Theodor Maximilian Bilharz (* 23. März 1825 in Sigmaringen; † 9. Mai 1862 in Kairo, Ägypten) war ein deutscher Mediziner und Naturwissenschaftler. Bilharz theodor1.jpg
Theodor Maximilian Bilharz war Sohn des Sigmaringer Hofkammerrats Joseph Anton Bilharz, der 1788 im katholischen Herbolzheim im Breisgau geboren wurde. Die Mutter Elsa Fehr stammte aus dem schweizerischen Thurgau und war eine überzeugte Zwinglianerin.
Schon als Schüler interessierte sich Bilharz für die Natur, betrieb schon früh entomologischen Studien und hatte auch ein kleines Naturalienkabinett sowie eine Schmetterlingssammlung. Angeregt durch einen Schweizer Onkel, der ihm Bücher und exotische Sammelstücke überließ, wurde sein Forschertrieb bekräftigt. Er besuchte das Fürstlich Sigmaringer Gymnasium und absolvierte von 1844 an ein zweijähriges Studium der Medizin an der Universität Freiburg im Breisgau, wo Friedrich Arnold sein erster einflussreicher Lehrer war. Arnold, schrieb Bilharz später, habe ihm "das Grubenlicht der anatomischen Forschung entzündet". Neben der Medizin studierte er alles, was ihn interessierte: Philosophie, Ethik, deutsche Sprache, Literaturgeschichte, Archäologie, antike Kunstgeschichte, klassische Philologie, Botanik, Anatomie und Anthropologie. Von 1845 bis 1849 studierte er an der Universität Tübingen. Dort hörte er unter anderem Botanik bei Hugo von Mohl, Innere Medizin und Pathologie bei Carl Reinhold August Wunderlich, Chirurgie bei Victor von Bruns sowie Frauenheilkunde bei Franz Xaver Breit. 1847 wird seine Abhandlung über das Blut wirbelloser Tiere mit einem Preis ausgezeichnet.
Es folgte die medizinische Staatsprüfung, die er in Sigmaringen ablegte, anschließend studierte er wiederum in Freiburg, wo er über die vergleichende Anatomie wirbelloser Tiere bei Carl Theodor Ernst von Siebold arbeitete. Er wurde 1850 in Tübingen zum Dr. med. promoviert.
Im Jahre 1850 folgte er dem als Direktor des ägyptischen Medizinalwesens berufenen Wilhelm Griesinger als Assistent nach Kairo und wird dort später Chefarzt an verschiedenen Krankenhäusern. Weiter lehrt er an der Medizinischen Hochschule Kairo und wird dort 1855 zum Professor der Anatomie und zum Major ernannt.
Im März 1862 begleitete er Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha bei dessen Ägyptenreise und behandelte dabei dessen an Typhus erkrankte Frau. Dabei infizierte er sich selbst und starb einige Wochen später in Kairo.
Große wissenschaftliche Verdienste erwarb sich Bilharz als Helminthologe (Erforscher von Wurmkrankheiten). So beschreibt er 1851 in brieflichen Mitteilungen Distomum haematobium, einen Wurm, dessen Eier er im Urin von Patienten und dessen Larven im Nilwasser nachgewiesen hat. Der bekannte Anatom Heinrich Meckel von Hemsbach benannte diese Art dem Entdecker zu Ehren Bilharzia haematobia.
In der Folge wurde das Krankheitsbild als Bilharziose bezeichnet. In der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts wurde diese Bezeichnung im deutschsprachigen Raum jedoch weitgehend durch die Bezeichnung Schistosomiasis ersetzt, die Gattungsbezeichnung "Bilharzia" wurde durch Schistosoma verdrängt. Der Erreger der urogenitalen Schistosomiasis heißt heute Schistosoma haematobium.
1857 verfasste er ein viel beachtetes Werk über das elektrische Organ des Zitteraals. In Ägypten unternahm er daneben Forschungsreisen, bei denen er unter anderem einen Nilbarsch als neue Art beschrieb.
Mann | Deutscher | Anatom | Biologe | Autor | Naturwissenschaftler | Geboren 1825 | Gestorben 1862
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