Die Theologie (griech. theologia, von theós „Gott“ und lógos „Lehre“) ist wörtlich die Lehre von Gott, allgemeiner die Lehre von Glaubenssystemen und Glaubensdokumenten. Oft ist konkret die christliche Theologie gemeint.
Theologie bezieht sich in der Regel auf eine bestimmte Religion bzw. Konfession. Hierbei werden nicht nur die dargestellten Inhalte, sondern oft auch die Denkweisen und angewandten Methoden von der jeweiligen Religion bzw. Konfession bestimmt. In der wissenschaftlich betriebenen (christlichen) Theologie wird genau diese Tatsache in der Regel selbst noch einmal problematisiert bzw. reflektiert.
Manche Wissenschaftstheoretiker und Vertreter antikirchlicher Organisationen sprechen der Theologie aufgrund ihrer Bekenntnisgebundenheit die Wissenschaftlichkeit ab und kritisieren ihre Präsenz an staatlichen Universitäten in Form von theologischen Fakultäten.
Bereits im zweiten Jahrhundert wird der Begriff von christlichen Autoren, den sogenannten Apologeten, aufgegriffen, die ihn nun im Kontrast zur mythologia (Erzählen von Göttergeschichten) der polytheistischen heidnischen Autoren verwendeten. Bei Eusebius bedeutet der Begriff dann etwas wie "das christliche Verständnis von Gott". Bei allen patristischen Autoren bezog sich der Begriff jedoch nicht auf die christliche Lehre im Allgemeinen sondern nur auf die Aspekte von ihr, die sich direkt auf Gott bezogen. So wurden als einzige frühchristliche Autoren der Autor des Johannesevangeliums und Gregor von Nazianz spezifisch als Theologen bezeichnet, weil Gott bei ihrer Lehre im Mittelpunkt stand. Die Fragen nach dem Heilshandeln und der Heilsordnung Gottes für die Menschen wurden unter dem Begriff der Ökonomie (gr. oikonomia) behandelt.
Christliche Theologen in der Alten Kirche waren häufig Bischöfe, im Mittelalter in der Regel Ordensleute. Mit der Entstehung der Universitäten als Ordenshochschulen im Mittelalter bildete die Theologie meist die erste Fakultät. Im Hochmittelalter bekam der Begriff dann bei Peter Abaelard (Frühscholastik) und Bonaventura (Hochscholastik) erstmals die allgemeinere Bedeutung das Gebiet des heiligen Wissens, das die gesamte christliche Lehre umfasste. Zum feststehenden Begriff in diesem Sinn wurde Theologie dann insbesondere aufgrund der Summa theologica von Thomas von Aquin, der Theologie in erster Linie als spekulative, theoretische Wissenschaft ansah.
Die Reformatoren betonten dann den praktischen Aspekt der Theologie wieder stärker. Damit steht Luther auch in der Tradition der monastischen Verankerung der Theologie wie sie im Mittelalter z.B. bei Anselm von Canterbury und Bernhard von Clairvaux wirksam war. Praktische Wissenschaft war die Theologie in dem Sinne, dass sie ganz auf die Zueignung des Heils durch Gott, also den praktischen Vollzug des Glaubenslebens bezogen war. In diesem Sinne bestimmten auch zahlreiche Vertreter der lutherischen Orthodoxie die Theologie als eine scientia practica, die allerdings in ihrer Durchführung auch Anleihen bei der theoretischen Wissenschaft machen müsse. Deshalb gewannen die theologischen Systeme der lutherischen Orthodoxie vielfach äußerlich einen ähnlichen Charakter wie die alten scholastischen Summen, waren inhaltlich aber anders angelegt und auch in ihrem systematischen Aufbau (der sich an den analytischen ordo des Aristoteles anlehnte) stärker auf die Glaubenspraxis hin ausgerichtet. Teilweise etablierte sich auch wieder ein stärker oder gar rein theoretisches Verständnis der Theologie.
Die Unterscheidung der Theologie als Wissenschaft von der Glaubenspraxis und der unmittelbaren Erkenntnis des Glaubens wurde schon zur Zeit der lutherischen Orthodoxie durch den Theologen Georg Calixt vorbereitet. In Ansätzen liegt sie auch bei Abraham Calov und Johann Andreas Quenstedt vor. Während diese allerdings die Theologie dem Glauben vorordnen, wird das Verhältnis in der Aufklärung umgekehrt: Die Theologie ist als Reflexionsform gegenüber dem Glauben bzw. der Religion sekundär. Diese Verhältnisbestimmung tritt erstmals bei Johann Salomo Semler auf. Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher begriff die Theologie dann als eine positive Wissenschaft, die auf die Kirchenleitung bezogen ist. Während die Unterscheidung von Theologie und Glaube bis heute für den theologischen Diskurs maßgeblich ist, bleibt die Ausrichtung der Theologie auf die Kirchenleitung umstritten.
Daneben gibt es auch Institute, die konfessionell gebunden sind. Dazu gehören beispielsweise das methodistische Theologische Seminar Reutlingen, die adventistische Theologische Hochschule Friedensau (in Möckern-Friedensau bei Magdeburg) und das Theologische Seminar/Fachhochschule des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden / Baptisten in Wustermark-Elstal bei Berlin.
Im weiteren freikirchlichen Sektor findet die Ausbildung der Pastoren und Prediger im ganz überwiegenden Maße auf Bibelschulen statt. Dazu gehören beispielsweise das dem Bund Freier evangelischer Gemeinden Deutschland zugehörige Theologische Seminar in Ewersbach oder das Theologische Seminar Beröa des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden in Erzhausen bei Darmstadt. Als freies Werk innerhalb der Evangelischen Landeskirche bietet das Theologische Seminar Adelshofen ein Masterstudium in Praktischer Theologie in Verbindung mit der University of South Africa an (Abschluss: MTh).
Die Hochschulen weisen zum Teil deutlich unterschiedliche Ausprägungen auf. So sind einige Fakultäten traditionell eher lutherisch beziehungsweise reformiert orientiert oder stehen in einer pietistischen Tradition. Gelegentlich werden solche Schwerpunkte auch durch besondere Lehrstühle gesetzt. So verfügt zum Beispiel die evangelisch-theologische Fakultät der Universität Erlangen über einen Lehrstuhl für reformierte Theologie.
Theologische Fernkurse im Rahmen der katholischen Theologie sind ein an katholische Laien und Interessierte gerichtetes Fernstudium, gekoppelt mit Studientagen und -wochenenden vor Ort. Speziell für Ständige Diakone, Katecheten, Gemeindereferent(inn)en und Religionslehrer(innen) ist dieser Kurs auch als theologische Ausbildung für einen kirchlichen Beruf anerkannt, allerdings immer unter der Voraussetzung, dass die Heimatdiözese vorher dem Studium zugestimmt und bei erfolgreichem Bestehen eine Anstellung in Aussicht gestellt hat. Alle anderen Teilnehmer können, aber müssen keine Prüfung absolvieren. Die einzelnen theologischen Fernkurse sind unterschiedlich strukturiert, bieten aber in der Regel Grundkurs, Aufbaukurs und Spezialisierungskurse an. Der bekannteste theologische Fernkurs wird von der Domschule Würzburg * angeboten und begleitet. Er richtet sich vor allem, aber nicht nur an die Interessenten aus den bayerischen Diözesen. Auch das Erzbistum Köln und das Bistum Limburg haben ein derartiges Angebot.
Im evangelischen Bereich gibt es einen solchen Fernunterricht z.B. von der Kirchenprovinz Sachsen.
Viele der in der Theologie üblichen Analysesysteme und Methoden werden auch im Bereich der Linguistik, der Philosophie oder der Geschichtswissenschaft verwendet. Dies ermöglicht den wissenschaftlichen Diskurs zwischen evangelischen, katholischen, orthodoxen, jüdischen, atheistischen und andersgläubigen Wissenschaftlern, wie er zum Beispiel in der Religionsgeschichte und in der Biblischen Wissenschaft (Exegese) üblich ist. Dennoch hat jede Theologie ihr Spezifikum in der Art und Weise, wie sie ihren "Gegenstand" (Materialobjekt) und ihren methodischen Zugang (Formalobjekt) definiert.
Das theologische Studium ist in der Regel in die folgenden Teildisziplinen unterteilt:
Katholische Theologie versteht sich als konstruktive Reflexion und wissenschaftliche Darstellung des christlichen Glaubens und zugehöriger Gegenstände. Zentral für eine Erhebung der Glaubensgestalt sind die Bibel als grundlegendem Offenbarungsbuch die Tradition, Glaubenslehren der Tradition, besonders dogmatisierte Entscheidungen und Aussagen des kirchlichen Lehramtes, ferner der Glaubenssinn aller Gläubigen. Die einzelnen Teildisziplinen haben darüber hinaus weitergehende Aufgabenfelder. Die Dogmatik thematisiert etwa auch die Abgrenzung des Glaubens gegen häretische Glaubenslehren, sie und andere Disziplinen wie die theologische Ethik stehen im Dialog mit jeder Form weltanschaulicher Lehren. Im Konzert der Wissenschaften haben die theologischen Disziplinen spezifische Methoden, Gegenstände und Aufgaben. Innerhalb der Glaubensgemeinschaft der Kirche dient die Theologie der Gegenwart und Zukunft des Glaubens.
Dementsprechend gibt es auch in der evangelischen Theologie unterschiedliche Näherbestimmungen des Theologiebegriffs:
Gemeinsam ist allen diesen Modellen, dass sie die Theologie primär von der dogmatischen Reflexion her bestimmen. Dadurch werden aber die anderen theologischen Disziplinen nicht ausgeschlossen. Diese können als der Dogmatik dienende Disziplinen verstanden werden oder aber auch als eigene Gegenentwürfe von Theologie, so insbesondere die exegetischen Disziplinen. Exegeten verstehen sich daher häufig als die eigentlich biblischen Theologen im Sinne der Reformation, da sich Theologie allein an der Auslegung biblischer Texte zu orientieren habe. Dabei wird freilich übergangen, dass auch die dargestellten dogmatischen Modelle den Anspruch erheben, genuine Auslegungen der biblischen Texte zu sein.
Der Theologiebegriff ist eigentlich im Christentum beheimatet. Wenn er heute auch auf andere Religionen (v.a. Judentum und Islam) übertragen wird, ist dies nicht immer unproblematisch, da der Begriff innerhalb dieser Religion meist kritisch betrachtet wird. So sprechen viele jüdische Gelehrte (die sich eben nicht Theologen nennen) eher von jüdischer Rechtsauslegung, Kasuistik oder einfach nur Lehre. Konfessionell gebundenen Fakultäten und Seminare gibt es nur für Christentum, Judentum und Islam. Es findet zwar im Rahmen der Vergleichenden Religionswissenschaft eine wissenschaftliche Beschäftigung mit vielen Religionen und ihren Inhalten statt, jedoch ist die Perspektive und Methodik hierbei deutlich von einer theologischen Heransgehensweise unterschieden. Studiengänge wie Judaistik und Islamwissenschaft sind nicht mit konfessionellen Studiengängen zu verwechseln, sondern gehören in den Bereich der Religionswissenschaft.
In Heidelberg gibt es die Hochschule für Jüdische Studien, die vom Zentralrat der Juden in Deutschland getragen wird. Auch gibt es an mehreren Universitäten Studiengänge für Judaistik, die unabhängig von der Religionszugehörigkeit besucht werden können.
Die Kritik richtet sich z.B. gegen
Die im ersten Punkt umrissenen wissenschaftstheoretischen Anfragen werden teilweise auch so formuliert, dass Theologie ihre Voraussetzungen zugleich als ihren Gegenstandsbereich behandelt. Diesem Vorwurf könnten dann theologische Positionen ausweichen, welche Voraussetzungen und Gegenstand unterscheiden. Viele würden bestreiten, dass mit dieser Formulierung überhaupt die Theologie zutreffend charakterisiert wird. Viele Theologen sehen Gott nicht als unmittelbaren Gegenstand von Theologie (z.B. bei Wolfhart Pannenberg). Gott wird im Gegenteil zumeist als Gegenstand des Glaubens verstanden. Glaube aber ist eine (selbst wissenschaftlich zugängliche) Lebensäußerung und keine Wissenschaft.
Oftmals entscheidet sich die Diskussion am jeweils zugrunde gelegten Wissenschaftsbegriff. Ein großer Teil der Kritik orientiert sich an einem (ursprünglich naturwissenschaftlich orientierten) Wissenschaftsbegriff, der absolute Objektivität fordert und das wissenschaftliche Subjekt nicht berücksichtigt. Nahezu für alle Wissenschaften ist es heute eine Banalität, dass die jeweilige Perspektive und Fragerichtung des Wissenschaftlers das Ergebnis seines wissenschaftlichen Forschens mit beeinflusst. Diese Binsenweisheit lässt sich theoretisch präzisieren. Selbst für die Naturwissenschaften haben seit Jahrzehnten viele Wissenschaftstheoretiker die Verengungen des Wissenschaftsbegriffs früher Vertreter ihrer Disziplin aufzuzeigen versucht und Alternativen vorgeschlagen. So etwa sehr früh viele Kritiker einer distinkten Trennung von Theorie und Beobachtung, später Kuhn mit Blick auf die Dynamik wissenschaftlicher Theoriebildung, Sneed mit einem Theoriebegriff, der Theorien als strukturiert statt als Mengen von Sätzen versteht oder Stegmüller, der Ergebnisse und Probleme analytischer Debatten im deutschen Sprachraum bekannt gemacht und u.a. den teils vage und umstritten gebliebenen Thesen Kuhns eine klare Präzisierung im Rahmen der Konzeption Sneeds gegeben hat.
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