Thomas Dehler (* 14. Dezember 1897 in Lichtenfels; † 21. Juli 1967 in Streitberg, Landkreis Ebermannstadt) war ein deutscher Politiker (DDP und FDP).
Von 1949 bis 1953 war er Bundesminister der Justiz und von 1954 bis 1957 Bundesvorsitzender der FDP.
Seit 1925 war Thomas Dehler mit Irma Frank verheiratet. Die Ehe galt nach den nationalsozialischen Gesetzen als "Mischehe". Trotz erheblichem Druck der Nationalsozialisten wie auch der NS-dominierten Rechtsanwaltskammer hält Dehler nicht nur an seiner Ehe und an seinen jüdischen Mandanten fest, im Gegenteil übernimmt er auch Mandate von Regimegegnern. Im Stürmer wurde er daraufhin als „echter Judengenosse“ tituliert. Im Zweiten Weltkrieg war Dehler zunächst erneut Soldat, wurde - wegen seiner jüdischen Frau - aber bereits nach einem Dreivierteljahr als „wehrunwürdig“ aus der Wehrmacht ausgeschlossen. 1938 und 1944 wurde er wegen Kontakten zu Widerstandskreisen vorübergehend inhaftiert und 1944 zur Zwangsarbeit bei der Organisation Todt verpflichtet, aus der er allerdings bereits nach vier Wochen wieder entlassen wurde.
Von 1945 bis 1947 war er Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Bamberg, ab 1946 auch Generalankläger am Kassationshof beim Bayerischen Minister für politische Befreiung (Entnazifizierung). Von 1947 bis 1949 war er dann Präsident des Oberlandesgerichtes Bamberg.
Thomas Dehler wurde 1927 in die Freimaurerloge Zur Verbrüderung an der Regnitz in Bamberg aufgenommen. Nach dem Verbot in der NS-Zeit gehörte er 1946 zu den Wiederbegründern der Loge, der er bis zu seinem Tod 1967 angehörte.
1948 trat er als Alter Herr der Studentenverbindung Humanitas Würzburg bei.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zählte Dehler gemeinsam mit Fritz Linnert zu den Mitbegründern der FDP in Bayern, deren Landesvorsitzender er von 1946 bis 1956 war. Als bayerischer Landesvorsitzender der Liberalen war er 1954 maßgeblich an der Bildung der einzigen bayerischen Landesregierung ohne CSU-Beteiligung beteiligt.
Thomas Dehler bildete mit Alfred Onnen und Fritz Neumayer die parteiinterne Untersuchungskommission zur Aufklärung der Affäre um den Naumann-Kreis.
1954 wurde er zum Bundesvorsitzenden der FDP gewählt. Dieses Amt übte er bis 1957 aus.
Von 1947 bis 1948 war er Mitglied des Länderrates der Amerikanischen Besatzungszone und von 1948 bis 1949 Mitglied des Parlamentarischen Rates.
Von 1949 bis zu seinem Tode war Dehler Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 1953 bis 1957 Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion. Am 23. Februar 1956 beschloss die FDP-Fraktion unter seiner Führung, die Koalition mit der CDU/CSU aufzukündigen. Daraufhin schieden 16 Mitglieder, darunter auch die vier FDP-Bundesminister, aus der Fraktion aus und gründeten die Freie Volkspartei (FVP).
Von 1957 bis 1961 leitete Dehler den Arbeitskreis Außenpolitik und Verteidigung der FDP Bundestagsfraktion und war daneben Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Atomkernenergie und Wasserwirtschaft.
Vom 28. September 1960, als er Nachfolger des verstorbenen Max Becker wurde, bis zu seinem Tode war er Vizepräsident des Deutschen Bundestages. 1960/61 vertrat er den Bundestag vor dem Bundesverfassungsgericht im Verfahren über den Antrag der bayerischen Staatsregierung auf Feststellung der Nichtigkeit des „Gesetzes zur Reinhaltung der Bundeswasserstraßen vom 17. August 1960“.
Seit dem 19. Juni 1963 war er außerdem Vorsitzender des Wahlmännerausschusses nach § 6 des Gesetzes über das Bundesverfassungsgericht.
Nach der Bundestagswahl 1949 wurde er am 20. September 1949 als Bundesminister der Justiz in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen. Im Bundestagswahlkampf 1953 sprach er sich mit der FDP im Gegensatz zu den Koalitionspartnern CDU/CSU und DP gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe aus.
Nach der Bundestagswahl 1953 wurde er wegen schwerer Differenzen mit Konrad Adenauer nicht erneut in die Bundesregierung berufen, aus der er daher am 20. Oktober 1953 ausschied.
Mann | Deutscher | Politiker (Bayern) | Mitglied des Parlamentarischen Rates | Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion | Justizminister (Deutschland) | Bundesvorsitzender der FDP | Vizepräsident des Deutschen Bundestages (FDP) | DDP-Mitglied | Geboren 1897 | Gestorben 1967 | Freimaurer (20. Jh.)
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