Die Thüringer (lat. Thuringi oder Thoringi) sind ein westgermanischer Stamm. Für die Etymologie des Namens „Thüringer“ existieren zahlreiche Theorien. Die lange Zeit übliche Ableitung des Namens von den elbgermanischen Hermunduren wird in jüngster Zeit in Zweifel gezogen, da sie lautgeschichtlich nicht haltbar ist. Stattdessen wird eine Ableitung von einem germanisch-keltischen Stamm der Turonen in Erwägung gezogen.
Das Siedlungsgebiet der Thüringer umfasste im wesentlichen das heutige Mitteldeutschland, das heißt den Raum zwischen Thüringer Wald, Werra, Harz und Elbe. Wahrscheinlich entstanden sie hauptsächlich aus Gruppen der Hermunduren.
Die Bezeichnung Thüringer tauchte erstmals Ende des 4. Jahrhunderts auf. Im 5. Jahrhundert gerieten die Thüringer unter die Herrschaft der Hunnen und bildeten nach deren Abzug 452 ein eigenes Königreich. Der erste bekannte König war Bisinus. Sein Reich erstreckte sich nach Süden über den Main hinaus fast bis zur Donau. Wahrscheinlich ist er mit dem Thüringerkönig Fisud identisch, der gemäß der Origo Gentis Langobardorum seine Tochter Radegund mit dem Langobardenkönig Wacho verheiratete.
Gregor von Tours, der um 590 seine "Fränkische Geschichte" veröffentlichte, schrieb von Thoringern, welche aber linksrheinisch und in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Franken lebten und von letzteren auch besiegt und unterworfen wurden. Der geographische Unterschied zu jenen Thüringern an Saale und Unstrut bedarf noch einer Klärung.
Kurz danach erscheinen ebenfalls bei Gregor von Tours als Könige der Thüringer die Brüder Baderich, Herminafried und Berthachar, von denen Berthachar früh von Herminafried ermordet wurde. Schließlich blieb nur noch Herminafried als eigenständiger König übrig. Er heiratete die Gotin Amalaberga, eine Nichte des Ostgotenkönigs Theoderich. Beim Tod Theoderichs 526 verlor das thüringische Reich den gotischen Schutz, sodass es für Franken nicht mehr schwer war, die Thüringer anzugreifen.
In einer Reihe von Schlachten, wobei die letzte wohl bei Burgscheidungen an der Unstrut stattgefunden haben soll, besiegten die merowingischen Franken schließlich im Jahr 531 die Thüringer unter König Hermanfrid. Die in späteren sächsischen Chroniken auftauchende Unterstützung von verbündeten Sachsen erscheint dagegen sehr unwahrscheinlich. Durch Flucht, Deportation und Mord fand die thüringische Königsfamilie ihr Ende. Die letzte Angehörige des Königshauses, Radegundis, starb 587 im französischen Exil und wurde später heiliggesprochen.
Die in vielen Publikationen erwähnt Aufteilung des thüringischen Reiches in das Herzogtum Thüringen unter fränkischer Herrschaft und einen sächsischen Teil, ist ebenfalls nicht nachgewiesen und entspringt selbiger späteren Chronik, wie die o.g. "Sachsenhilfe" im Jahr 531. Bonifatius leitete nach mehreren erfolglosen Versuchen seiner Vorgänger die Christianisierung Thüringens ein. (Gründung des Bistums Erfurt 745)
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