article

Therapeutic Touch (TT) (englisch für Therapeutische Berührung) ist eine in den USA verbreitete komplementärmedizinische, sogenannte bio-energetische Behandlungsmethode, eine Variante des Handauflegens. Sie basiert auf der These, dass der Mensch ein eigenes "Energiefeld" (in der Originalpublikation Prana genannt, heute auch Aura, Qi usw.) hat, das mit den Energiefeldern seiner Umwelt ständig in Kontakt steht. Besonders im angloamerikanischen Raum (USA, Kanada, Großbritannien) findet die Methode seit Jahren Anwendung in den verschiedensten Bereichen: für Gesunde zur Prävention und Vorbeugung, zur Geburtsvorbereitung, in Wellness und Sport, in der Altenpflege, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Intensivpflege, Reha, Palliativpflege und Hospiz. Therapeutic Touch gilt als die am häufigsten wissenschaftlich untersuchte energetische Komplementärmethode, ihre Wirksamkeit ist bislang jedoch nicht bewiesen.

Entstehungsgeschichte

Therapeutic Touch wurde 1972 von Dolores Krieger, Dozentin für Pflegewissenschaft an der New York University, in Zusammenarbeit mit der Theosophin Dora Kunz veröffentlicht. Die Arbeit der bekannten New Yorker Pflegewissenschaftlerin Martha Rogers (1914-1994), in der sie davon ausgeht, dass der Mensch ein offenes System ist, das über elektromagnetische Wellen ständig im Austausch mit der Umwelt steht, bildete eine der Grundlagen für die Entwicklung von TT.

Aufgrund einer Veröffentlichung im renommierten American Journal of Nursing wurde die Methode schnell populär. In den USA wurden bereits ca. 50 000 Krankenschwestern in TT ausgebildet. Mehr als 100 Colleges und Universitäten bieten Kurse an. Die North American Nursing Diagnosis Association (eine Fachgesellschaft, die sich der Vereinheitlichung von Pflegediagnosen und Pflegeberichten widmet) hat das Konzept offiziell akzeptiert.

Anwendung

Ziel ist nach Ansicht der Anwender, das menschliche Energiefeld, das sich im Körper bilde und über die Körpergrenzen hinaus erstrecke, mit den Händen zu erspüren und zu harmonisieren. Dadurch erhält die Berührung eine zusätzliche Dimension: die bewusste Energielenkung.

Die Anwendung von Therapeutic Touch folgt bestimmten Schritten.

  1. Zentrieren: Die behandelnde Person versucht, sich körperlich, geistig und emotional zu entspannen und konzentriert sich auf den Patienten.
  2. Einschätzen (Assessment): Die Hände fünf Zentimeter vom Körper entfernt, wird das gesamte Energiefeld von Kopf bis Fuß des Patienten erspürt. Symmetrien oder Asymmetrien werden registriert, viele TT-Praktiker berichten von Empfindungen wie Wärme, Kälte, Dichte, ziehenden oder prickelnden Eindrücken.
  3. Behandlung: Der Qi-Fluss soll intensiviert werden; an bestimmten Reflexzonenlagen, Körperzonen, Energiezentren oder Akupunkturpunkten werden spezielle TT-Techniken angewandt.
  4. Auswertung (Evaluation): Das Behandlungsergebnis wird durch erneutes Assessment festgestellt, je nach Bedarf wird vorheriger Behandlungsschritt wiederholt. Die Maßnahme und die Beobachtungen werden dokumentiert.

Mehr als 600 Studien, Diplomarbeiten und Erfahrungsberichte aus der Krankenhauspraxis – hauptsächlich in den USA und Kanada – liegen heute vor. Es gibt positive Ergebnisse für die Wirksamkeit von TT als Begleitmaßnahme und Pflegeintervention, unter anderem bei Menschen mit M. Alzheimer, Tumoren und Krebs, chronischen Schmerzen, Arthritis, Aids, Ängsten, Stress, sowie zur Unterstützung bei der Chemotherapie und vor bzw. nach Operationen.

Kritik

Mehrere sorgfältige Literaturübersichten kamen zu dem Ergebnis, dass die meisten einschlägigen Studien fehlerhaft durchgeführt wurden. Nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin ist die postulierte Wirksamkeit der TT bisher nicht bewiesen. Bekannte Kritiker wie Quackwatch und James Randi halten TT für Scharlatanerie.

1998 wurde die damals 9jährige Schülerin Emily Rosa berühmt als jüngste Autorin des Journal of the American Medical Association, mit einer Studie, die zeigte, dass 21 TT-Behandler nicht in der Lage waren, das "Energiefeld" der Hand des Experimentators wahrzunehmen, wenn sie die Hand nicht sehen konnten.

Ausbildung

Mit dem Ziel der Eingliederung in die europäischen Gesundheitssyteme und der Vereinheitlichung der Ausbildung bildeten TT-Institutionen in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Österreich und skandinavischen Ländern sowie Südafrika die ITTA (International Therapeutic Touch Association) mit Sitz in Utrecht, Niederlande. Durch die Entwicklung von Richtlinien, die ständig neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst werden, trägt sie dazu bei, in vielen europäischen Ländern einen international anerkannten Standard zu garantieren (Ausbildung, Lehrerausbildung, Qualitätsstandard, Curricula, Prüfungen).

Quellen und Literatur:


  • Backs, Susanne: Therapeutic Touch und Energietraining: Berührungen, die bewegen – Bewegungen, die berühren, in: turnen und sport 10/2004 Berufsverband staatlich geprüfter Gymnastiklehrerinnen und –lehrer, Deutscher GymnastikBund DGYMB e.V., Pohl Verlag
  • Wallrabenstein, Renate: Dirigierte Energie – Therapeutic Touch, in: Altenpflege 4/2005, S.2-4, Verlag Vincentz Network
  • Potter Hughes, P./Meize-Grochowski, R./Neighbour Duncan Harris, C.: Therapeutic Touch With Adolescent Psychiatric Patients. Journal of Holistic Nursing, 14 (1996) 1: 6–23
  • Beckendorf, Rita: Mit den Händen die Seele berühren – Therapeutic Touch in der Kinderpsychiatrie, in: Pflegezeitschrift 8/2004, S. 552-554, Verlag W. Kohlhammer
  • Kerner, Dr. Imre: Therapeutic Touch & Energietraining, gekürzte Taschenbuchausgabe (Deutsches Institut für Therapeutic Touch, Haltern am See, E-Mail: institut@therapeutictouch.de) der ansonsten nur über mod. Antiquariat erhältlichen Originalausgabe: Heilen, Kiepenheuer & Witsch Verlag Köln 1997
  • Krieger, Dolores: Therapeutic Touch. Die Heilkraft unserer Hände, Verlag Lüchow, 2004
  • Rosa L, Rosa E, Sarner L, Barrett S: A Close Look at Therapeutic Touch. JAMA 1998 (279):1005-10
  • O'Mathuna DP: Evidence-based practice and reviews of therapeutic touch.J Nurs Scholarsh. 2000 (32):279-85

Weblinks:


  • Therapeutic Touch Deutschland: http://www.therapeutictouch.de
  • Therapeutic Touch in Österreich: http://www.ttouch.at
  • Artikel zu TT in Fachzeitschriften: http://www.istte.de/istte/de/literatur_veroeffentlichungen.htm
  • Ausbildung Basisprogramm ITTA Standard (auch Therapeutic Touch Practitioner, Energietrainer): http://www.istte.de/istte/de/ausbildung.htm
  • ITTA, Utrecht, Niederlande: http://www.vanpraaginstituut.nl
  • Therapeutic Touch Dachorganisation USA: http://www.therapeutic-touch.org

Siehe auch: Animalischer Magnetismus

Alternativmedizin

Therapeutic touch | Toque terapéutico | セラピューティック・タッチ

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Therapeutic Touch".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld