Die Thar (auch Tharr oder Große Indische Wüste) ist ein Wüsten- und Halbwüstengebiet in Vorderindien im Gebiet von Rajasthan östlich des unteren Indus.
Im Südosten Pakistans geht die Thar in die Cholistan über. Die Cholistan liegt im südöstlichen Gebiet des Punjab und im östlichen Teil Sindhs. Es handelt sich zur Hälfte um eine Sandwüste ebenfalls mit typischen Dünen.
Beide Wüstengebiete umfassen zusammen etwa 273.000 km².
Die Definition des Ausmaßes der Thar hängt davon ab, wieviel des Übergangsgebiets in die Dornensavanne dazugezählt wird. Dem WWF zufolge bedeckt die Thar ein Gebiet von 238.700 km², und die nordwestlichen Dornensträucher bedecken weitere 488.300 km².
Inmitten der Cholistan liegt das ausgetrocknete Flussbett des Hakra, der Fortsetzung des Ghaggar in Pakistan.
Die meisten der Studien sind sich einig, dass die Paläokanäle des Flusses Sarasvati mit dem Bett des heutigen Ghaggar übereinstimmen. Sie gehen davon aus, dass einmal der Sutlej gemeinsam mit dem Yamuna in das heutige Ghaggar Flussbett liefen. Den Studien nach bildete der Sutlej die Hauptzufuhr des Ghaggar. Nach jüngeren tektonischen Aktivitäten verschob sich der Sutlej in den Westen, der Yamuna dagegen in den Osten, wodurch der Ghaggar austrocknete.
Die Fernerkundung ist weitgehend nützlich, um die Paläokanäle in Wüstengebieten zu entdecken. So werden dafür diverse digitale Techniken eingesetzt, um Satellitenbilder zu analysieren. Die heutige anscheinend unorganisierte Lage der Ströme im Rajasthan wird von vielen Untersuchern dem Klimawandel im Quartär (Geologie) und speziell im Holozän zugeschrieben.
Etwa 10 % der Wüste sind Wanderdünen, der Rest besteht aus festen Dünen, und Übergänge von Dünen in zu Tage tretende Felsen und Salzpfannen. Der größte Teil der Fläche ist ohne Vegetation. Gebiete, die bewachsen sind, sind allgemein von Gräsern und Sträuchern dominiert. Im Nordwesten umschließt ein Gürtel aus Dornensträuchern die Wüste.
Insgesamt fällt die Thar in die Indus-Ebene ab, die Oberfläche ist hauptsächlich nur wegen der Dünen uneben. Die höchsten Dünen befinden sich im Süden, im Norden erreichen sie nur etwa 16 m. Das Aravalligebirge im Südosten stellt eine Abgrenzung dar, welches mit seinem humiden Klima auch die Ausweitung der Wüste in Richtung Osten und Ganges-Tal verhindert.
Der Boden der ariden Zone ist überwiegend sandig teilweise sandig-lehmig. Die Konsistenz und Tiefe ist von der jeweiligen Topographie abhängig. Der flachliegende Lehm ist schwerer und kann harte Pfannen aus Ton, Kalziumkarbonat oder Gips haben. Der pH-Wert des Bodens beträgt etwa 7 bis 9,5. Die Fruchtbarkeit des Bodens steigt vom Westen nach Osten hin. Wasser ist selten und tritt in 30 bis 120 m Tiefe auf.
Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt unter 150 mm im Westen bis etwa 350 mm im Osten am Rande des Aravalligebirges. Generell ist der Niederschlag in Ausmaß und Auftreten schwankend. Fast der gesamte Regen fällt während des Südwestmonsuns während Gewitterstürmen von Juli bis September.
Die Windgeschwindigkeit verhält sich ähnlich: Während der Wind im Winter um 3 km/h weht, sind es im Mai und Juni im Schnitt 32 km/h. Im Sommer kommt es gewöhnlich auch zu Sandstürmen mit Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h, welche Wohngebäude mit bis zu 7 cm Sand bedecken können. Das Grundwasser ist schwer zu erreichen und salzverunreinigt, daher gibt es hier keine Oasen.
Einige Arten, die in anderen Teilen Indiens stark zurückgedrängt werden, können in der Wüste gefunden werden. So auch die Hindutrappe (Ardeotis nigriceps), die Hirschziegenantilope (Antilope cervicapra), die Indische Gazelle (Gazella bennettii) und den Asiatischen Esel (Equus hemionus khur) im Rann von Kutch.
Es ist beachtlich, wie diese Tiere unter solch rauen Bedingungen wie hohe Temperaturen und Mangel an Wasser und größerer Vegetation überleben können. Eine entscheidende Strategie ist, dass sie kleiner als ähnliche Tiere unter anderen Bedingungen sind, außerdem sind die meisten nachtaktiv.
Die Bishnois, eine ansässige sektenartige Gemeinschaft, setzt sich für den Schutz der Tiere in Rajasthan ein. Der Gründer der Gemeinschaft glaubte, als Hirschziegenantilope wiedergeboren zu werden.
Der „Desert National Park“ bei Jaisalmer, welcher sich über eine Fläche von knapp über 3000 km² ausdehnt, ist ein gutes Beispiel für das Ökosystem der Thar mit seiner Fauna. Hier können neben den oben genannten Arten auch Fenneks, Bengalfuchs, Wölfe und ähnliche leicht angetroffen werden. Seemuscheln und versteinerte Baumstümpfe spiegeln in diesem Park in die geologische Geschichte der Wüste wider. Die Region ist ein Zufluchtsort für Zugvögel und ansässige Vögel der Wüste. So kann man hier Adler, Falken, Weihen, Bussarde und Geier sehen. Der Schlangenadler (Circaetus gallicus), der Raubadler (Aquila rapax), Schelladler (Aquila Clanga), Luggerfalke (Falco jugger) sind die gewöhnlichsten von ihnen.
Das Tal Chhapar Schutzgebiet ist ein sehr kleines Schutzgebiet in Churu, 210 km von Jaipur entfernt, und Heim einer großen Population von Hirschziegenantilopen. Ebenso trifft man hier auf Fenneks und Wildkatzen, wie auch auf auf die typischen Vogelarten wie Rebhühner und Flughühner.
Die ursprünglichen Bewohner der Thar sind nomadische Viehzüchter, die seit Generationen die edelsten Kamele Indiens züchten. Unter ihren Abnehmern finden sich vor allem die Namen der Maharajas Indiens. Seit 1986 wird über den 500 km langen Rajasthan-Kanal Wasser aus der Provinz Punjab in die Wüste geführt. Der Kanal ermöglichte auch eine große landwirtschaftliche Nutzung. Das großangelegte Bewässerungsprojekt sorgte für eine Verzehnfachung der Bevölkerung in diesem Gebiet, es gilt als das Wüstengebiet mit der größten Bevölkerungsdichte. Dennoch ist der Lebensstandard sehr niedrig. Nach wie vor lebt die Bevölkerung sehr ländlich, Fell- und Wollindustrie spielen die größte Rolle.
Die größeren Wüstenstädte wie Jodhpur, Jaisalmer, Bahawalpur und Haiderad sind über Eisenbahnlinien verbunden. Jodhpur, die größte Stadt, liegt in der Region mit Buschwuchs. Bikaner und Jaisalmer liegen direkt in der Wüste.
Obwohl die Wüste durch klimatische Gründe entstand, hat der Mensch großen Einfluss auf die Desertifikation. Die Bäume wurden für den Hausbau abgeholzt und als Brennmaterial genutzt. Dazu kam die Überweidung durch die Nomaden, woraus die Zerstörung der Grasdecken und Abnahme der Fruchtbarkeit des Bodens folgt. Die Niederschläge können deshalb noch weniger in den Boden eindringen und der Grundwasserspiegel sinkt noch weiter.
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