Die Theorie der interkulturellen Kommunikation ist aus interdisziplinären Forschungsansätzen der Gesellschafts- und Kulturwissenschaften sowie Debatten in Philosophie, Philologie und Ethnologie hervorgegangen. Sie ermöglicht eine wissenschaftstheoretische Umgrenzung unserer eigenen Kultur, ihre Abgrenzung von anderen Kulturen und vor allem das Studium von interkulturellen Formen und Funktionen der Kommunikation.
Durch Globalisierung und Nutzung digitaler Technologien intensivieren sich Praxis und Theorie der interkulturellen Kommunikation. Am Ende des zweiten Jahrtausends entstehen in den Gesellschafts- und Sprachwissenschaften neue Konzepte zur Beobachtung, Erklärung und Planung dieser Dynamik. Die theoretische Diskussion wird ab den 60er Jahren im Schmelztiegel der USA von Edward Twitchell Hall angestoßen, zeitgleich mit den Demonstrationen der Studenten gegen Rassismus, Kolonialismus und den Imperialismus der Regierung in Asien. In den folgenden Jahrzehnten führt man auch in Europa die Problematisierung des Herrschaftsanspruches westlicher Kultur in den Debatten um den Eurozentrismus fort. Mit dem Ergebnis, dass sich ab den achtziger Jahren, vor allem in Deutschland, eine Integrationspolitik des Multikulturalismus durchsetzt. Mal im Trend, mal im Gegensatz hierzu werden Strategien des Interkulturellen Managements entworfen, mit denen das ökonomische Primat des Westens abgesichert werden soll. Neueren Datums und explizit gegen multikulturelle Integration gerichtet sind die politischen Strategien derjenigen, die im Gewand des Ethnopluralismus die alte Fremdenfeindlichkeit wiederbeleben.
Gleichzeitig mit den Praktiken intra- und interkultureller Kommunikation vollzieht sich eine wissenschaftstheoretische Wende. Die Kritik der "Rationalität" führt zuerst zu einer Relativierung des westlichen Anspruches auf universelle Geltung von Wahrheit. Dann zur Möglichkeit der Anerkennung fremder Kulturen und schließlich zur Diskussion über gleichberechtigtere Formen der interkulturellen Kommunikation. Zum Beginn der Wende waren Philosophen und Ethnologen in einem Disput zu der Überzeugung gelangt, dass wissenschaftliche Wahrheit nicht mit der von anderen Kulturen kompatibel sei. Die "Anderen" verstünden "unsere" Wirklichkeit nicht und "wir" müssten das, was für sie rational ist, als irrational abwerten. Den Denkaufbruch führt Kurt Hübner fort, indem er die Entstehung der Wissenschaft an der intrakulturellen Schnittstelle von Logos und Mythos verortet. Am Leitfaden einer historisch-kontingenten Ontologie rekonstruiert er das wissenschaftliche Denk- und Erfahrungssystem als das "Eigene" und Griechenlands Mythos als das "Andere". Da Hübners Relativierung des wissenschaftlichen Wahrheitsanspruches die Anerkennung von Anderen mit unseren Rationalitätskriterien ermöglicht, überträgt Irina Buche seinen Forschungsansatz am Anfang des zweiten Jahrtausends von intra- auf interkulturelle Umbruchsituationen. Sie führt den Herrschaftsanspruch des Logos gegenüber dem Mythos für die Kritische Theorie ebenso auf Medien zurück wie die Durchsetzung der westlichen Kultur gegenüber außereuropäischen Völkern. Dabei rekonstruiert sie die andere Wirklichkeit exemplarisch auf der Grundlage von Chroniken des Alten Mexiko so, dass die Qualitäten von Mündlichkeit und Formen der Kommunikation mit Anderen neu bewertet werden können.
Malinche.jpg und Hernán Cortés]]
In der Theorie stellt sich die Frage nach den „Anderen". Doch da, wo das Eigene noch nicht umgrenzt wurde, bleiben auch die Konturen fremder Kulturen unscharf: In der Forschungstradition der Moderne, weil die auch in ihrer aufgeklärtesten Version noch flankiert wird vom Universalismus und dem Glauben an einen von westlichen Industrienationen angeführten Fortschritt. In der Postmoderne hingegen, die just in dem Moment in den mainstream einmündet, als sich die westliche Kultur mittels neuer Medien und überlegener Waffentechniken soweit durchgesetzt hat, dass sie die einzig mögliche zu sein scheint, verbirgt man den eigenen Interpretenstandort im Gewand des Relativismus. Von hier aus gesehen mutet die Einbeziehung der Anderen in sich selbst organisierende Systeme an, als wäre sie schon immer vollzogen worden. Erst als man sich mit diesem Ethnozentrismus in den Sozial- Kultur- und Sprachwissenschaften sowie in der Philosophie auseinander setzt, gelingt es, unseren Interpretenstandort als einen durch Medien bedingten so zu umgrenzen, dass andere Wirklichkeiten mit „unseren" Rationalitätskriterien anerkannt werden können. Damit wird der Grundstein für eine gleichberechtigtere interkulturelle Kommunikation gelegt.
Die erste Kritik am universellen Herrschaftsanspruch westlicher Prägung wird in der Frankfurter Schule von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in der Dialektik der Aufklärung (1940) unter dem Eindruck des zweiten Weltkrieges geleistet. Mit ihrem Geschichtspessimismus nehmen sie die Kritik an Fortschritt und Rationalität vorweg, mit der sich die Postmoderne von der Moderne abgrenzt. So geht es insbesondere im Kapitel über Kulturindustrie darum, aufzuzeigen, inwiefern die damals neuen Massenmedien Subjekte in ihrer Freiheit einschränken und zu stummen Objekten machen. Der Moderne setzt Jürgen Habermas dann 1982 mit seiner Theorie des kommunikativen Handelns einen letzten Meilenstein. Hier geht es um die Frage der sprachlichen Vermittlung aller Kommunikation. Der zuvor einsame Denker wird erlöst und dem Ich ein Du gegenübergestellt. Habermas führt die Kritische Theorie fort, wenn er diese beiden miteinander kommunizierenden Subjekte sowohl in ein „System" als auch in eine „Lebenswelt" integriert: Vom System aus sind kolonisierende Übergriffe auf die Lebenswelt jederzeit möglich. Dennoch setzt sich der Anspruch auf universelle Geltung von Wahrheit da durch, wo es um interkulturelle Kommunikation geht. Wenn er den Lernprozess „Der Menschheit" mit einem von „Erwachsenen" angeführten Erziehungsprozess vergleicht, degradiert er Andere in dieser Gleichsetzung von Ontogenese und Phylogenese zu Kindern. So vollzieht sich, gleichsam hinter seiner Kritik an Zweckrationalität, ein ungewollter Anschluss an Denker der Moderne, die Herrschaftsverhältnisse als naturgegeben legitimieren.
Auf der anderen Seite der Moderne steht das Interkulturelle Management, dessen Theoretiker ebenfalls den Fortschritt „Der Menschheit“ anleiten wollen. Auch sie bleiben der Aufklärung, einer protestantischen Ethik und dem "Geist des Kapitalismus" verpflichtet, der - so Max Weber - zur "Entzauberung" der Welt führte. Ihren Forschungsarbeiten liegt die Prämisse vom grenzenlosen Wirtschaftswachstum, von weltweiter Expansion der Märkte und uneingeschränktem Zugang zu natürlichen Ressourcen zugrunde. Ihnen zufolge wird der Industrialisierungsprozess von multinationalen Unternehmen in die Nationalstaaten getragen, stößt in der interkulturellen Begegnung aber da an Grenzen, wo Andere dem Telos der Entwicklung - materiellem Wohlstand und Konsum - nicht ohne Vorbehalt gegenüberstehen. Einwände könnten Moslems in arabischen Ländern erheben, Hinduisten und Buddhisten in Asien, indianische Völkern im Amazonas usw. Denn hier ist das Leben nicht vorrangig an ökonomischen Werten und Normen ausgerichtet. Um diese Anderen besser in den eigenen Konsens integrieren zu können, haben Sozialwissenschaftler, auch Psychologen und Verhaltensforscher Formen des „interkulturellen Managements“ entwickelt, mit denen die Kommunikation innerhalb der Unternehmen ebenso wie auf nationaler und regionaler Ebene optimiert werden kann: Stephan Dahl, Geert Hofstede, Charles Hampden-Turner, Fons Trompenaars u. a.
Eine neue Form der „Entwicklungshilfe“ leisten heute vor allem Regierungsorganisationen und nicht-staatliche Organisationen NGO. Aufgrund der Einsicht in die „Grenzen des Wachstums“ und mit dem Begriff der Nachhaltigkeit werden Eigendynamik und Wertesysteme von anderen Kulturen weitergehend berücksichtigt..
Aus dem Geist einer Moderne, die ihren universellen Herrschaftsanspruch nicht kritisch hinterfragt, geht eine Postmoderne hervor, die dem Universalismus den Relativismus entgegensetzt, den Subjekten die Objekte, dem Fortschrittsdenken das Denken in Systemen. Pate stehen der französische Strukturalismus und die Linguistik nach Ferdinand de Saussure, die Ethnologie nach Claude Lévi-Strauss sowie die Semiotik. Nachdem Saussure das erste Medium, auf dem unsere Kultur gründet, enttabuisiert hat, die Alphabetschrift, die in der Hermeneutik als „Heilige Schrift" dem analytischen Zugriff der Wissenschaft entzogen worden war, gelingt es den Philosophen um Michel Foucault und Jacques Derrida, Denkansätze zu formulieren, die der medialen Entfaltung weltweiter Netze angemessen sind. Aufgrund des Tributes, den sie dafür an den Poststrukturalismus entrichten – der Negation von Subjekten – vertun sie jedoch die Chance, das Medium als Herrschaftsinstrument im Dienste universeller Wahrheiten zu dekonstruieren. Der Standort des Relativismus bleibt als diffuses Machtzentrum eine Kehrseite des Universalismus. Denn der Blick auf die Anderen erfolgt in beiden Fällen vom Sitz eines über allem schwebenden Schöpfergottes aus, der für seine Wahrheit universelle Geltung beansprucht. Nur aus Seiner Perspektive gesehen, scheinen alle anderen kulturellen Wertsysteme gleichwertig zu sein. So bleibt das Problem des Anderen auch beim Erklärungsversuch von Jean-François Lyotard ungelöst. Ihm zufolge werden heidnische Kulturen in jedem Fall zerstört. In der Begegnung mit einer universalistischen Übermacht, weil sie sich vergeblich zur Wehr setzen, mit der relativistischen, weil sie um den Preis ihrer Andersartigkeit integriert werden.
Auch Tzvetan Todorov kann das „Problem des Anderen" entgegen dem, was er sich vorgenommen hat, nicht lösen. Zwar weiß er eine neue Antwort auf die Frage, warum es den zahlenmäßig unterlegenen Europäern gelungen ist, Amerika zu erobern: Statt, wie traditionell üblich, führt er diese Eroberung nicht mehr allein auf Waffen und Technik zurück, sondern begründet sie mit der Nutzung des Mediums Alphabetschrift. Wie der ebenfalls der Semiotik verpflichtete Clifford Geertz setzt er hier seinen eigenen Interpretenstandort als den eines "objektiven" Beobachters bzw. "kulturlosen" Erzählers unhinterfragt voraus. Dabei ist Geertz die Bedeutung der medialen Reproduktion von Kommunikationsprozessen mit Angehörigen fremder Kultur als Bedingung für wissenschaftliche "Objektivität" durchaus bewusst. Aber bei ihm bleibt ebenso wie bei Todorov unklar, inwiefern der medial bedingte "Beobachterstandort" ja gerade nicht objektiv, sondern fest verankert in der Intersubjektivität einer scientific community ist, die ihre Entstehung der Nutzung eben dieser Medien verdankt. Was hier als "objektiv" und damit als "wahr", "wirklich" und "überlegen" bezeichnet wird, gilt zweifellos für die eigenen Leute. Nicht aber für die "Anderen", die Lévi-Strauss als schriftlose Völker bezeichnete. Sie erzielen ihren Konsens über das, was "wahr" ist, in mündlicher Kommunikation.
In Fortführung der weitreichendsten Denkansätze der Philosophen der Kritischen Theorie und der Postmoderne - unterhalb der Sackgassen, in die universalistische und relativistische Mächte verwiesen haben – entsteht Neues, als das Thema in den Sozial- und Kulturwissenschaften diskutiert wird. E. T. Hall hatte schon früh - einerseits aufgrund seiner Erfahrungen mit den Problemen von US-Auslandsmitarbeitern, andererseits nach Feldstudien über indianische Ureinwohner, Hispanics u.a. - das Credo des Universalismus als Hindernis in der interkulturellen Kommunikation hinterfragt. Mit Bezug auf Psychoanalyse, Verhaltensforschung und Linguistik entdeckt er unter der Oberfläche westlicher Kultur eine verborgene Dimension, die er auch als das "kulturelle Unbewusste" bezeichnet. In seinen Büchern relativiert er die bis dahin als universell gültigen Konzepte von Raum und Zeit als kulturell bedingt. Ebenso wie Hall beziehen auch andere Forscher die Kraft ihrer theoretischen Überlegungen aus einer Erfahrenspraxis, in der sich Andere noch stets bemerkbar gemacht haben: Sei es in den Unabhängigkeitskämpfen, die sich bis weit ins 20zigste Jahrhundert hineinziehen, in politischen Bewegungen, Antidiskriminierungskampagnen wie "Black is beautiful", sei es in internationalen Institutionen, wie dem Ethnologenkongress auf Barbados 1972, wo eine Deklaration für die Selbstbestimmung der Indianer veröffentlicht wird usw.
Seit der Westen seine Kultur nicht mehr als universell verbindlich ausgeben kann, weil Andere dagegen zunehmend Widerstand leisten, gehen Ethnologen gemeinsam mit Philosophen bei der theoretischen Umgrenzung des eigenen Standortes in Führung. Die Ethnologie hat sich zu einer Wissenschaft entwickelt, die aus ihren Kinderschuhen, mit denen sie die Imperien begleitete, hinausgewachsen ist. Zuerst entdeckt man Bronisław Malinowski mit seiner Methode der teilnehmenden Beobachtung wieder, der Anfang des Jahrhunderts festgestellt hat, dass andere Kulturen auch aus sich heraus erklärt werden können. Dann zitiert man Edward E. Evans- Pritchard, der mit seiner Forschung über afrikanische Stämme den Stoff für eine Diskussion um die Rationalität und Irrationalität fremder Kulturen liefert. Er war, ebenfalls vor dem zweiten Weltkrieg, zu dem nun auch für Philosophen überraschenden Ergebnis gelangt, dass Fremde ein anderes Verständnis von Wirklichkeit haben. Mehr noch: dass wir mit unseren Kriterien von Rationalität das, was sie von ihrem Standpunkt aus für wahr halten – den Hexenglauben – als irrational ablehnen müssen. Überdies scheinen auch diese Kulturen mitnichten gewillt zu sein, sich freiwillig zu "unserer" vermeintlich überlegenen Zivilisation hin zu entwickeln. Schließlich fällt einem Philosophen namens Kurt Hübner auf, dass in der scientific community das Interesse an anderen Wirklichkeiten, wie der des Mythos, mit zunehmendem Zweifel an der Rationalität der Naturwissenschaften wächst. Darum bündelt er die Forschungsstränge so, dass die Umgrenzung unseres Denk- und Erfahrenssystems als wissenschaftliche Ontologie möglich wird und „wir" die Wahrheitsansprüche der Anderen mit „unseren" Rationalitätskriterien anerkennen können. Hübner zufolge sind Kategorien wie Zeit und Raum - die Fundamente, auf denen unsere Kultur ruht - nicht wie bei Kant a priori verankert, sondern intersubjektiv. So gesehen kann nurmehr ein historisch- kontingenter Anspruch auf Wahrheit postuliert werden. Der ist allerdings weder relativ noch beliebig im Sinne eines „any-thing-goes", sondern „für uns" verbindlich.
Nach Hübner können zwar die in interkultureller Kommunikation verhandelten Wahrheitsansprüche von Anderen als gleichberechtigt anerkannt werden. Er erklärt jedoch nicht die Formen okzidentaler Herrschaft, die als Ethnozentrismus kritisiert wurden. Hierzu muss unser Interpretenstandort weitergehend durch die Alphabetschrift umrissen werden, die man in Zeiten von Platon im Erziehungswesen und in der Verwaltung der Polis Athen einführte. Irina Buche hat in ihrer Theorie der interkulturellen Kommunikation Hübner und Eric A. Havelock da weitergeführt, wo sie auf die Folgen der Nutzung dieses Mediums bei der Grundsteinlegung unsere Kultur aufmerksam macht. Bei der historischen Rekonstruktion von Herrschaftsverhältnissen wie Eroberung, Missionierung,Kolonisation und Industrialisierung geht sie davon aus, dass die fundamentale Trennung der Subjekte von den Objekten durch die Einführung von Schrift ermöglicht wird. Denn diese ermächtigt Autoren dazu, sich als Subjekte aus lokal und historisch begrenzten Erfahrenskontexten zu befreien und eine universell bzw. relativistisch entgrenzte Autorengemeinschaft zu institutionalisieren. In ihren Texten diskriminieren diese Architekten "unserer" globalen Wirklichkeit weiterhin mündlich kommunizierende „Andere" als stumme Objekte. Sie sind nicht nur da präsent, wo Philosophen den griechischen Mythos ins Reich der Irrationalität verweisen, sondern davor auch im Vorderen Orient, wo die Gläubigen der drei Buchreligionen der Juden, Christen und Moslems ihren Schöpfergöttern mit Flamme und Schwert den Weg bahnen. Der Olymp dieser Götter wird danach in Europa von den Aufklärern usurpiert, die dank der Verbreitung ihrer Text – Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Enzyklopädien - durch den Buchdruck und auf neuen Verkehrswegen eine revolutionäre Autorengemeinschaft gründen können.
Erst die Digitalisierung der Welt bringt eine neue Qualität interkultureller Beziehungen zu Anderen hervor. Nach Buche werden diese Anderen mittels der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien nur als scheinbar gleichberechtigte Kommunikationspartner in die weltweiten Netze integriert. Alphabetisierung ist nun nicht mehr unbedingt notwendig. Die Mängel der phonetischen Schrift, in der man mündliche Laute und bewegte Bilder aus lebendigen Erfahrenskontexten in abstrakten Zeichen kodierte,werden in der Welt sekundärer Oralität ausgeglichen. Diese Welt ist, als sie von den Massenmedien Hörfunk, Fernsehen und Film aus der Taufe gehoben wird, noch Einweg-Kommunikation, jetzt ist vielseitige Interaktion möglich. Dennoch wird die Alphabetschrift noch immer sowohl für die private Kommunikation im Internet genutzt, als auch für die Veröffentlichung wissenschaftlich abgesicherter Wahrheiten. Die Kritik an den neuen medialen Herrschaftsformen, die in interkulturellen Beziehungen wirken, ist darum zugleich eine Medienkritik, die uns da einholt, wo „wir" heute gemeinsam mit Anderen in ein und derselben Welt von Literalität und sekundärer Oralität leben. In dieser global-virtuellen Wirklichkeit gehen die Qualitäten lokal-mündlicher Erfahrenskontexte für alle verloren, auch für Autoren und Internetnutzer: Sinnlichkeit und sinnliche Vernunft, Erotik, Emotionalität und Bewegung...
Erst nachdem digitale Technologien und Massenmedien weltweit die mündlich-mythischen Kulturen fast zerstört haben, gewinnt das Interesse an Mythos und Mündlichkeit eine neue Dimension. Schon Hübner, der sich beim Entwurf einer anderen Ontologie an Mircea Eliade orientiert hat, weist darauf hin, dass es in den mythischen Kulturen Asiens keine Trennung zwischen Subjekten und Objekten gibt, weil diese untrennbar in Naturgottheiten verschmelzen. Nach Hübner geht Buche davon aus, dass die Kommunikation mit Naturgottheiten mündlich ist. Da sich die Subjekte hier nicht von Objekten trennen können, ist das Telos menschlichen Strebens nicht vorrangig auf den Gewinn von materiellen Gütern und Freiheiten des Individuums ausgerichtet. Im Gegenteil geht es darum, das gemeinsame Überleben in der Kommunikation mit einer vergöttlichten Natur abzusichern. Diese fundamental mündlich organisierte Wirklichkeit wird exemplarisch am Beispiel der Azteken/Mythologie der Azteken durch die Texte der Sieger hindurch (re)konstruiert. Ziel der Rekonstruktion ist es, in Zeiten, in denen die zweckrationale Beherrschung des Globus zerstörerisch auf lokale Erfahrenskontexte zurückwirkt, theoretische Wege für ein gleichberechtigteres, kommunikatives Handeln mit Anderen zu öffnen: Sowohl im kooperativen Umgang mit der Natur, als auch im emotional intelligenten Miteinander. Wie es zum Beispiel die europäischen Städte im "Klimabündnis" mit den indigenen Völkern vom Amazonas praktizieren.
Kommunikation | Ethnologie | Interkulturelle Begegnung
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"Theorie der interkulturellen Kommunikation".
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