Thomas Ruggles Pynchon, Jr. (* 8. Mai 1937 in Glen Cove auf Long Island, New York), ist ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der literarischen Postmoderne.
Pynchon wurde 1937 in Glen Cove auf Long Island als Sohn von Thomas Ruggles Pynchon, Sr. und Katherine Frances Bennett Pynchon geboren. Nach Abschluss der Oyster Bay High School im Jahre 1953 studierte er zunächst Physik, später englische Literatur an der Cornell-Universität, wo er Schüler von Vladimir Nabokov war. Während sich Nabokov selbst nicht an seinen prominenten Schüler erinnern konnte, wußte Nabokovs Frau von Pynchons markanter Handschrift, die Schreib- und Druckbuchstaben vereint, zu berichten. Während seiner Studienzeit war Pynchon mit Richard Fariña befreundet, zu dessen Roman "Been Down So Long It Looks Like Up To Me" (1966) er 1983 ein Vorwort verfasste.
1955 unterbrach er das Studium, um zwei Jahre bei der US Navy zu dienen. Nach seinem Abschluss 1958 lebte er ein Jahr im New Yorker Greenwich Village, wo er an seinem ersten Roman arbeitete. 1960 fing er als technischer Redakteur bei Boeing an. Nach dem Erscheinen seines ersten Romans V. 1963 schottete er sich völlig von der Öffentlichkeit ab und lebte fortan wohl an der amerikanischen Westküste. Spätestens seit den 1990ern wohnt er in Manhattan mit seiner Frau und Agentin Melanie Jackson und ihrem Sohn, Jackson Pynchon. 1997 spürte ihn dort ein Reporter von CNN auf. Pynchon verbat sich die Veröffentlichung der dabei entstandenen Aufnahmen als Verletzung seiner Privatsphäre, gab dem Sender aber ein kurzes Interview.
Es kursieren nur einige über vierzig Jahre alte Fotos von Pynchon; zu sehen sind sie beispielsweise im Film "A Journey Into The Mind Of *" (2001), der sein Leben und Werk thematisiert. Das Rätsel um seine Person ist mittlerweile Bestandteil der amerikanischen Populärkultur. Jüngst hatte Pynchon Gastauftritte in zwei Episoden der Simpsons (Diatribe of a Mad Housewife und All's Fair in Oven War). Er spricht sich selbst, seine Figur hat allerdings eine Tüte mit einem Fragezeichen über den Kopf gestülpt.
Sein nächster Roman soll nach Informationen des Zeit-Herausgebers Michael Naumann, der Pynchon persönlich kennt, von der russischen Mathematikerin Sofja Kowalewskaja handeln. Für die Recherchen befand sich Pynchon zeitweise in Deutschland.
Das Buch handelt von zwei gegensätzlichen Figuren: Benny Profane und Herbert Stencil. Profane, ein bekennender Schlemihl, lässt sich durch das New York der 50er Jahre treiben und stößt dabei auf Herbert Stencil, der von der Suche nach V. besessen ist. V. ist eine Frau, die nur mit diesem Initial in den Tagebüchern seines Vaters auftaucht und von der er glaubt, dass sie seine Mutter sein könnte. Stencil verfolgt auf seiner Suche nach V. immer abwegigere Hinweise, in denen aber immer der Buchstabe V hervorsticht, und baut sie in sein Hirngespinst ein. Die verschiedenen Metamorphosen der V. werden in historischen Kapiteln nachgezeichnet, die jedoch nur Stencils private Fantasien darstellen. Sie spielen an den verschiedensten Plätzen der Erde, vom Ägypten des Jahres 1898 über Florenz ein Jahr später, Paris im Jahr 1913, Deutsch-Südwestafrika 1922 und Malta im Zweiten Weltkrieg, und immer steht eine Frau im Mittelpunkt, deren Vorname mit V. beginnt.
Pynchons Thema ist wiederum der menschliche Drang, Zusammenhänge herzustellen, und die damit verbundene Gefahr der Paranoia. So gerät ihm seine kunstvoll gestrickte Verschwörungstheorie zum Sinnbild der zweifelhaften Erkenntnisfähigkeit des Menschen.
Es ist schlechthin unmöglich, eine Inhaltsangabe des Romans zu liefern, da er sich in zahllosen ineinander verschlungenen Handlungssträngen, Vor- und Rückblenden verliert. Zudem ist selten klar, welche Episoden sich tatsächlich ereignen, welche geträumt oder im Drogenrausch halluziniert werden. Es gibt rund 400 Personen, von denen manche wieder verschwinden, einige hundert Seiten später aber unvermittelt wieder auftauchen.
Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass Slothrop als Kind von dem Wissenschaftler Laszlo Jamf auf einen neuen Kunststoff der IG Farben, Imipolex G, konditioniert worden ist (siehe: Iwan Pawlow), der später dann auch im Schwarzgerät, der Rakete mit der Seriennummer 00000, verarbeitet wurde. Immer stärker wird deutlich, dass Slothtrop selbst vermeintlich intimster Geheimnisse und sexueller Regungen enteignet ist, dass immer weitere Elemente seines Lebens Ergebnisse der gezielten pawlowschen Konditionierung und Einflussnahme anderer sind. Ein großer Teil des Buches behandelt Slothrops Reise durch das besiegte Deutschland (im Buch Die Zone genannt) auf der Suche nach seiner Identität und dem S-Gerät und auf der Flucht vor zahlreichen Agenten, die hinter ihm bzw. dem Schwarzgerät herjagen.
Die Enden der Parabel bezeichnen Verbindungen zwischen Gegensätzen, Verbindungen zwischen der Abschussstelle der V2 und den potentiellen Opfern in London etwa. Diese Verbindungen werden teilweise als paranoid desavouiert, folgen mathematischen, spiritistischen, ökonomischen und sexuellen Mustern. Auf der Suche nach den Bauteilen der V2 stößt der Agent Slothrop auf immer neue merkwürdige Kopplungen zwischen Tätern und Opfern, zwischen beteiligten Firmen beider Kriegsparteien, zwischen Siegern und Besiegten. Der zunehmend in Bedrängnis geratende Slothtrop verliert immer stärker den Kontakt zur Realität, mit ihm gerät der Leser in Abenteuer, die ebenso Drogenhalluzinationen wie Absurdität der Nachkriegszone sein können.
Zunehmend vermischen sich Phantasie, Realität, spiritistische Erlebnisse, ausführlich dargestellte sexuelle Verstrickungen von Perversion und Gewalt. Die Botschaft ist schwer zu lesen, der Roman bietet selbst unterschiedliche Deutungsmuster. Paranoide Wahnvorstellungen? Geheimdienstverschwörungen? Die düstere Macht der mit der IG-Farben verkoppelten internationalen Konzerne? Sadomasochismus als das menschlichere Muster gegenüber den kalten, entmenschlichten Dominanzstrategien von Kapital und Militär?
Der Roman endet mit einem Lustmord: Eine obskure Gesellschaft aus Hereros und Abenteurern schießt im Nachkriegsdeutschland die letzte V2 ab, die sie aus Bauteilen aus der ganzen "Zone" zusammengebaut und modifiziert hat, an Bord der masochistische Lustknabe eines der Nazi-Offiziere, der früher für eine Abschussbasis verantwortlich war. Die Rakete als phallisches Objekt, der Tod als Orgasmus des Militärs, der Abschuss als ultimative Ereketion verweisen auf die subversive Absicht des Romans, der insofern aufklärerisch gelesen werden kann, als er die papierene Welt der Militärs und Geheimdienstschergen auf ihre sexuellen Grundlagen in Perversion und Dominanzstreben zurückführt. Dabei ist der Roman insofern ungeheuer provozierend, als er nicht nur die perverse Lust der Täter, der Reichen, der Vergewaltiger darstellt, sondern auch die Willfährigkeit der Opfer, die Ankoppelungspunkte der Herrschaft an der Perversion der Massen detailverliebt beschreibt.
"Die Enden der Parabel" ist außerdem mit zahllosen mehr oder minder obskuren Querverweisen gespickt. Einige immer wiederkehrende Motive sind die Kabbala, Astrologie, Tarot und andere esoterische Geheimwissenschaften, germanische, griechische und Herero-Mythologie, puritanische Theologie, die Opern von Rossini und Wagner, die Operetten von Gilbert und Sullivan, die Lyrik Rilkes und d'Annunzios, die Trivialromane von Sax Rohmer, Kohlenstoffderivate sonder Zahl, Statistik, Stochastik und Ballistik, die pawlowsche Konditionierung, King Kong und die weiße Frau, Dumbo und Der Zauberer von Oz, und nicht zuletzt Schweine - Pynchons Lieblingstiere. Diese Motive werden zusammengehalten durch den Gedanken des Todes, der die gegenwärtige Gesellschaft durchzieht: Die tödliche Raketentechnik der Nazis, die später von der NASA genutzt wird, die Tötung menschlicher Willensfreiheit durch Pawlow´sche Konditionierung, die Verbindung von Sex und Tod in sadomasochistischen Praktiken, die ausführlich geschildert werden. Die Romanhandlung endet am 6. August 1945, dem Tag der Vernichtung Hiroshimas durch die Atombombe.
"Vineland" ist auch ein Familienroman, der drei Generationen und 40 Jahre kalifornischer Geschichte umspannt. Der Taugenichts Zoyd Wheeler lebt mit seiner vierzehnjährigen Tochter Prairie in der Gegend nördlich von San Francisco, umgeben von Althippies und anderen merkwürdigen Gestalten. Die Rückkehr der untergetauchten Mutter Prairies, der vom FBI gesuchten Frenesi Gates, macht die beiden selbst zu Gehetzten. Rückblenden berichten von Frenesis Verwicklungen mit der radikalen Studentenbewegung der 60er Jahre, und auch von der Unterdrückung der amerikanischen Arbeiterbewegung während der 30er Jahre, in der Frenesis Mutter aktiv war.
Auch in diesem Buch verbreitet sich Pynchon über die verschiedensten Abwegigkeiten wie die Hohlwelttheorie oder Feng Shui und spinnt dabei eine Verschwörungstheorie, in der Jesuiten und Chinesen eine erstaunliche Rolle spielen. Als Charaktere treten unter anderem Benjamin Franklin, George Washington, ein sprechender Hund und Vaucansons historisch verbürgte automatische Ente auf.
Pynchon schrieb zudem gelegentlich Essays zu verschiedenen Themen:
Pynchon verfasste außerdem Einführungen zu Richard Fariñas Roman Been Down So Long It Looks Like Up To Me, zu den Werken Donald Barthelmes, zu Jim Dodges Roman Stone Junction, und zuletzt zu George Orwells 1984.
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