurden als „Quartierstädte“ des Hansebundes kleine Freistaaten. 1473 wurde der berühmteste Sohn der Stadt, der spätere Astronom Nikolaus Koppernigk (Kopernikus), als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren; die Familie Koppernigk gehörte zur deutschen Mehrheitsbevölkerung. Der preußische Geschichtsschreiber Christoph Hartknoch war Direktor am Thorner Gymnasium.
Der Waffenstillstand mit dem polnischen Königshaus zu Thorn am 5. April 1521 gewährte dem preußischen Hochmeister Albrecht von Brandenburg vier Jahre Ruhe bis zum berühmten Krakauer Frieden.
Mit der Auflehnung der preußischen Stände gegen den Katholizismus wurde Thorn (und mithin der größte Teil Preußens) lutherisch (evangelisch). 1557 nahmen Rat und Bürgerschaft die Reformation an. Die Marienschule wurde 1558 zu einem Gymnasium erhoben. Auf Veranlassung des Schwedisch-polnischen Königs Wladyslaw IV. Vasa wurde 1645 unter Ossolinskis Vorsitz das sog. Colloquium charitativum zur Versöhnung der Katholiken und Dissidenten, woran auch Georg Calixt teilnahm, veranstaltet. Streitigkeiten, welche am 16. Juli 1724 zwischen den Jesuitenzöglingen und den Schülern des protestantischen Gymnasiums bei Gelegenheit der Fronleichnamsprozession entstanden, hatten einen Tumult zur Folge, wobei das Jesuitenkloster gestürmt und verwüstet wurde. Das polnische Herrscherhaus leitete ein ungesetzliches Verfahren ein und ließ danach den Stadtpräsidenten Rößner nebst neun Bürgern am 7. Dezember 1724 enthaupten (Thorner Blutgericht) und bestimmte, dass der Magistrat künftig zur Hälfte aus Katholiken bestehen müsse und die Marienkirche den Katholiken zu übergeben sei.
Torun-Nowy-Rynek.jpg | 1793, nach der zweiten Teilung Polens, kam Thorn zusammen mit Danzig zum Königreich Preußen und zum Freistaat Preußen. Durch den Frieden von Tilsit 1807 gehörte es zeitweise zum Großherzogtum Warschau (1795-1815 an Preußen). Am 16. April 1813 kapitulierte die französische Besatzung Thorns vor ihren russischen und preußischen Belagerern, die die Stadt zuvor 8 Tage lang beschossen hatten. Durch die Wiener Kongressakte von 1815 kam es wieder zu Preußen zurück; ab 1818 wurde es mit Festungswerken versehen.
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Zum Ende des 19. Jahrhunderts erlebte Thorn nach dem Bau der Ostbahn einen wirtschaftlichen Aufschwung. Eine sehr beliebte Spezialität waren die Thorner Kathrinchen (Pfefferkuchen). Im Jahr 1885 hatte Thorn mit der Garnison 23.906 - meist evangelische - Einwohner. Die Einwohnerzahl wuchs bis zur Volkszählung von 1910 auf 46.000, davon 66 Prozent Deutsche und 34 Prozent Polen.
Nach Ende des 1. Weltkrieges kam Thorn 1920 ohne Volksabstimmung durch den Versailler Vertrag zu Polen. Zwischen den Weltkriegen lag Thorn im sogenannten polnischen Korridor zwischen dem deutschen Reichsgebiet und Ostpreußen. In dieser Zeit war Thorn Hauptstadt der Provinz (Woiwodschaft) Pomerellen. Der Anteil der Deutschen in der Stadt sank auf 4 Prozent im Jahre 1939.
Im 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945 gehörte die Stadt zum Deutschen Reich als Reichsgau Danzig-Westpreußen; nach 1945 zur Volksrepublik Polen. Die deutsche Bevölkerungsgruppe wurde vertrieben. Erst seit dieser Zeit wird die Stadt ausschließlich von Polen bewohnt.
Thorn ist seit 1978 die Partnerstadt von Göttingen und seit 2003 von Swindon (Großbritannien).
1997 wurde die mittelalterliche Stadt von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Seit 1999 ist Thorn Sitz des Landtages der Woiwodschaft Kujawien-Pommern (der Woiwode hat seinen Sitz in Bydgoszcz).
Siehe auch: Geschichte Polens
Kultur und Sehenswürdigkeiten
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- Mittelalterliche Altstadt, Weltkulturerbe der UNESCO. Der gesamte mittelalterliche Gebäudekomplex historisch gesehen wird in die Alt- und die im 13. Jh. als eine Handwerkersiedlung entstandene Neustadt geteilt. Dazwischen liegt das Schloss des Deutschen Ordens. 1246 erhielt die Neustadt Stadtrechte. Später wurde sie an die Altstadt eingemeindet. Folgende Bauten sind bemerkenswert:
- Rathaus auf dem Altstadtmarkt als Backsteingotik wurde im 13. Jh. errichtet und im Laufe der Jahren bis in 18. Jh. im Barokstil umgebaut. Früher war es ein Verwaltungs- und Handelszentrum, gegenwärtig befindet sich dort das Heimatmuseum. Zum Rathaus gehört ein 40 Meter hoher Turm, der zur Stadtbesichtigung zugänglich ist. Vor dem Rathaus befindet sich Nicolaus-Kopernicus-Denkmal.
- Kirchen, von denen einige:
- Der Dom des Heiligen Johannes des Täufers und des Heiligen Johannes des Evangelisten vom 13. Jh. ist das eine von den ältesten Sakralgebäuden im Kulmerland. Schon immer war diese Kirche die wichtigste in der Stadt. Zunächst als Pfarrkirche der Toruner Altstadt, dann als Hauptgotteshaus der vereinigten Alt- und Neustadt und schließlich als Dom der neu eingerichteten Toruner Diözese. Auch hier wurde Nicolaus Copernicus getauft. Im 14. und 15. Jahrhundert wurde die Kirche fortlaufend ausgebaut. Die Arbeiten wurden kurzweilig unterbrochen, weil ein Brand einen Teil des Gotteshauses im 1351 zerstörte. An dem Nord- und Südschiff wurde eine Reihe der Kapellen angebaut. Auf diese Weise wurde die Kirche verbreitert und verlängert bis zur Länge von 56,2 Meter. Es wurde nämlich eine Arkade an der Westseite und ein Turm angebaut. Die Höhe dieses Gotteshauses wurde zum gegenwärtigen Zustand erhöht (27,3 Meter). Im 1406 ist der Kirchenturm abgestürzt. Bald begann man den Bau des neuen Turmes von der Höhe 52 Meter. Die Arbeiten an dem Bau wurden vom Meister Johann Gotland bis 1433 geführt. Im 15. Jahrhundert wurde der Baukörper der Kirche, der mit seiner Größe und Dekorationfülle imponiert, endgültig gestaltet. Charakteristisch ist auch der Klang der Kirchenglocke, die 1500 in Toruner Glockengießerei gegossen wurde und "Tuba Dei" genannt wird. Sie ist ziemlich gross: Durchmesser 2,17 Meter, Gewicht 7200 Kilogramme. In der Zeit von 1530 bis 1583 wurde die Pfarrkirche von den Protestanten übernommen worden. Während nächsten 13. Jahren war sie von Katholiken und Protestanten gemeinsam benutzt. In diesen Jahren wurde das Innere der Kirche verputzt und übertüncht. Damals wurden die Religionswandgemälden von 14. und 15. Jh. verwischt. Gegenwärtig sind die Gemälde teilweise abgedeckt (hauptsächlich im Presbyterium und an der Ostwand). Sie zeugen von dem Reichtum der mittelalterlichen Ausschmückung der Wände. Als Eingang in die Kirche dient die mit einer zierlichen Ziegel-Attika geschmückte Nordvorhalle. Im innen sehen wir gewaltige Kirchenschiffe, die hoch oben aufgehängten Sterngewölbe und den Reichtum der Innenausstattung. Einige Sehenswürdigkeiten des Doms:
- Kapelle des Maria Einschlafens, sog. Kapelle von Copernicus.
- Kapelle des St. Stanislaus Kostka; Spätbarockaltar, 1719, mit Gemälde der Anbetung der Muttergottes mit dem Christkindchen von St. Stanislaus, welches Bartholomäus Strobel 1634 angefertigt hat.
- Bunt-Glas-Fenster nach mittelalterlichem Vorbild vom Toruner Künstler Edward Kwiatkowski in Jahren 1949-1951 gestaltet. Es wurden einige Überbleibsel der gotischen Verglasung eingesetzt. Im Oberteil des Fensters (d.h. im Maswerk) sind einige ursprüngliche Bestandteile der mittelalterlichen Verglasung erhalten geblieben.
- Gemälde auf der Nordwand über dem Eingang in die Sakristei, um 1380-1390, stellt das Jüngste Gericht gemeinsam mit der Kreuzigung dar: oben Gott Vater inmitten Engel verschiedener Würde, den Satan siegender Erzengel Michael und die erlösenen Seelen zum Himmel annehmender St. Peter; unten Auferstehung der Toten und Hölle; in der Mitte Kruzifix als ein lebendes Kreuz und der von der Patriarch-Brust herauswachsender Jesse-Baum; seitlich Maria, St. Johannes, Frauen, altrömischer Zenturio. Verkörperungen der Kirche und der Synagoge, Tugenden und Sünden. Mater Misericordiae, Begegnung drei Lebenden und drei Verstorbenen. Es ist ein bedeutendes Kunstwerk mit besonders vielen bildlichen Andeutungen.
- Marienkirche vom 14. Jh. mit vorzüglichen Wandgemälden, dort befindet sich auch das Grabmal vom 1636 der schwedischen Königstochter, also Prinzessin von Schweden Anna Wasa (* 7. Mai 1568; † 26. Februar 1625), Schwester des polnischen und schwedischen Königs Sigismund III. Waza.
- Jakobskirche als Pfarrkirche der Neustadt 1309 errichtet.
- verschiedene Kornspeicher vom 14. bis 17. Jh., darunter Esken-Haus Czerwony Spichrz, Sitz der angesehenen Thorner Familie.
- Stadtmauer von 13. und 14. Jh. mit einigen Bastaeien, Türmen und Stadttoren.
- Befestigungsringe um die Stadt herum von 1824 und 1910.
- Teatr im. Wilama Horzycy, erbaut 1903-1904 als Stadttheater von dem damals im mitteleuropäischen Theaterbau führenden Wiener Architektenbüro Fellner & Helmer, 842 Plätze
- Es gibt ein regelmäßiges Musikfestival Probaltika, unterdessen jedes Jahr im Mai die Konzerte und Ausstellungen stattfinden.
- Im Sommer wird auch ein anderes Musikfestival, das Musik und Architektur genannt wurde, organiesiert. Die Konzerte werden an den schönsten Stellen von Torun vorgeführt, u.a. im Bürgerhaus Unter dem Stern am Altstadtmarkt, im Rathaus, im Artushof sowie in den Kirchen.
- In Thorn sind verschiedene Museen vorhanden, die wichtigsten seien:
- Heimatmuseum befindet sich im Altstadtrathaus Muzeum Okręgowe - Ratusz Staromiejski, Adresse: Rynek Staromiejski 1, Tel. 0 56 62-270-38, 056 62-236-84
- Zum Heimatmuseum gehören auch folgende Sehenswürdigkeiten in der Stadt:
- das zerstörte Schloss des Deutschen Ordens Ruiny Zamku Krzyżackiego in der Przedzamcze-Straße,
- Kopernikus-Haus Dom Kopernika in der Kopernika-Straße 15/17, Tel. 056622-67-48
- Esken-Haus war ein Sitz der angesehenen Thorner Bürgerfamilie. Die Familie wurde von Erasm Esken, der im 15. Jahrhundert aus Friesland nach Thorn gekommen war, gegründet.
- Völkerkunde-Museum Muzeum Etnograficzne mit einem Artillerie-Zeughaus von 1824 am Rande der Altstadt in einer Grünanlage, also es ist eine Freiluftsammlung von historischen bäuerlichen Holzgebäuden überwiegend in 18. und 19. Jh. in Pommern entstandenen und jetzt hier gebrachten. Adresse: Wały gen. Sikorskiego-Straße 19, Tel. 056 622 80 91, 056 622 89 43, fax 056 622 89 44
- Universitätsmuseum für Naturkunde in der Gagarina-Straße 9, stellt folgende Ausstellungen vor:
- Fauna- und Florasammlungen mit Exponaten aus aller Welt,
- Erdgeschichte,
- Zoologie mit Tierexponaten, unter anderem eine Überseefischzucht von der Familie Cichlidae.
- In der Nähe von Thorn, in der Ortschaft Piwnice, befinden sich zwei Radioteleskope und zwar eines mit 15 Metern Durchmesser, welches 1976 errichtet wurde und eines mit 32 Metern Durchmesser, welches 1987 errichtet wurde. Letzteres wird auch im Rahmen von VLBI-Beobachtungen eingesetzt.
Wirtschaft und Infrastruktur
Ansässige Unternehmen
- Krajowa Spółka Cukrowa hat seinen Sitz in der Stadt und ist einer der größten Zuckerproduzenten Polens mit einem Produktionsanteil von 39,4% in der Saison 2004/2005.
Persönlichkeiten
- Nikolaus Kopernikus 1473-1543, Astronom
- Christoph Hartknoch 1644-1687, Historiker
- Christian Wernicke 1661-1725, Poet
- Samuel Thomas Soemmerring 1755-1830, Arzt (Anatom), Anthropologe, Paläontologe und Erfinder
- Samuel Bogumił Linde 1771-1847, Sprachforscher, Lexikograph und Bibliothekar
- Julie Wolfthorn 1864-1944, Malerin
- Kazimierz Serocki, 1922-1981, Komponist
- Leon Raszeja, Stadtpräsident 1936-1939
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Weblinks
- Allgemein
- Thorn auf Landkarten von Preußen
- Radioteleskop
- http://www.astro.uni.torun.pl/~kb/HandbRT15/HandbookRT15.htm
- http://www.astro.uni.torun.pl/~kb/HandbRT32/ChapterII.htm
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