Theodor Heuss (* 31. Januar 1884 in Brackenheim; † 12. Dezember 1963 in Stuttgart) war ein deutscher Politiker (Fortschrittliche Volkspartei, DDP und FDP/DVP). Der Politikwissenschaftler und Journalist war von 1949 bis 1959 erster Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland.
1903 trat Heuss der linksliberalen Freisinnigen Vereinigung bei, wechselte 1909 zur Fortschrittlichen Volkspartei. 1918 war er Gründungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). 1919 wurde er Stadtverordneter in Berlin-Schöneberg.
Von 1924 bis 1928 und von 1930 bis 1933 war er Abgeordneter des deutschen Reichstags. Am 23. März 1933 stimmte er bei der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz im Reichstag zu, obwohl er sich vorher in seiner Fraktion gegen die Zustimmung ausgesprochen hatte. Das Abgeordnetenmandat wurde ihm im Juli 1933 aberkannt.
Heuss gab noch drei Jahre lang Die Hilfe heraus, erhielt 1936 ein Publikationsverbot und verlor sein Lehramt.
1941 wurde Heuss fester Mitarbeiter der liberalen Frankfurter Zeitung, in der er vor allem historische und kulturpolitische Aufsätze veröffentlichte. 1942 verboten die Nationalsozialisten auf Anweisung Hitlers den deutschen Zeitungen, etwas von Heuss abzudrucken, er schrieb allerdings weiter unter dem Pseudonym Thomas Brackheim und dem Kürzel r.s. Unter eigenem vollen Verfassernamen schrieb er eine kleine Biographie über Justus von Liebig, die 1942 in Hamburg bei Hoffmann und Campe erschien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zog Heuss von Berlin nach Stuttgart, wurde von 1945 erster Kultminister Württemberg-Badens. 1946 und 1947 lehrte er als Professor an der Technischen Hochschule in Stuttgart Geschichte. Als Mitbegründer der Demokratischen Volkspartei (DVP) gehörte er 1946 bis 1949 dem Landtag von Württemberg-Baden an. Am 17. März 1948 wurde er gemeinsam mit Wilhelm Külz zum Vorsitzenden der gesamtdeutschen Demokratischen Partei Deutschlands gewählt. 1948 wurde Heuss zum Honorarprofessor an der TH Stuttgart berufen.
Am 12. Dezember 1948 wurde er auf dem Gründungsparteitag der Freien Demokratischen Partei (FDP) zum Vorsitzenden in Westdeutschland und Berlin gewählt. Er setzte sich für den Zusammenschluss aller liberalen Parteien der westlichen Besatzungszonen ein. 1948 war er Mitglied des Parlamentarischen Rates, der das Grundgesetz, die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, beschloss.
Das gerade erworbene Mandat im ersten Deutschen Bundestag legte er nieder, als er am 12. September 1949 gegen Kurt Schumacher von der Bundesversammlung ins höchste Staatsamt der Bundesrepublik Deutschland berufen wurde (siehe Bundespräsidentenwahl 1949). 1954 ohne Gegenkandidat wiedergewählt (siehe Bundespräsidentenwahl 1954), amtierte er bis zum 12. September 1959. Eine dritte Amtszeit, die eine Änderung des Grundgesetzes erforderlich gemacht hätte, lehnte er 1959 ab.
Heuss prägte das Amt durch seine überparteiliche Amtsführung. Als Repräsentant der demokratisch-liberalen und kulturellen Traditionen Deutschlands vermochte er im Ausland Vertrauen für die Nachkriegsrepublik zu gewinnen. Seine Staatsbesuche trugen wesentlich zum Wachsen des Ansehens der Bundesrepublik Deutschland im Ausland bei. 1959 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Er ist Ehrenbürger der Städte Berlin, Brackenheim, Darmstadt, Frankfurt am Main, Heilbronn, Kiel, Köln, Stuttgart und Trier.
Heuss war seit dem 11. April 1908 mit Elly Heuss-Knapp (1881-1952) verheiratet, mit der er einen Sohn – Ernst Ludwig – hatte. Die beiden wurden getraut von Albert Schweitzer, mit dem seine Frau gut befreundet war. Seine Frau gründete 1950 das Müttergenesungswerk.
Nach seinem Tod am 12. Dezember 1963 wurde er auf dem Waldfriedhof Stuttgart bestattet.
Mann | Deutscher | Reichstagsabgeordneter | Landesminister (Württemberg-Baden) | Mitglied des Parlamentarischen Rates | Bundespräsident (Deutschland) | Bundesvorsitzender der FDP | Bundestagsabgeordneter | Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion | DDP-Mitglied | FDP-Mitglied | Ehrenbürger | Träger des Bundesverdienstkreuzes | Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels | Geboren 1884 | Gestorben 1963
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