Thomas Helwys (* ca. 1550 in Nottinghamshire; † 1616 in Newgate, England) gilt neben John Smyth als Mitbegründer der Baptisten und als früher Vorkämpfer der Religionsfreiheit.
Anfänge
Thomas Helwys wuchs in der englischen Grafschaft
Nottinghamshire auf. Hier war seine Familie schon seit vielen Generationen zuhause. Nach seinem Schulbesuch studierte Helwys
Rechtswissenschaften und ergriff den Beruf eines
Rechtsanwalts. Sein Haus entwickelte sich zu einem Treffpunkt
freikirchlich orientierter Christen, die sich als sogenannte
dissenters außerhalb der verfaßten
Church of England zum gemeinsamen
Bibelstudium und
Gebet versammelten. Über John Smyth, einem ehemaligen
anglikanischen Geistlichen, fand er Kontakt zur Separatistengemeinde in
Gainsborough.
Als Glaubensflüchtling in Amsterdam
1606 verließ aufgrund von Verfolgungen ein Teil dieser Gemeinde England und fand in
Amsterdam (
Niederlande) Asyl. Unter den Glaubensflüchtlingen waren auch Thomas Helwys und John Smyth, welcher alsbald die Leitung Flüchtlingsgemeinde übernahm. Der Kreis um Smyth begann Kontakte zur Amsterdamer
Mennonitengemeinde zu knüpfen und kam so in Berührung mit den
täuferischen Glaubensüberzeugungen.
1609 wurde John Smyth wird von einem mennonitischen Pastor aufgrund seines
persönlichen Glaubensbekenntnisses getauft. Er taufte dann anschließend die Mitglieder seiner Gemeinde - unter ihnen auch Thomas Helwys.
Gründung der ersten Baptistengemeinde
1611 kehrte Helwys mit einer kleinen Gruppe der Amsterdamer Asylantengemeinde nach England zurück. Gleich nach der Ankunft fand man sich zusammen und gründete die erste Baptistengemeinde. Der Grundstein für eine bis heute wachsende Kirchengemeinschaft war damit gelegt. Die von Helwys gegründete Gemeindebewegung erhielt später den Namen
General Baptists, da sie im Unterschied zu den jüngeren
Particular Baptists die "allgemeine (
general) Versöhnung durch
Christus, die dem Glaubenden zugerechnet wird", lehrten.
Forderung nach Religionsfreiheit
Bereits
1610 verfasste Thomas Helwys seine bekannte Schrift
A Short Declaration of the Mystery of Iniquity (Eine kurze Erklärung des Geheimnisses der Ungerechtigkeit). Er brachte sie bei seiner Rückkehr nach England mit und sorgte dort für ihre Veröffentlichung. Sie ist der erste gedruckte Aufruf in
englischer Sprache zu völliger
Glaubensfreiheit für alle. Unter anderem heißt es in ihr:
Unser Herr, der König, ist nur ein irdischer König und er hat deshalb als König nur Autorität in irdischen Dingen, und wenn die Leute des Königs gehorsame und wahre Untertanen sind, die allen vom König erlassenen menschlichen Gesetzen gehorchen, so kann unser Herr, der König, nicht mehr verlangen. denn die Religion der Menschen zu Gott besteht zwischen Gott und ihnen selbst, der König soll dafür nicht Rede stehen, noch soll der König Richter sein zwischen Gott und Mensch. Sollen sie doch Ketzer, Türken, Juden oder sonst etwas sein, es steht der irdischen Macht nicht zu, sie deshalb auch nur im Geringsten zu bestrafen.
Dieses Buch widmete Helwys dem englischen König Jakob I. mit folgendem Appell:Höre, o Herr, und verachte den Rat der Armen nicht, und lass ihre Klagen vor dich kommen. Der König ist ein sterblicher Mensch und nicht Gott, und deshalb hat er keine Gewalt über die unsterblichen Seelen seiner Untertanen, für sie (Anm.d. Übers.: die Seelen) Gesetze und Ordnungen zu erlassen und geistliche Herren über sie zu setzen. Wenn der König Vollmacht hat, geistliche Herren und Gesetze zu verordnen, dann ist er ein unsterblicher Gott und kein sterblicher Mensch. O König, lass dich nicht von Betrügern verführen, gegenüber Gott zu sündigen, dem du gehorchen solltest, noch gegenüber deinen armen Untertanen, die dir gehorchen sollten und es tun werden mit Leib, Leben und Gütern, wenn nicht, so soll ihr Leben von dieser Erde genommen werden.
Aufgrund dieser Widmung wurde Thomas Helwys gefangen genommen und ins Gefängnis verbracht. Hier starb Helwys 1616 als Märtyrer. König James, auf dessen Veranlassung hin Helwys sterben musste, war übrigens der ursprüngliche Herausgeber der bekannten englischen Bibelübersetzung King James Version.
Literatur
- Thomas Helwys: A Short Declaration of the Mystery of Iniquity, 1612 - Faksimile der Kingsgate Press 1935; die obigen Zitate sind dem Faksimile entnommen (S.69).
- J.D. Hughey: Die Baptisten - Lehre, Praxis, Geschichte, Kassel 1959
Weblinks
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