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Theodor Eicke (* 17. Oktober 1892 in Hampont, Elsass-Lothringen; † 26. Februar 1943 in Michailowka nahe Orjol, Russland) war SS-Obergruppenführer, Chef der SS-Totenkopfverbände, Kommandant des KZ Dachau und Inspekteur des Konzentrationslagerwesens.

Jugend und Erster Weltkrieg

Theodor Eicke besuchte die Volksschule und bis 1909 die Realschule in Hampont. Seine schulischen Leistungen waren unterdurchschnittlich, er brach die Schule 1909 ab und schlug eine Militärbeamtenlaufbahn ein, die beim 23. bayrischen Infanterieregiment in Landau begann. Während des bald ausbrechenden Ersten Weltkrieges wurde er Zahlmeister beim 3. bayrischen und später beim 22. bayrischen Infanterieregiment. Er versah seinen Dienst an der Westfront und wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Während des Krieges, am 26. Dezember 1914, heiratete Eicke die aus Thüringen stammende Bertha Schwebel. Am 5. April 1916 wurde seine Tochter Irma und am 4. April 1920 sein Sohn Hermann geboren.

Weimarer Republik

Nach dem Krieg schied er 1919, wie viele andere auch, nicht ganz freiwillig im Rang eines Unterzahlmeisters aus dem Armeedienst aus. Dies und die damit verbundene Arbeitslosigkeit führte bei ihm zu einer tiefen Abneigung gegen die neue Republik. Erst im Juli 1920 fand er eine Stelle als bezahlter Informant für die Polizei in Ilmenau, wurde aber bald wieder entlassen, da er sich politisch gegen die Republik betätigt hatte. Aus genau dem gleichen Grund verlor er in den Folgejahren immer wieder seine neuen Stellungen als Polizist - in Cottbus, Weimar, Sorau und Ludwigshafen.

Im Jahr 1923 fand er in Ludwigshafen als „Sicherheitskommissar“ für Spionageabwehr bei der IG-Farben eine feste Anstellung, in der er bis 1932 blieb. Obwohl er ab 1923 ein wirtschaftlich gesichertes Leben führte, konnte er sich mit der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und seinem Zivilleben nicht abfinden. So wurde er fast zwangsläufig am 1. Dezember 1928 Mitglied der NSDAP und erhielt die Parteinummer 114.901. Zugleich trat Eicke der SA bei, deren paramilitärische Ausrichtung seiner eigenen soldatischen Lebensauffassung entsprach. Am 20. August 1930 wechselte er von der SA zur SS, da er in dem kleineren und elitären Verband bessere Karrierechancen sah, was sich auch bald bestätigte. Am 27. November 1930 wurde er zum SS-Sturmführer befördert und kommandierte den SS-Sturm 148 in Ludwigshafen. Sein Engagement und der Erfolg fanden das Wohlwollen von Himmler, der ihn schließlich bereits am 30. Januar 1931 zum Sturmbannführer beförderte. Eicke stellte einen neuen SS-Sturmbann auf und widersetzte sich erfolgreich den Bestrebungen des rheinland-pfälzischen Gauleiters Joseph Bürckel, sich selbst alle SA- und SS-Verbände des Rheinlands zu unterstellen. Am 15. November 1931 wurde Eicke Standartenführer und Kommandeur der 10. SS-Standarte „Rheinpfalz“. Wegen seiner politischen Tätigkeit und der Weltwirtschaftskrise verlor er seine Arbeit bei der I.G. Farben. Am 6. März 1932 wurde Eicke wegen illegalen Besitzes von Sprengstoff und wegen Verabredung zur Verübung einer Reihe von Bombenanschlägen und politischen Morden in Bayern inhaftiert und zu zwei Jahren Haft verurteilt. Durch die Intervention des nazifreundlichen bayerischen Justizministers Franz Gürtner wurde ihm ein Haftaufschub gewährt, den er sofort nutzte, um seine politischen Aktivitäten in Ludwigshafen wieder aufzunehmen. Um ihn außer Reichweite der deutschen Polizei zu schaffen und weitere Prozesse zu vermeiden, schickte Himmler ihn am 18. September 1932 nach Italien. Um das „Exil“ zu kompensieren, erhielt Eicke den Rang eines Oberführers.

In Italien führte er ein Lager am Gardasee für SS-Männer, die wie er aus Deutschland geflüchtet waren. Auch von dort aus setzte er seine Fehde mit Gauleiter Bürckel fort. Bürckel versuchte, Eickes Exil zu nutzen, um diesen zu entmachten und aus der Partei auszuschließen. Eicke schrieb an seine alten Kameraden in Ludwigshafen eine Reihe wüster Briefe, in denen er Rache schwor und drohte, Bürckel in die Luft zu sprengen.

Nationalsozialismus

Am 10. März 1933 konnte Eicke nach der Machergreifung durch Adolf Hitler wieder nach Ludwigshafen zurückkehren. Er wurde bald von Himmler zum Kommandanten des KZ Dachau ernannt. Hier begründete Eicke die SS-Totenkopfverbände, die eigens für die Bewachung der Konzentrationslager gedacht waren. Am 30. Januar 1934 wurde er zum SS-Brigadeführer befördert und am 20. Juni 1934 zum Führer im Stab des Reichsführers-SS ernannt.

Am 30. Juni 1934 wirkte Eicke aktiv bei der Ermordung Ernst Röhms sowie der gesamten SA-Spitze mit. Er selbst erschoss Röhm in seiner Stadelheimer Zelle und wurde zur Belohnung oberster "Dienstherr aller SS-Wachverbände" und war nur noch dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler direkt unterstellt.

Am 11. Juli 1934 wurde er zum SS-Gruppenführer ernannt und begann viele KZs im ganzen Land aufzubauen.

Nach Beginn des Polenfeldzuges wurde Eicke damit beauftragt, aus den SS-Totenkopfverbänden eine Division aufzustellen. Diese wurde beim Frankreichfeldzug erstmals eingesetzt und von ihm kommandiert. Die Division musste aber starke Verluste hinnehmen, da er meist sehr unüberlegt angreifen ließ. Bekannt wurde die Division auch durch die von ihr durchgeführten Massaker. Am 8. Juli 1941 wurde Eicke durch eine Mine schwer verwundet, in ein Lazarett eingeliefert und kehrte erst am 21. September zu seiner Division zurück. Am 15. Januar 1941 bekam er das Ritterkreuz und am 20. April 1942 das Eichenlaub dazu verliehen und wurde zum SS-Obergruppenführer befördert. Am 26. Juni 1942 wurde Eicke zurückberufen und begann mit dem Aufbau einer neuen SS-Totenkopf-Division in Sennelager. Am 30. Januar 1943 wurde die neue Division an der Ostfront bei Charkow eingesetzt und dann nach schweren Verlusten mit der alten Division vereinigt. Am 26. Februar 1943 flog Eicke mit einem Fieseler Storch über ein russisches Dorf, wurde abgeschossen und starb. Nach ihm wurde danach ein SS-Panzergrenadier-Regiment der Totenkopf-Division benannt.

Literatur


  • Karin Orth: Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Eine politische Organisationsgeschichte. Hamburger Edition, Hamburg 1999, ISBN 3930908522
  • Johannes Tuchel: Die Inspektion der Konzentrationslager 1938-1945. Das System des Terrors. Edition Hentrich, Berlin 1994, ISBN 3894681586
  • Charles W. Sydnor Jr.: Soldaten des Todes. Die 3. SS-Division „Totenkopf“ 1933\u20131945, Schöningh, Paderborn, 2002 ISBN 3-506-79084-6
  • Otto Gritschneder: Der Führer hat Sie zum Tode verurteilt... - Hitlers 'Röhm-Putsch-Morde' vor Gericht, München 1993, ISBN 3-406-37651-7

Weblinks


Mann | Deutscher | NSDAP-Mitglied | SA-Mitglied | SS-Mitglied | Mitglied der Waffen-SS | KZ-Personal | Kriegsverbrecher | Geboren 1892 | Gestorben 1943 | Ritterkreuzträger

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