Die "THOMAS W. LAWSON" war der größte Schoner, der einzige Siebenmastgaffelschoner und auch der einzige Siebenmaster überhaupt in neuer Zeit (s. Zheng He). Sie war einer der wenigen Riesenschoner aus Stahl zu seiner Zeit. Mit einer Vermessung von 5.218 BRT / 4.914 NRT war er nach der späteren FRANCE II und der R. C. RICKMERS das drittgrößte Segelschiff der Welt beziehungsweise das zweitgrößte, wenn man nur reine Segelschiffe zählt. Sie war der größte Segler der Welt, der nie einen Hilfsantrieb besaß, die PREUSSEN war das zweitgrößte Schiff dieser Art.
Die Zeit der großen Schoner (Sechsmaster) begann am 14. August 1900, als in Camden, Maine, bei Holly M. Bean der erste Sechsmastgaffelschoner aus Holz, die GEORGE W. WELLS von Stapel lief. Es sollten noch acht Sechsmaster aus Holz an der Ostküste folgen, darunter als letzter 1909 bei Percy & Small, Bath, Maine, die WYOMING, das mit 137 m (Lüa) beziehungsweise 108 m (Rumpflänge) längste Holzschiff der Welt.
Benannt wurde das Schiff, wie bei amerikanischen Seglern oft üblich, nach einer prominenten Person, hier nach dem damaligen Präsidenten der Bay State Gas Co. in Delaware, Thomas William Lawson (26. Februar 1857 - 8. Februar 1925) aus Boston, Massachusetts (Mass., MA.). Th. W. Lawson schrieb seinerzeit (1905) ein Buch "Finanzwahnsinn" (orig.: "Frenzied Finance"), das viel Furore machte.
Der Stahlschoner konnte maximal 11.000 t über sechs Großluken laden. Der hohe Tiefgang erlaubte es jedoch nicht, die kaum ausgebauten Ostküstenhäfen außer Newport News, Virginia (VA.), anzulaufen, daher erfolgte eine Verringerung der Ladung auf etwa 7.600 t.
Seine Besatzung betrug max. nur 18 Mann (Kapitän, Maschinist für die Dampfanlage für Ruder und Dampfwinden zum Heißen der Segel, Steward, 2 Steuerleute, max. 13 Seeleute). Nach einigen Quellen betrieb die Dampfanlage Generatoren, die wiederum die über fünfzehn (!) elektrischen Winden mit Strom versorgten.
Im Gegensatz zu den europäischen Fünfmastrahseglern vergleichbarer Größe war sie nach dem Urteil mancher Seeleute und Marineautoren ein sehr schwerfälliges und wenig schönes Schiff (es gab Vergleiche mit einer Badewanne und einem gestrandeten Wal). Sie soll allein mit dem Rigg ohne Segel, also vor Top und Takel, ~ 13 kn bei achterlichem Sturm gemacht haben. Den brauchte sie auch, um nicht aus dem Ruder zu laufen. Sie war schwer zu navigieren, Segelmanöver wurden oft auf den Wachwechsel verschoben, da die Riesensegel für die kleine Mannschaft eine extreme Belastung darstellten. Der Eigner erhoffte sich von diesem großen Schoner einen wirtschaftlichen Gewinn: viel Ladung mit wenig Besatzung in kurzer Zeit zu transportieren. Beides realisierte sich wegen der reduzierten Auslastung und den problematischen Segeleigenschaften (zu völliges Unterwasserschiff, ungünstiger Segelplan, geringe Besatzung) nicht. Dennoch war die THOMAS W. LAWSON eine imposante Erscheinung, trotz oder wegen der sechs gleichen Masten und dem siebten mit einem deutlich größeren Gaffelsegel.
Mit "spanker" wurde meist das letzte und größte Segel auf den amerikanischen drei- und mehrmastigen Schonern bezeichnet.
Unter dem Kommando von Kapitän George Washington Dow lichtete die THOMAS W. LAWSON am 20. November 1907 in Philadelphia die Anker zu ihrer ersten Transozeanfahrt über den Atlantik mit Ziel London. Sie fuhr in Charter für die Sun Oil Co. eine Ladung Rohöl oder Schmieröl. Die Angaben differieren zwischen 2,25 Mill. und 2,52 Mill. Gallonen (53.571 bis 60.000 Barrel). Nach stürmischer Überfahrt (Schäden am Rigg, Verlust fast aller Rettungsboote, Wassereinbruch in Luke Nr. 6, verstopfte Pumpen) geriet sie nahe der Scilly-Inseln in Nebel, möglicherweise gab es Probleme mit der Positionsbestimmung (Koppelnavigation). Der Schoner fand sich südwestlich der Inselgruppe nahe dem Leuchtturm "Bishop Rock" in einem extrem gefährlichen Seegebiet mit nordöstlichem Kurs am 13. Dezember am frühen Nachmittag. Kapitän Dow ließ die LAWSON vor beide Buganker (je 5 t schwer) mit 150 Faden (274,3 m) Backbordankerkette und 90 Faden (164,6 m) Steuerbordankerkette legen in der Nähe des Hellweather’s Reef.
Von zwei Inseln wurde das große Schiff beobachtet und Seenotrettungsboote klar gemacht. Der Leuchtturmwärter feuerte Signalraketen ab. Sturm kam auf, derweil der Lotse vom inzwischen ausgelaufenen Rettungsboot an Bord genommen wurde. Angebote seitens des Rettungsbootführers von St. Agnes, das Schiff aufzugeben, wies Kapitän Dow mit der Bemerkung zurück, er benötige nur einen Lotsen. Das Schiff blieb zunächst stabil vor Anker, als in der Nacht der Sturm stärker wurde. Nach Mitternacht gegen 2:30 Uhr am 14. Dezember 1907 verschwanden die Lichter des Schoners und der untrügliche Geruch von Rohöl lag in der Luft. Der Sturm war auf Orkanstärke angestiegen, die Gewalt der See ließ die Backbordankerkette brechen, der Schoner schwang gewaltig hin und her, den Steuerbordanker slippend. Kapitän Dow befahl alle Mann (mit Rettungswesten) in die Riggen. Das Schiff wurde durch den immensen Seegang mit ungeheuerer Wucht steuerbordseitig auf einen Felsen geworfen. Alle sieben Masten knickten ab und stürzten ins Meer, das Schiff brach hinter dem sechsten Mast auseinander, kenterte und sank.
Kapitän Dow gelangte ins Wasser und versuchte schwimmend das Ufer zu erreichen. Frederick Hicks, der Sohn des Lotsen, zog ihn verletzt und erschöpft ins Seenotrettungsboot. Auch dem Maschinisten Edward Rowe gelang es Land zu erreichen. Ein dritter Seemann, George Allen aus Battersea, konnte gerettet werden, starb aber am Sonntag (15. Dezember) an Land an seinen schweren inneren Verletzungen. Viele Seeleute wurden mit dem Rigg unter Wasser gedrückt, ertranken trotz Rettungswesten in der hochlaufenden See, wurden gegen die Riffe geschmettert oder kamen durch das Öl um, das sich auf dem Wasser ausbreitete. Auch der bereits an Bord befindliche Lotse William Thomas "Cook" Hicks aus St. Agnes kam ums Leben. Nur fünf tote Seeleute konnten später aus dem Meer geborgen werden. Unter ihnen wurden der Steward Mark Sampson, ein schwedischer Seemann namens Viktor Hansell, ein deutscher Seemann, Georg Bosinke, identifiziert. Zwei weitere Opfer wurden als Torsi geborgen, deren Identität nicht festzustellen war. Alle sechs Toten wurden auf dem Friedhof von St. Mary's begraben, wo auch die Opfer der SCHILLER-Katastrophe (deutscher Segeldampfer, etwa 370 Tote) von 1875 beigesetzt wurden. Insgesamt starben 17 Mann, 16 Seeleute der LAWSON und der Lotse Wm. Hicks. Das Unglück war eine der ersten, wenn nicht die erste Ölkatastrophe auf See.
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