Hans Holbein d. J. 065.jpg Thomas Morus (engl. Thomas More) (* 7. Februar 1478 in London; † 6. Juli 1535 in London) war ein englischer Staatsmann und humanistischer Autor.
Von 1510 an war er acht Jahre lang Undersheriff von London und lehrte an Lincoln's Inn Recht. König Heinrich VIII. wurde auf More aufmerksam und schickte ihn auf diplomatische Missionen. 1516 verfasste Morus das 1. Buch der Utopia und redigiert das ganze Werk, das im Dezember erscheint. 1517, mit 39 Jahren, trat er ganz in den Dienst des Königs, der ihn bald zum Mitglied des Geheimen Rates machte. Außerdem vermittelt er in diesem Jahr bei den Mai-Unruhen in London. 1521 wurde er zum Ritter geschlagen. Er war ein entschiedener Gegner von Martin Luther und half Heinrich VIII., eine Arbeit über ihn zu schreiben, die dem König den Titel "Verteidiger des Glaubens" eintrug. Mores eigene Arbeit über Luther wurde europaweit gelesen.
1523 wurde er Parlamentssprecher und 1529 Lordkanzler, eine Position, die etwa der des heutigen Premierministers entspricht.
Im Privatleben engagierte sich More sehr für die Erziehung seiner Töchter, denen er die gleiche Bildung zukommen ließ wie seinem Sohn. Seine älteste Tochter Margaret Roper war eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. Er war auch sehr freigebig, ernährte während einer Hungersnot Hunderte aus seiner eigenen Tasche und entließ seine Landarbeiter nicht wegen mangelnder Arbeit.
1532 trat er vom Amt des Lordkanzlers zurück. 1534 verweigerte er vor dem Kronrat den Suprematseid und wurde im Tower gefangen gesetzt. Zuvor hatte er bereits seine Grabinschrift verfasst und sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Das Parlament verhängte die Acht über ihn und zog sein Vermögen zugunsten der Krone ein. Bis zu seinem Tode schrieb Morus religiöse Traktate und Trostschriften. 1535 verurteilte ihn ein Sondergericht zum Tode, am 6. Juli wurde Thomas Morus im Alter von 58 Jahren hingerichtet.
Seinen Humor, für den Thomas Morus bekannt war, hat er sich bis zuletzt bewahrt. Eine Anekdote erzählt, dass er den Henker bei seiner Hinrichtung gebeten habe, beim Zuschlagen mit dem Beil auf seinen Bart zu achten, da dieser keinen Hochverrat begangen habe.
Heinrichs Reaktion darauf war, dass er sich selbst in das höchste Amt der Kirche in England einsetzte. Der Geistlichkeit wurde vorgeschrieben, den Suprematseid zu schwören und damit den weltlichen Herrscher als Haupt dieser (der anglikanischen) Kirche anzuerkennen. More, als Laie, brauchte diesen Eid nicht abzulegen. Aber er legte lieber am 16. Mai 1532 das Amt des Kanzlers nieder, als diesem neuen Regime zu dienen (möglicherweise standen auch gesundheitliche Beschwerden hinter seinem Rücktrittsgesuch).
More konnte sich früher dem ersten Versuch noch entziehen, ihn mit verräterischen Machenschaften in Verbindung zu bringen. Doch verabschiedete das Parlament 1534 den Act of Succession, der den Eid beinhaltete, der die Legitimität aller Kinder bestätigte, die Heinrich und Anne Boleyn geboren wurden; außerdem wies er jedwede fremde Autorität, ob Prinz oder Potentat (das heißt: auch des Papstes) zurück. Wie vorher schon der Suprematseid, war auch dieser nicht von der gesamten Bevölkerung zu leisten, sondern nur von denen, die dazu vorgeladen wurden. Also von Inhabern öffentlicher Ämter und denen, die im Verdacht standen, Heinrich nicht zu unterstützen. More sollte diesen Eid im April 1535 ableisten. Weil er dies ablehnte, wurde er - gemeinsam mit John Fisher - im Tower von London eingekerkert. More wurde vor Gericht gestellt und zum üblichen Tod durch Bauchaufschlitzen, Gedärmeausreißen, Vierteilen und Köpfen verurteilt. Auch wenn der König ihn zu allein letzterem begnadigte, war dies der klassische Fall eines Justizmordes durch einen rachsüchtigen Herrscher. Somit wurde er am 6. Juli 1535 auf dem Schafott vor dem Tower (auf dem Tower Hill) hingerichtet. Sein Kopf wurde einen Monat lang auf der London Bridge zur Schau gestellt und dann von seiner Tochter Margaret Roper gegen ein Bestechungsgeld heruntergeholt.
Sein bekanntestes Werk war De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia, in dem er ein erfundenes Inselkönigreich beschreibt, womit er auf die bereits von Platon im „Timaios“ angewandte Methode zurückgriff. Einige moderne Gelehrte verstehen es als ein idealisiertes Gegenbild von Mores zeitgenössischem Europa, andere sehen darin eine boshafte Satire desselben Europa. In dem Stadtstaat dieser Insel herrscht eine Art Kommunismus: die Interessen des Einzelnen sind denen der Gemeinschaft untergeordnet. Wie in einem (idealen) Kloster hat jeder zu arbeiten; jedermann bekommt Bildung und genießt religiöse Toleranz. Anders als in der Realität der Renaissance sind Grund und Boden gemeinsamer Besitz. Nach dem Erscheinen in Löwen (Leuven) wurde es bald in mehrere Sprachen übersetzt und wurde der Vorläufer der Romanutopie (u.a. Voltaire: Candide, ou l'optimisme, 1759).
Erasmus von Rotterdam, der mehrfach bei Thomas More zu Besuch war, widmete ihm sein Lob der Torheit. Während More als Undersheriff amtierte, fand er die Zeit, eine Geschichte König Richards III. zu verfassen. Sie wird - auch wegen ihrer meisterlichen Beherrschung der englischen Prosa - als Juwel der englischen Geschichtsschreibung betrachtet. Erasmus von Rotterdam schrieb über ihn: „Thomas More, Lordkanzler von England, dessen Seele reiner war als der reinste Schnee, dessen Genius so groß war, wie England nie einen hatte, ja nie wieder haben wird, obgleich England eine Mutter großer Geister ist“.
Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf (Link zur Homepage) besitzt eine umfangreiche Sammlung mit Werken von und über Thomas More, das sogenannte Morianum. Zeitweise gab es auch eine eigene (deutsche), wissenschaftliche Thomas Morus-Gesellschaft mit eigenen Jahrbüchern, die sich aber inzwischen aufgelöst hat. Sitz und Zentrum der Gesellschaft war die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Autor | Literatur (16. Jh.) | Literatur (Latein) | Utopie | Mann | Brite | Heiliger | Gestalten der Reformation | Politiker (16. Jh.) | Geboren 1478 | Gestorben 1535 | Märtyrer
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